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Roaming-Gebühren : Der Ärger mit den Auslandsgesprächen

Bild: ddp

Die Handynutzung im Ausland ist deutlich teurer als im Inland. Brüssel will das ändern. So lange muss der Kunde nicht warten.

          3 Min.

          Es ist schon paradox: Wer in Kehl am Rhein steht, sein Handy zückt und in Berlin anruft, muss je nach Anbieter gerade einmal sieben Cent für eine Minute bezahlen. Wer über die Rheinbrücke ein paar Kilometer nach Straßburg fährt und von dort in Berlin anruft, zahlt das Dreifache.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das zeigt: Während auf der Rheinbrücke die Grenzhäuschen seit vielen Jahren abgebaut sind, existieren sie im Mobilfunknetz weiter. Wer hier Grenzen überschreitet und telefoniert, merkt das nachher in der Monatsrechnung an deutlich höheren Kosten. Schlimmer noch: Selbst in Kehl kann es passieren, dass der Kunde deutlich mehr bezahlt als im nahen Offenburg, denn manchmal wechseln die Handys schon auf deutscher Seite ins ausländische Netz, weil es besseren Empfang bietet als das deutsche.

          Hintergrund für die höheren Kosten sind die Roaming-Gebühren, die bei Gesprächen im Ausland anfallen. In Zeiten des grenzenlosen Reisens mit gemeinsamer Währung erscheint die Unterscheidung in In- und Auslandstelefonate anachronistisch, es sieht nach Benachteiligung der Kunden aus. Denn die Unternehmen verdienen prächtig an den Roaming-Entgelten, die die Kunden zahlen müssen. Bei der Deutschen Telekom sind es Beträge im unteren dreistelligen Millionenbereich.

          Über die Höhe der Roaminggebühren lässt sich gut streiten

          Die EU-Kommission moniert das seit längerem und hat daher Preisobergrenzen für Telefonate, SMS und mobiles Internet festgelegt, die seit Jahren schrittweise sinken, zum letzten Mal im Juli 2014. In der vergangenen Woche ist sie nochmals vorgeprescht und verlangt jetzt sogar, dass von Juli 2016 an die Handynutzung im Ausland gar nicht mehr kosten soll als im Inland.

          Preisobergrenzen für ausgehende und angenommene Anrufe, SMS sowie mobile Datennutzung

          Die Entscheidung durch EU-Parlament und Mitgliedstaaten steht noch aus. Aber ist der Vorschlag überhaupt gerechtfertigt? „Das ist zu radikal“, sagt Telekomprofessor Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. „Es ist angemessen, dass der Gebrauch des Handys im Ausland teurer ist als im Inland, denn es wird ein fremdes Netz genutzt. Der Betreiber möchte für die Investitionen in dieses Netz einen Anteil, und das sind die Roaminggebühren.“ Damit werden auch Verwaltungskosten für die Abrechnung zwischen den Netzbetreibern und für die Übergabe von Gesprächen an den Netzgrenzen bezahlt.

          Über die Höhe dieser Kosten lässt sich aber gut streiten. „Ich halte einen Aufpreis von zehn Prozent auf das Niveau der Inlandsnutzung für angemessen“, sagt Gerpott. „Derzeit schlagen die Betreiber aber deutlich mehr auf, sie verdienen bisher gut am Roaming.“ Wenn 2014 die Preisobergrenzen abermals sinken, dann seien nach Meinung des Professors die Preise für Telefonate angemessen, für die Datennutzung aber noch zu hoch.

          Vor Ort in das günstigste Netz einwählen

          Roamingkosten fallen auch im Inland an, auch wenn dies dort nicht so heißt. Sie entstehen, wenn ein Kunde einen Freund anruft, der bei einem anderen Betreiber einen Vertrag hat. Deswegen sind Gespräche ins eigene Netz auch im Inland oft günstiger als in fremde nationale Netze. Darüber regt sich freilich kaum jemand auf. Allerdings sind die Preisunterschiede dabei auch nicht so groß wie bei Inlands- und Auslandsgesprächen.

          Nun fragt sich manch ein Kunde, warum Roaminggebühren auch dann anfallen, wenn die Netze im In- und im Ausland dem gleichen Konzern gehören. Das ist zum Beispiel bei Vodafone und der Telekom häufiger der Fall, die nicht nur in Deutschland Netze betreiben. Aber Vodafone Deutschland und Vodafone Spanien oder Vodafone Türkei „sind wirtschaftlich eigenständige Gesellschaften mit unterschiedlichen Netzen. Es entstehen zusätzliche Kosten. Daher zahlen die Kunden für die Auslandsnutzung mehr“, heißt es bei Vodafone. Bei der Telekom ist es genauso. Dort wird noch darauf verwiesen, dass manche ausländische Beteiligung keine hundertprozentige Tochtergesellschaft ist und eine einheitliche Kalkulation daher noch unrealistischer sei.

          Professor Gerpott stützt diese Argumente. „Auch solche Konzerne dürfen einen Preisaufschlag verlangen, er sollte aber niedriger sein als bei fremden Anbietern, weil die Gewinnmarge wegfallen sollte.“

          Kunden haben aber schon jetzt die Möglichkeit, die Roamingkosten zu senken, indem sie sich vor Ort in das günstigste Netz einwählen. Welches das ist, verraten die Internetseiten der Anbieter. Und Kunden sollten deren Reisepakete prüfen. Die Telekom bietet ihren Kunden in den Sommerferien eine Woche kostenloses mobiles Surfen im EU-Ausland bis zu 150 Megabyte. Vodafone verlangt drei Euro am Tag für 100 Freiminuten, 100 SMS und 100 Megabyte Surfen im Internet. Der Wermutstropfen: Urlauber im Nicht-EU-Land Schweiz profitieren weder von den EU-Preisvorgaben noch von vielen Reiseangeboten der Anbieter.

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