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Skifahren : Leise kriselt der Schnee

  • -Aktualisiert am

Skihang im sächsischen Holzhau: Viele Skiorte müssen sich aufgrund des fehlenden Schnees umorientieren. Bild: dpa

Immer weniger Menschen fahren Ski. Der Skisport wird immer teurer, der Schnee immer weniger - und die Alternativen immer attraktiver. Gibt es eine Alternative?

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          Die erste Euphorie ist wieder verflogen. Die üppigen Schneefälle schon im November hatten Mut gemacht, denn viele hoffen dieses Jahr auf einen besonders harten Winter. Hart im Sinne von kalt - und diesmal nicht im Sinne von schwierig für Bergbahnbetreiber, Tourismusorte und Skihersteller, so wie es die vergangenen Jahre so oft waren. Mit dem Schnee kam die Hoffnung. Manche Skigebiete zogen ihre Eröffnung vor, im Schwarzwald, im Allgäu, selbst im Sauerland laufen bereits die Lifte. So viel Winter war selten im November. Jetzt aber ist wieder einiges weggeschmolzen, und Neuschnee ist so gut wie nicht in Sicht. Wird die Wintersaison also wieder so warm, dass sie es selbst Hardcore-Skifans schwermacht, auf die Bretter zu steigen?

          Um ehrlich zu sein: Meteorologen wissen es noch nicht. Aber Klimaforscher würde es nicht wundern. Denn warme Winter werden bald keine Ausnahmen mehr sein, sondern die Regel, sagt Harald Kunstmann vom Karlsruhe Institute of Technology, der in der Außenstelle Garmisch-Partenkirchen den Klimawandel in den Alpen erforscht. Für ihn ist klar: Die Temperaturen in den Alpen werden schon bis 2030 merklich steigen. Sie erhöhen sich in Bergregionen doppelt so stark wie andernorts. „Dadurch wird künftig nicht mehr Schnee fallen, sondern weniger.“ Skiregionen wie Garmisch oder der Königssee müssten sich damit abfinden, dass sie 20 Tage lang kürzer weiß sein werden - das sind drei Wochen weniger in der ohnehin schon kurzen Wintersaison.

          Wenn es so kommt wie vorhergesagt, hat das Skigebiet Garmisch Klassik schon 2020 bis 2025 keinen Schnee mehr. „Alle Skigebiete unterhalb von 1500 Metern werden es sehr schwer haben in den nächsten 30 Jahren“, sagt Kunstmann. Das sind in Bayern alle bis auf das Zugspitzplatt. Auch viele Tourismushochburgen in Österreich und der Schweiz liegen unter der 1500-Meter-Marke. Noch kämpfen fast alle Skiorte gegen den Mangel an, mit ihren Schneekanonen und Beschneiungsanlagen. Das bayerische Sudelfeld hat noch vergangenes Jahr für 13 Millionen Euro aufgerüstet, allein Österreich investierte seit 2000 gut acht Milliarden Euro in Geräte, die Frau Holle ersetzen sollen. Doch damit können sie an kalten Tagen zwar selbst den nötigen Niederschlag produzieren, sagt Kunstmann, aber es wird viel weniger kalte Tage geben, an denen das möglich ist. Und auch die Nächte werden deutlich wärmer. Müssen wir uns vielleicht insgesamt vom Skifahren verabschieden?

          Künstliche Beschneiung ist keine Alternative

          Genau das fürchtet auch eine Studie des Deutschen Alpenvereins: „Beschneiung kann, langfristig gesehen, in kaum einem bayerischen Skigebiet eine Versicherung gegen den Klimawandel sein“, warnt sie. Sie könne nur eine Übergangslösung sein, bis die Tourismusregion den Umstieg zu einem „schneeunabhängigen Angebot“ geschafft habe. Wer künftig noch in große Beschneiungsanlagen investiere, tätige höchstwahrscheinlich Fehlinvestitionen, die sich schon bald nicht mehr auszahlen. Bereits jetzt müssen die Gebiete in immer kürzerer Zeit immer mehr Schnee auf die Piste blasen, um überhaupt genügend Unterlage zu haben. Bei einer Erwärmung um ein Grad, müsste die produzierte Schneemenge um knapp 30 Prozent steigen, bei zwei Grad sogar um 74 Prozent. Das verpulvert immer gigantischere Mengen an Wasser und Strom, es ist also - abgesehen vom Umweltaspekt - unglaublich teuer. Fünf Euro kostet derzeit ein Kubikmeter Kunstschnee, rund 650.000 Euro der beschneite Pistenkilometer. Viele Skigebiete fragen sich jetzt schon, ob sie sich das überhaupt leisten können.

          Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft an der Universität München, hat eine harsche Antwort darauf: „Skifahren in den bayerischen Alpen ist für die meisten Skigebiete langfristig ein Modell der Vergangenheit“, sagt er. Und nicht nur dort. Alpenweit ist die Entwicklung der Seilbahnen seit den neunziger Jahren rückläufig, ermittelten Studien der TU Wien bereits vor einer Weile. Am Alpenrand und in tieferen Lagen verschwinden viele Bahnen, und kleine Skigebiete gehen in Konkurs, denn ihnen schmelzen die Einnahmen dahin. Gerade die kleinen Skigebiete werden bis 2030 starke Umsatzprobleme bekommen, schätzen Branchenstudien der Tourismus Community Austria, und das sind immerhin 85 Prozent aller österreichischen Skigebiete. Insgesamt stagnieren dort die Jahresumsätze der Seilbahnen bei rund 1,2 Milliarden Euro. Doch selbst mittelgroße Standorte können nur noch mithalten, weil sie sich mit Nachbargemeinden zu immer größeren Pistenverbünden zusammenschließen. Nur so lassen sich modernere Liftanlagen überhaupt noch finanzieren, mit denen die Skiorte attraktiv für die Urlauber bleiben wollen.

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