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Benzinpreis-Garantie von Shell : Sonderangebot mit Haken

Was kostet’s? Bild: dpa

Die Tankstellenkette Shell lockt Autofahrer mit einer Preisgarantie. Doch eine Studie sagt: Das ist nicht für alle Kunden gut.

          Für Benzinpreis-geplagte Autofahrer klingt das Angebot verlockend. „Das Leben ist zu kurz, um Benzinpreise zu vergleichen“, so wirbt die Tankstellenkette Shell und verspricht: Wer sich eine Kundenkarte holt, zahlt für den Liter Benzin jederzeit höchstens zwei Cent mehr als bei der billigsten Markentankstelle im Umkreis.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch andere Kunden müssen möglicherweise dafür bezahlen. Denn wer keine Kundenkarte hat, der tankt zum normalen Preis. Und der hat sich laut einer unveröffentlichten Studie von Ökonomen von Universitäten in Hamburg und Hohenheim seit der Einführung der Preisgarantie Ende Mai für die Kunden von Shell-Tankstellen nicht gut entwickelt.

          Für ihre Studie analysieren die angesehenen Wettbewerbsökonomen Ralf Dewenter und Ulrich Schwalbe Daten des Bundeskartellamts. Die Behörde hat eine sogenannte Markttransparenzstelle eingerichtet, an die Tankstellen jederzeit ihre Benzinpreise melden müssen. Mittels Apps und Websites können Autofahrer dann die Preise vergleichen. Diese Daten haben sich die Ökonomen zunutze gemacht und die Preise von rund 10.000 Tankstellen seit Dezember 2013 analysiert. Dabei untersuchten sie – vereinfacht erklärt – für jeden Tag die durchschnittliche Preisdifferenz zwischen Shell und den übrigen Tankstellen. Weil die Ökonomen die Preise aller Tankstellen vergleichen, können der Ölpreis, der Großhandelspreis für Benzin oder der Dollarkurs das Studienergebnis nicht verzerren. Solche Faktoren treffen schließlich nicht nur Shell, sondern auch die übrigen Tankstellen.

          Shell widerspricht

          Das Fazit der Forscher ist eindeutig: Nachdem Shells Preisgarantie in Kraft getreten ist, hat sich das Verhältnis zur Konkurrenz signifikant verschlechtert – je nach Spritsorte und Situation kann der Aufpreis laut Studie im ungünstigsten Fall sogar ganze Centbeträge ausmachen.

          Die Tankstellenkette Shell widerspricht. Ihre Preise seien im Konkurrenzvergleich nicht gestiegen, zumindest nicht, wenn man sie mit anderen großen Marken vergleiche. „Der Kunde in Deutschland ist außerordentlich preissensibel“, sagt ein Konzernsprecher. Wer Benzin verkaufen wolle, könne gar nicht teurer werden.

          Preisgarantien sind nicht immer gut

          Doch Ökonomen stellen schon seit einiger Zeit fest, dass Preisgarantien die Verbraucher immer wieder in die Irre führen. Das liegt auch daran, dass Kunden angesichts von Preisgarantien gerne nachlässig werden. Sie halten Unternehmen mit Preisgarantie grundsätzlich für günstig. Je einfacher die Garantie dann in Anspruch zu nehmen ist, desto eher sparen sie sich den aufwendigen Preisvergleich, zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Shell spielt in seiner Werbung auf genau diesen Effekt an, indem der Konzern in den Vordergrund stellt, dass es immer Zeit kostet, Benzinpreise zu vergleichen.

          Studienautor Ralf Dewenter vermutet, viele Autofahrer wüssten sogar, welche Tankstellen grundsätzlich teuer und welche billig sind. Aber: „Die wenigsten sind bereit, mehr als vier oder fünf Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen.“ Dann zahlten viele Kunden lieber ein bisschen mehr, als sich noch großartig über die aktuellen Preise an den anderen Zapfsäulen zu informieren.

          Anders ist die Lage übrigens mit der kleineren Tankstellenkette HEM: Die hat auch eine Preisgarantie, dort aber haben sich die Preise laut Studie im Verhältnis zur Konkurrenz sogar etwas vergünstigt. Shell sagt, im trockenen Sommer habe HEM als norddeutsche Tankstellenkette Preisvorteile gehabt – Tankstellen weiter im Süden hätten wegen ausgetrockneter Flüsse nur noch schwer Benzin bekommen. Studienautor Dewenter sieht einen anderen Grund. Er führt den Effekt darauf zurück, dass HEM-Kunden den niedrigen Preis nicht automatisch bekommen, sondern erst dann, wenn sie dem Tankwart einen günstigeren Preis aus der Umgebung zeigen. Auf diese Weise würden die Kunden sogar noch dazu ermutigt, Preise zu vergleichen – und das befördere den Wettbewerb ums günstigste Benzin.

          Lohnt es sich, einen Umweg zur billigen Tankstelle zu fahren? Unser Benzinpreis-Rechner zeigt's:

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