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Savedroid : Die Spar-App mit Totalkontrolle

Wer in der Klausurenphase länger als eine Stunde auf der Bilderplattform Instagram verbringt, bekommt 5 Euro abgezogen oder wie von Geisterhand verschwinden bei jeder Kreditkartenzahlung auch 50 Cent auf das Sparkonto. Und am Ende des Monats klingelt die Push-Mitteilung auf dem Smartphone: „Herzlichen Glückwunsch, Du hast 80 Euro gespart.“

Hauptsache Gegenleistung

Um so etwas zu können, muss die App allerhand wissen: Die niedrigste Stufe ist dabei die Nutzungsdauer. Wie oft jemand sein Handy entsperrt, ist über die Geräteeinstellungen leicht abfragbar. Um aber zu erfahren, wie viele Pokémon der Savedroid-Nutzer gefangen hat, um ihm als Strafe Geld abzuziehen, muss sich die App mit anderen Konten verbinden.

Nutzer müssen es ihr erlauben, sich mit Facebook oder Twitter zu verbinden oder mit der Fitness-App von Google, die Schritte zählt. Um zu erfahren, wie oft jemand Schuhe bei Zalando kauft, liest Savedroid die Kontobewegungen aus, zumindest solche, die an den Berliner Versandhändler gehen.

Das klingt wie der Tod für den Datenschutz. Eine App, die einer jungen Generation nicht mehr zutraut, allein Verantwortung für ihre Finanzen zu übernehmen. Andererseits: Was bringen Daten, wenn man sie nicht nutzt? Nutzungszahlen von Google-Suchen oder Whatsapp-Chats zeigen zudem, dass Handynutzern egal ist, was sie preisgeben, wenn sie dafür eine Gegenleistung bekommen.

Sicherheitsversprechen

Savedroid verschweigt seinen Datenhunger nicht, sondern geht offensiv damit um. Hankir ist überzeugt, dass die Nutzer heutzutage überhaupt nicht machtlos, sondern mächtiger sind als je zuvor. Wenn ein Unternehmen einen Fehler macht, hagelt es schlechte Bewertungen in sozialen Medien, Kunden beschweren sich auf Facebook-Seiten und in Twitter-Profilen.

„Wenn wir einmal Schindluder mit den Daten treiben würden, wären wir erledigt“, sagt Hankir. Außerdem seien junge Leute nicht naiv, sondern sich im Gegenteil sehr bewusst, dass die Währung „Daten für Bequemlichkeit“ die heute vielleicht wichtigste ist.

Um die Daten zu schützen, hat Hankir einen sogenannten Penetrationstest machen lassen: Ein Unternehmen hat versucht, sich in die Datenbanken und Server zu hacken, und hat so Schwachstellen ausgeleuchtet. Hankir sagt, Savedroid sei so sicher wie das Onlinebanking der Deutschen Bank. Mit der Einschränkung, dass es auch dort in jüngster Zeit genügend Fehler gegeben habe - Technologie habe immer ein eingebautes Risiko.

Hankir ist kein Luftikus. Der Volkswirt hat promoviert, bei McKinsey gearbeitet, mehrere Start-ups mitgegründet und einen Plan, was er mit der einen Million Euro machen will, die Savedroid jüngst von Investoren erhalten hat. Die App gibt es zunächst nur für Android, weil dort Marktanteile stetig wachsen. Außerdem ist das Betriebssystem offener als iOS. Savedroid hat es dort leichter, auf andere Apps zuzugreifen, als in dem Apple-System.

Geld verdienen will Hankir schließlich bald mit einer Marge auf den Konsum seiner Nutzer. Junge Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben, sind für Banken sonst nicht sehr lohnenswert; mit 0,3 Prozent Gebühr auf einen 50-Euro-Sparplan verdient man als Bank wenig.

Im kommenden Jahr will Savedroid deshalb situative Relevanz nutzen: Wenn jemand ohnehin für einen Urlaub auf Bali spart, warum sollte man ihm für seine 450 gesparten Euro dann nicht einen Reisegutschein von einer Fluggesellschaft in Höhe von 500 Euro anbieten? Nutzer erhalten verschiedene Angebote. Erst wenn sie eins wählen, geht Savedroid auf Unternehmen zu, um ihnen seine Nutzer als Kunden zu vermitteln. Gegen Gebühr, versteht sich.

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