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Spritpreise : Das Benzin wird ungewöhnlich teuer

Einmal Volltanken, bitte! Eine Tankstelle in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Der Liter Super kostet zum Teil mehr als 1,60 Euro. Die von Donald Trump verschärften Sanktionen gegen Iran treiben den Rohölpreis weiter nach oben.

          Die Benzinpreise in Deutschland sind zuletzt ungewöhnlich stark gestiegen. An manchen Tankstellen kostete ein Liter Super am Dienstag 1,60 Euro und mehr. Das hat zum Teil schon zu Diskussionen an Tankstellen über das teure Benzin geführt. Erwartungen von Autofahrern, dass nach der Reisewelle zu Ostern das Benzin wieder deutlich billiger werden würde, scheinen sich damit nicht zu bestätigen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Wochenende hatten, passend zum Rückreiseverkehr der ausklingenden Osterferien in einigen Bundesländern, manche Autobahn-Tankstellen 1,779 Euro je Liter Super verlangt und bis zu 1,619 Euro je Liter Diesel, wie das Internetportal Tanke-Günstig berichtet. Das Internetportal Clever-Tanken berichtete auch für die durchschnittlichen Kraftstoffpreise immerhin von einem Vier-Monats-Hoch zum Ende des Monats April. „Die Preise für Super E10 und Diesel haben im April nur eine Richtung gekannt: aufwärts“, sagte Steffen Bock, der Geschäftsführer des Internetportals. „Am Ende des Monats haben sie sogar einen neuen Vier-Monats-Höchststand erreicht – so kostete Super E10 am 28. April durchschnittlich 1,478 Euro je Liter, und Diesel kostete im Schnitt 1,296 Euro je Liter.“

          Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV), der die Ölunternehmen vertritt, berichtet von einer großen Spanne der Benzinpreise selbst innerhalb einer Stadt. So habe die Bandbreite der Preise bei Super E5 am Dienstag allein in Frankfurt gegen 17 Uhr zwischen 1,46 und 1,61 Euro gelegen. Der Verband nannte das ein „Zeichen für funktionierenden Wettbewerb“. Autofahrer sollten das nutzen.

          Auch der Autoclub ADAC weist auf den starken Anstieg der Kraftstoffpreise in Deutschland im zurückliegenden Monat hin. Eine Sprecherin teilte mit, seit seinem Jahrestiefststand im Januar sei der Benzinpreis um mehr als 16 Cent je Liter gestiegen. Ein Grund für den Anstieg seien die angekündigten verschärften amerikanischen Sanktionen gegen Iran. An diesem Donnerstag werden die schärferen Sanktionsregeln gegen Iran in Kraft treten. Die amerikanische Regierung hat ein komplettes Ölembargo verhängt. Sie will anders als früher keine Ausnahmen gewähren.

          Rohöl kostete zuletzt knapp 73 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) der Nordseesorte Brent. Zum Jahreswechsel waren es nur rund 54 Dollar gewesen. Seither ist der Ölpreis also um mehr als 35 Prozent gestiegen. Am Dienstag verteuerte sich Öl um rund 0,9 Prozent. Ende vergangener Woche hatte der Ölpreis deutlich nachgegeben, als der amerikanische Präsident Donald Trump getwittert hatte, zum Ausgleich für die verschärften amerikanischen Sanktionen gegen Iran würden Saudi-Arabien und andere Länder der Organisation ölproduzierender Länder (Opec) mehr fördern. Er selbst habe unter anderem mit Saudi-Arabien gesprochen.

          Das wurde aber im weiteren Fortgang nicht bestätigt. Im Gegenteil: Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih sagte in einem Interview, die Opec und ihre Verbündeten könnten ihre Förderkürzung möglicherweise bis zum Jahresende ausdehnen – also sogar weniger Öl fördern als erwartet, nicht mehr. Bislang gilt die Förderkürzung nur für die erste Jahreshälfte 2019. Am Ölmarkt wird seit längerem mit einer Verlängerung gerechnet, obwohl sich die amerikanische Regierung vehement für einen Anstieg der Fördermenge an Rohöl ausgesprochen hat.

          Auch die Entwicklung in Venezuela soll zuletzt den Ölpreis gestützt haben. Dort hatte sich die politische Lage weiter zugespitzt. Trotz der Aufrufe der Opposition in Venezuela zum Sturz der sozialistischen Regierung unter Beteiligung einiger Soldaten zeigte sich Staatschef Nicolás Maduro siegessicher. Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence und Außenminister Mike Pompeo hatten dem selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó ihre Unterstützung zugesichert.

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