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Savedroid : Die Spar-App mit Totalkontrolle

In der Kritik: Savedroid-Gründer Yassin Hankir. Bild: Etienne Lehnen

Die Smartphone-App Savedroid will alles über ihre Nutzer wissen. Das könnte der Tod sein für den Datenschutz - oder seine Rettung.

          4 Min.

          Gerade ist ein Programm für das Smartphone erschienen, das unseren Umgang mit Technologie und Datenschutz fundamental verändern könnte. Savedroid heißt die Smartphone-App, und sie möchte alles von ihren Nutzern wissen, damit diese kleine Geldbeträge sparen können. Dafür greift das Programm auf das Girokonto der Nutzer zu, um eigenständig Geld zu überweisen und um zu erfahren, in welchen Fixkosten Einsparpotential liegt.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Yassin Hankir findet, dass Banken ziemlich schlecht darin sind, ihren Kunden zu erklären, warum sie sparen sollten. „Junge Menschen sagen doch: Ich habe keinen Bock zu sparen, aber ständig ein schlechtes Gewissen“, sagt Hankir. Wer Geld zurücklege, mache das aufgrund von äußerem Druck, nicht aus eigenem Antrieb. Deshalb hat er Savedroid entwickelt, eine App, die Sparen emotionalisieren soll.

          Sanfte Banken

          Doch könnte die erste Emotion, die diese App weckt, durchaus Furcht sein. Denn Savedroid ist ungeheuer neugierig: Geldströme, Einkaufsgewohnheiten, Fixkosten von Langzeitverträgen und andere genutzte Apps, all das sollen die Nutzer offenlegen. Auch einige Banken arbeiten an automatisierten Sparprogrammen für das Handy.

          Die britische Bank HSBC hat „Nudge“ entwickelt. Diese App bedient sich dabei der aus der Verhaltensökonomik bekannten Technik des „Nudging“. Sie soll also ihre Nutzer anstupsen, wenn sie zu viel Geld ausgeben, und dazu bringen, ihren Konsum besser zu organisieren. An einem ähnlichen Programm arbeitet das britische Start-up Swave, das von Lloyds unterstützt wird. Allein: Keine dieser Apps geht so weit wie Savedroid, was intelligentes Lernen betrifft und die Radikalität, mit der dieses neue Programm unseren Umgang mit Daten verändern will.

          Der Kunde gehört Savedroid

          Hankir geht eine mutige Wette ein. Seine Kunden sollen das Programm so nützlich finden, dass sie die Kontrolle über ihre Daten aufgeben. „Du musst uns vertrauen, dass wir Deine Daten nicht verkaufen“, sagt Hankir zu seinen Kunden, „und dass wir eine eingebaute technische Intelligenz haben und vor allem mehr Zeit, dir eine signifikante Ersparnis zu verschaffen.“ Der TÜV Saarland hat die App geprüft und für sicher befunden.

          Das seit wenigen Tagen in Googles Play-Store kostenlos erhältliche Programm verbindet sich mit dem Girokonto der Kunden und eröffnet zudem ein neues Sparkonto. Als Partner hat Hankir dafür die Wirecard-Bank gewonnen, die bereits mit dem Finanz-Start-up Number 26 kooperiert. Savedroid zahlt der Wirecard-Bank die Kontoführungsgebühren und Transaktionskosten für Kleinstüberweisungen.

          Dafür gehört der Kunde Savedroid - und die Bank darf die App-Nutzer nicht mit Werbepost behelligen. Ein beliebtes Konzept der sogenannten Fintechs, der Finanz-Start-ups, die das Geschäft der Banken angreifen wollen: Um neue Kunden zu gewinnen, muss der Service so störungs-, werbefrei und digital wie möglich sein. Und kostenlos. Wer junge Kunden ansprechen will, braucht keine Filiale, sondern eine coole App.

          Belohnen und bestrafen

          Die Jugendstudie des Bankenverbands zeigt, dass fast jeder Dritte der 14- bis 24-Jährigen schon einmal Schulden gemacht hat. Viele junge Menschen wollen sich Konsumwünsche erfüllen, aber ihnen fehlt oft das Geld dazu. Das glauben sie zumindest, doch wenn am Ende des Monats noch Geld auf dem Konto ist, geht das oft bei der nächsten Party drauf statt ins Sparschwein.

          In der Savedroid-App legen Nutzer nun jedenfalls Wünsche an, den nächsten Sommerurlaub oder das neue Smartphone oder das Auto. Mit einem Wenn-dann-Prinzip legen sie automatische Abbuchungen vom Girokonto auf das Sparkonto fest, das können Belohnungen oder Bestrafungen sein. Wer mehr als 10.000 Schritte am Tag geht, zahlt einen Euro ein. Mit der zehnten Bestellung von Amazon oder Zalando wandern 50 Euro auf das Sparkonto.

          Wer in der Klausurenphase länger als eine Stunde auf der Bilderplattform Instagram verbringt, bekommt 5 Euro abgezogen oder wie von Geisterhand verschwinden bei jeder Kreditkartenzahlung auch 50 Cent auf das Sparkonto. Und am Ende des Monats klingelt die Push-Mitteilung auf dem Smartphone: „Herzlichen Glückwunsch, Du hast 80 Euro gespart.“

          Hauptsache Gegenleistung

          Um so etwas zu können, muss die App allerhand wissen: Die niedrigste Stufe ist dabei die Nutzungsdauer. Wie oft jemand sein Handy entsperrt, ist über die Geräteeinstellungen leicht abfragbar. Um aber zu erfahren, wie viele Pokémon der Savedroid-Nutzer gefangen hat, um ihm als Strafe Geld abzuziehen, muss sich die App mit anderen Konten verbinden.

          Nutzer müssen es ihr erlauben, sich mit Facebook oder Twitter zu verbinden oder mit der Fitness-App von Google, die Schritte zählt. Um zu erfahren, wie oft jemand Schuhe bei Zalando kauft, liest Savedroid die Kontobewegungen aus, zumindest solche, die an den Berliner Versandhändler gehen.

          Das klingt wie der Tod für den Datenschutz. Eine App, die einer jungen Generation nicht mehr zutraut, allein Verantwortung für ihre Finanzen zu übernehmen. Andererseits: Was bringen Daten, wenn man sie nicht nutzt? Nutzungszahlen von Google-Suchen oder Whatsapp-Chats zeigen zudem, dass Handynutzern egal ist, was sie preisgeben, wenn sie dafür eine Gegenleistung bekommen.

          Sicherheitsversprechen

          Savedroid verschweigt seinen Datenhunger nicht, sondern geht offensiv damit um. Hankir ist überzeugt, dass die Nutzer heutzutage überhaupt nicht machtlos, sondern mächtiger sind als je zuvor. Wenn ein Unternehmen einen Fehler macht, hagelt es schlechte Bewertungen in sozialen Medien, Kunden beschweren sich auf Facebook-Seiten und in Twitter-Profilen.

          „Wenn wir einmal Schindluder mit den Daten treiben würden, wären wir erledigt“, sagt Hankir. Außerdem seien junge Leute nicht naiv, sondern sich im Gegenteil sehr bewusst, dass die Währung „Daten für Bequemlichkeit“ die heute vielleicht wichtigste ist.

          Um die Daten zu schützen, hat Hankir einen sogenannten Penetrationstest machen lassen: Ein Unternehmen hat versucht, sich in die Datenbanken und Server zu hacken, und hat so Schwachstellen ausgeleuchtet. Hankir sagt, Savedroid sei so sicher wie das Onlinebanking der Deutschen Bank. Mit der Einschränkung, dass es auch dort in jüngster Zeit genügend Fehler gegeben habe - Technologie habe immer ein eingebautes Risiko.

          Hankir ist kein Luftikus. Der Volkswirt hat promoviert, bei McKinsey gearbeitet, mehrere Start-ups mitgegründet und einen Plan, was er mit der einen Million Euro machen will, die Savedroid jüngst von Investoren erhalten hat. Die App gibt es zunächst nur für Android, weil dort Marktanteile stetig wachsen. Außerdem ist das Betriebssystem offener als iOS. Savedroid hat es dort leichter, auf andere Apps zuzugreifen, als in dem Apple-System.

          Geld verdienen will Hankir schließlich bald mit einer Marge auf den Konsum seiner Nutzer. Junge Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben, sind für Banken sonst nicht sehr lohnenswert; mit 0,3 Prozent Gebühr auf einen 50-Euro-Sparplan verdient man als Bank wenig.

          Im kommenden Jahr will Savedroid deshalb situative Relevanz nutzen: Wenn jemand ohnehin für einen Urlaub auf Bali spart, warum sollte man ihm für seine 450 gesparten Euro dann nicht einen Reisegutschein von einer Fluggesellschaft in Höhe von 500 Euro anbieten? Nutzer erhalten verschiedene Angebote. Erst wenn sie eins wählen, geht Savedroid auf Unternehmen zu, um ihnen seine Nutzer als Kunden zu vermitteln. Gegen Gebühr, versteht sich.

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