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Zukunftsinvestitionen : Höhere Margen an den Tankstellen

Vom hohen Benzinpreis im Herbst haben auch Tankstellen profitiert. Bild: dpa

Vom hohen Benzinpreis im Herbst haben auch Tankstellen profitiert. Manche investieren nun in Tankautomaten.

          2 Min.

          Deutschlands Tankstellenpächter sind traditionell eine eher gebeutelte Unternehmergruppe, oft verdienen sie am Ende der Kraftstofflieferkette nicht viel am Benzin. Das vergangene Jahr scheint aber auch für viele von ihnen relativ gut gelaufen zu sein. Das jedenfalls legt eine Branchenstudie des Analysehauses Scope nahe, die der Bundesverband Freier Tankstellen (BFT) vorgestellt hat. „Das Geschäftsjahr 2018 war ein erfolgreiches für den deutschen Tankstellenmarkt“, heißt es darin. Während die Bruttomargen in der ersten Jahreshälfte leicht angestiegen seien, so seien sie in der zweiten Jahreshälfte sogar „deutlich in die Höhe gegangen“.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sowohl für Super als auch für Diesel seien die Bruttomargen 2018 gestiegen und lagen beim Diesel bei 10,99 Cent je Liter, nach 9,23 Cent je Liter im Vorjahr. Beim Super sei die Marge von 10,19 auf 12,02 Cent je Liter angestiegen. Diese Margen werden von der britischen Agentur Wood Mackenzie berechnet; diese vergleicht den Verkaufspreis an der Tankstelle vor Steuern mit dem Einkaufspreis im Großhandel.

          Mögliche Transportkosten zwischen beiden Stationen wären demnach Teil dieser Bruttomarge. Nach Abzug aller Kosten dürften den Gesellschaften als sogenannte Kraftstoffmarge bis zu 2 Cent je Liter übrig geblieben sein, berichtet die Studie. Es hieß, in den Vorjahren habe dieser Wert zum Teil um rund ein Fünftel niedriger gelegen.

          Niedrige Margen in Deutschland

          Im europäischen Vergleich sind die deutschen Tankstellenmargen gleichwohl weiterhin eher niedrig – vor allem die Steuern machen Benzin hierzulande teurer als in manchen Nachbarländern. Bei der Marge für Super landete Deutschland im vorigen Jahr in Europa auf Platz 12, nach Platz 14 im Vorjahr. Bei der Marge für Diesel blieb Deutschland auf Platz 14.

          Die Mineralölunternehmen hatten die hohen Benzinpreise im vorigen Herbst mit höheren Transportkosten durch das Niedrigwasser auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen sowie mit dem Brand einer Raffinerie in Vohburg nahe Ingolstadt begründet. In der Studie heißt es, die zeitweiligen Engpässe würden zumindest als ein Grund für den rückläufigen Kraftstoffabsatz im vergangenen Jahr gesehen. So sei der Verbrauch von Super und Benzin von 18,3 auf 18 Millionen Tonnen zurückgegangen, der von Diesel von 38,7 auf 37,5 Millionen Tonnen.

          Die Schwierigkeiten mit dem Niedrigwasser hätten aber auch Chancen geboten, beispielsweise für flexible mittelständische Unternehmen mit eigenen Tankwagen, die von den Transportproblemen weniger betroffen gewesen seien, so hieß es. Autofahrer sollen in der Zeit mit den möglichen Versorgungsengpässen „weniger preissensibel“ gewesen sein. Das alles habe zu guten Ergebnissen 2018 für die Branche geführt.

          Zahl der Tankstellen zurückgegangen

          Allerdings hätten die Preise an den Tankstellen im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark geschwankt. Das sei für die Pächter eher nachteilig gewesen: Weil das Benzin oft erst zwischen 17 und 19 Uhr etwas günstiger gewesen sei und viele Autofahrer erst dann getankt hätten, seien Pächter beispielsweise vormittags auf ihren Brötchen sitzengeblieben. Das habe bei manchen Pächtern rund 1000 Euro Umsatz im Monat ausgemacht.

          Die Zahl der Tankstellen in Deutschland ist auch 2018 weiter zurückgegangen, allerdings etwas weniger stark als in manchen Vorjahren. Zum Jahreswechsel gab es in Deutschland demnach 14 459 Tankstellen. Davon waren 360 Autobahntankstellen, diese Zahl hat sich nicht verändert. Zudem gab es 14 099 sogenannte Straßentankstellen, das waren 19 weniger als im Vorjahr. Ein Rückgang der Zahl der Tankstellen ist auch in Europa insgesamt weiter zu beobachten. Zu den Ausnahmen gehört der Studie zufolge Spanien, wo Haushalte wegen der hohen Mieten in den Städten zunehmend aufs Land auswichen und deshalb auch wieder mehr Tankstellen auf dem Land entstünden.

          Nutzen wollen viele Tankstellen die Rekordeinnahmen nach Angaben des Tankstellenverbands für Zukunftsinvestitionen. Unter anderem investierten manche Unternehmen in Tankautomaten, bei denen der Kunde direkt an der Zapfsäule zahlen könne und nicht mehr an die Kasse müsse. Ein Grund sei, dass es derzeit auch für Tankstellen häufig schwierig sei, an genug gutes Personal zu kommen.

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