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Umweltdiskussion : Soll ich meinen Diesel noch schnell verkaufen?

Diesel sind jetzt weniger gefragt. Bild: dpa

Falls Diesel künftig nicht mehr in große Städte dürfen, könnte bald niemand sie mehr kaufen wollen. Ist es höchste Zeit, sich zu trennen?

          3 Min.

          Die Diskussion um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge lässt die Autofahrer aufhorchen. Besonders diejenigen, die einen Diesel ihr eigen nennen. Könnte bald die Situation drohen, dass man mit dem eigenen Wagen nicht mehr in Innenstädte fahren darf? Und vor allem: Was soll man tun? Jetzt den Diesel verkaufen und sich einen Benziner zulegen?

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wem das wie Panikmache erscheint, sollte sich überlegen, dass es möglicherweise darum gehen kann, für den eigenen Diesel noch einen halbwegs ordentlichen Preis zu erzielen, bevor ihn niemand mehr haben will. Dem könnte aber entgegenstehen, dass es vielleicht gerade nicht passt: Weil es etwa vor kurzem andere teure Anschaffungen gab, weil Kredite erst in einigen Monaten vollständig getilgt sind oder der Diesel noch (fast) nagelneu ist.

          Gibt es Gründe zur Sorge? Nun, blickt man auf die Neuzulassungszahlen des laufenden Jahres, lässt sich die Stirn schon kraus ziehen. Die Differenz zwischen Diesel und Benziner betrug in den ersten vier Monaten elf Prozent des Gesamtvolumens. Damit ist sie mehr als viermal so groß wie der Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2015. Der Diesel ist bei Neuwagen offenbar in Ungnade gefallen, und zwar etwa seit August des Vorjahres, als die Differenz zu wachsen begann. Im April war die Differenz mit 15 Prozent sogar auf den höchsten Wert der vergangenen sechs Jahre gestiegen.

          Das muss nicht unbedingt dramatisch sein. Auch in der Vergangenheit hatte der Diesel immer wieder Schwierigkeiten, zuletzt in den Jahren 2008 bis 2010. 2009 betrug die Differenz zwischen Benziner- und Dieselzulassungen sogar 38 Prozent. Grund war damals die Abwrackprämie, die für den größten Marktanteils-Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs sorgte.

          Die Prämie sorgte zum einen für einen Boom bei Kleinwagen, die es als Diesel so gut wie nicht gibt. Damals prophezeite Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, dass der Diesel nach 2015 wohl kaum mehr über 30 Prozent Marktanteil erreichen werde. Zudem litten die Diesel am stärksten unter den Umweltzonen. Wer seinen Diesel wegen der Umweltzonen-Bestimmungen verkaufen müsse, werde künftig beim Kauf vorsichtig sein.

          Es kam nicht ganz so. 2015 lag der Marktanteil auf dem Rekordniveau von fast 49 Prozent. Recht hatte Dudenhöffer übrigens bei den Hybrid-Fahrzeugen, deren Marktanteil von 0,15 auf 1 Prozent stieg. Insgesamt lässt sich daraus lernen: Umwälzungen auf dem Kraftfahrzeugmarkt scheinen in Deutschland länger zu dauern. Und vielleicht muss man nicht ganz so panisch ans Verkaufen denken.

          Spuren am Gebrauchtwagenmarkt

          Das bestätigt auch der Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt. Auch hier zeigen sich Spuren des VW-Skandals. „Seit 2016 werden Benziner häufiger aufgerufen als Dieselautos“, sagt Sebastian Lorenz, Vizepräsident für den Endverbrauchermarkt beim Online-Auto-Portal AutoScout24. Viel deutlicher sei indes das Interesse an gebrauchten Elektrofahrzeugen gestiegen. Im August 2015 habe dies sogar die traditionellen Antriebsformen überholt.

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