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Black Friday : So wirken sich die Sonderangebote auf den Aktienhandel aus

  • -Aktualisiert am

Die Leute stürzen sich am „Black Friday“ geradezu auf neue Fernseher. Bild: Reuters

Zum Start der Weihnachtssaison am Black Friday wächst an der Wall Street wieder das Interesse an traditionellen Einzelhändlern. Aber die Bedrohung durch Amazon verschwindet nicht.

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          Die Truthähne sind verzehrt und das Rennen um die besten Schnäppchen ist eröffnet. Amerikanische Einzelhändler lockten am Freitag, dem Tag nach dem Thanksgiving-Feiertag, wie jedes Jahr Scharen von Käufern mit Sonderangeboten in ihre Läden. Der „Black Friday“ markiert den Start der wichtigen Weihnachtssaison. Es war traditionell der Tag, an dem Einzelhändler das erste Mal im Jahr in die Gewinnzone kamen, also schwarze Zahlen schrieben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          An der Börse sind die meisten Einzelhandelsaktien in diesem Jahr aber noch weit von der Gewinnzone entfernt. Während der Aktienkurs des Online-Handelskonzerns Amazon in diesem Jahr um 50 Prozent gestiegen ist, liegen die Aktienkurse der traditionellen Einzelhändler gemessen am Kurs des börsennotierten S&P-Retail-Indexfonds zuletzt um mehr als 5 Prozent im Minus. Damit haben sie sich auch deutlich schlechter entwickelt als das breit gefasste Aktienbarometer S&P 500, das um knapp 15 Prozent zugelegt hat.

          Aber die Hoffnung auf gutes Geschäft in der Weihnachtssaison hat im Vorfeld des Black Friday zu einer kräftigen Erholung geführt. Der S&P-Retail-Fonds ist in den fünf Tagen vor dem Erntedankfest um fast 4 Prozent geklettert, dreimal so stark wie der S&P 500 und auch doppelt so stark wie der Amazon-Kurs. Am Freitag legte der Fonds im frühen Handel weiter leicht zu. Der Aktienkurs des großen Einzelhändlers Wal-Mart Stores, der gegen den Branchentrend auch auf Jahressicht im Plus notiert, kletterte nach starken Umsatzmeldungen in den fünf Tagen vor Thanksgiving um 7 Prozent. Wal-Mart hob auch seine Jahresprognosen für das kommende Jahr an. „Wie üblich rechnen wir damit, dass Wal-Mart in der Feiertagssaison an vielen Fronten den Ton vorgibt“, schrieb der auf Einzelhandelstitel spezialisierte Analyst Charlie O’Shea von Moody’s in einem Kommentar.

          Auf dem Börsenparkett auf Schnäppchenjagd

          Der Kurs des Sportschuh-Spezialisten Foot Locker, der auf traditionelle Einkaufszentren konzentriert ist, kletterte um fast 34 Prozent, weil die Umsätze nicht so schlecht ausgefallen waren wie erwartet. Auch der Kurs der auf Teenager spezialisiertem Modekette Abercrombie & Fitch stieg um mehr als 30 Prozent. Der Aktienkurs der Kindermodekette Children’s Place verbuchte nach überraschend starken Umsätzen zweistellige Kursgewinne. Abercrombie & Fitch, deren einst auch bei Touristen große Popularität gelitten hat, befindet sich mitten in einer Umstrukturierung, die unter anderem eine neue Ausstattung der Filialen vorsieht. „Abercrombie & Fitch ist noch nicht wieder völlig gesundet, aber zeigt ein paar ermutigende Lebenszeichen“ sagte Neil Saunders, Analyst beim Informationsdienst Global Data Retail.

          Die Bedrohung durch Amazon verschwindet natürlich nicht, aber Anleger suchten vor dem Black Friday offenbar auch auf dem Börsenparkett Schnäppchen. Nachfrage nach Einzelhandelsaktien kurz dem Auftakt der Weihnachtssaison hat Tradition. Nach einer Analyse des Wirtschaftssenders CNBC steigen die Kurse von Einzelhandelsaktien in der Woche vor bis zu einer Woche nach dem Black Friday im Durchschnitt um 5 Prozent. Der S&P 500 klettert in dieser Zeitspanne nur um rund 3 Prozent. „Ich glaube man kann trotz der Zerstörung, die Amazon für traditionelle Ketten bedeutet, in einige Einzelhändler investieren“, resümierte Branchenberater Jan Kniffen die aktuelle Stimmung der Börsianer.

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          Analysten rechnen mit einem robusten Feiertagsgeschäft, da Einzelhändler von einer guten Stimmung der Verbraucher, niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen profitieren dürften. Der Einzelhandelsverband National Retail Federation prognostiziert für November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 4 Prozent auf 682 Milliarden Dollar steigende Umsätze. „Ich rechne stark damit, dass sich die Leute nicht so stark zurückhalten werden wie in der Vergangenheit“, sagte Andrew Duguay, Ökonom bei der Analysegesellschaft Prevedere gegenüber dem „Wall Street Journal“.

          Kursphantasie für Börsianer eingeschlossen

          Die erwartet höhere Nachfrage führte bereits dazu, dass die Rabattangebote nicht ganz so hoch ausfielen wie im vergangenen Jahr. Nach Angaben des Informationsdienstes Market Track waren die Preisnachlässe am Black Friday des vergangenen Jahres insgesamt um 6 Prozent höher. Nur drei der zehn großen Einzelhandelsketten, deren Angebote die Analysten von Market Track verglichen hatten, bieten ihren Kunden in diesem Jahr bessere Schnäppchen als vor einem Jahr. Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten der Einzelhändler und der Abwanderung des Geschäfts ins Internet haben die Unternehmen ihre Lagerbestände in diesem Jahr reduziert und offenbar besser gemanagt. „Es gibt deswegen keinen Druck für aggressive Rabatte, um nicht verkaufte Ware loszuwerden“, sagt Analyst Bill Dreher vom Wertpapierhaus Susquehanna.

          Der Black Friday rangiert gemessen am Umsatz der Händler ohnehin nur noch an dritter Stelle hinter dem Samstag vor Weihnachten und dem Montag der kommenden Woche, dem sogenannten Cyber-Montag. Das ist der Tag nach dem langen Thanksgiving-Wochenende, an dem Angebote der amerikanischen Online-Händler locken – Kursphantasie für Börsianer eingeschlossen.

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