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Neue Tabelle : So viel darf gepfändet werden

Besser nicht ignorieren Bild: dpa

Am 1. Juli tritt die neue Pfändungstabelle in Kraft. Sie legt fest, wie viel vom Einkommen säumiger Schuldner den Gläubigern zusteht.

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          6,85 Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet. Im Verständnis der Creditreform Wirtschaftsforschung können diese ihre fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen. Zudem stehen ihnen zur Deckung ihres Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jenseits dessen gibt es auch viele, die zwar nicht überschuldet sind, aber ihre Rechnungen trotzdem einfach nicht bezahlen. Zu den letzten legalen und legitimen Mitteln der Gläubiger, an ihr Geld zukommen, gehört die Pfändung des Einkommens.

          Bild: Banque de France / F.A.Z.-Grafik

          Diese ist allerdings begrenzt und wird alle zwei Jahre an die Lebenshaltungskosten angepasst. Am 1. Juli tritt die neue Pfändungstabelle in Kraft. Änderungen gibt es angesichts der geringen Inflationsraten nur kleine. Die Tabelle soll sicherstellen, dass der Lebensunterhalt säumiger Schuldner gesichert bleibt.

          Daher beginnt die Pfändbarkeit auch erst ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 1140 Euro. Die Belastung ist moderat. Ganze 4,34 Euro dürfen dann gepfändet werden und auch das gilt nur, wenn keine unterhaltsberechtigten Personen vorhanden sind. Von den jeweils nächsten zehn Euro können dann bis zu sieben Euro an die Gläubiger gehen.

          Bild: FAZ.NET

          Auf diese Weise steigt der Anteil des pfändbaren Einkommens von 0,38 Prozent bis auf 47,13 Prozent bei einem Einkommen von 3470 Euro. Danach ist Schluss: Was darüber hinaus verdient wird, geht gegebenenfalls komplett an die Gläubiger. Bei einem Monatseinkommen von 185.000 Euro sind damit 99 Prozent des Einkommens pfändbar. Allerdings dürfte dieser Fall wohl eher selten sein.

          Für eine Familie mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener sieht die Situation entspannter aus. Hier beginnt die Pfändbarkeit erst bei einem Einkommen von 1810 Euro und beträgt 0,28 Prozent. Von den jeweils nächsten zehn Euro bleiben der Familie stets 5 Euro, so dass von 3470 Euro auch nur knapp 20 Prozent pfändbar sind. Aber auch hier heißt es: Ab 3480 Euro ist Schluss.

          Dabei zählt als Einkommen aber nicht nur das, was der Arbeitgeber auf das Konto überweist. Freie Unterkunft und Verpflegung oder auch ein Dienstwagen, der privat genutzt werden darf, zählen mit.

          Gibt ein Amtsgericht einem Antrag auf Lohnpfändung statt, so untersagt dieses per Gerichtsvollzieher dem Arbeitgeber, den gepfändete Lohnanteil an den Arbeitnehmer auszuzahlen. Der Arbeitgeber ist zur Mitwirkung gesetzlich verpflichtet und muss den pfändbaren Teil des Einkommens an den Gläubiger überweisen. Zahlt der Arbeitgeber trotzdem an den Schuldner, muss er unter Umständen den Betrag dennoch an den Gläubiger zahlen.  

          Er muss zudem Auskunft erteilen, ob er zur Zahlung bereit ist, andere Ansprüche auf das Arbeitseinkommen und / oder Pfändungen vorliegen. Bei falscher Auskunft oder Weigerung ist der Arbeitgeber schadenersatzpflichtig. Zudem muss er den pfändbaren Teil des Arbeitseinkommens richtig berechnen und ist bei Fehlern wieder schadenersatzpflichtig.

          Wenn der Schuldner in die Verbraucherinsolvenz geht, ist es mit der Pfändung vorbei. Denn dann fallen die Schulden in die Insolvenzmasse und dann gelten andere Regeln.

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