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Vergleichsportale im Fokus : Richter prüfen Vorwürfe gegen Check24

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Die Bedeutung der Preis-Portale nimmt immer mehr zu. Bild: dpa

Das Vergleichsportal Check24 soll Verbraucher in die Irre geführt haben. Die Provisionen seien für Kunden nicht transparent. Nun befasst sich das Landgericht München mit dem Vorwurf.

          Das Landgericht München beschäftigt sich mit einer Klage von Versicherungsvertretern gegen das Online-Portal Check24. Die Klage sei beim Landgericht eingegangen, sagte eine Gerichtssprecherin in München. Derzeit laufe das schriftliche Vorverfahren und Check24 habe die Gelegenheit für eine Stellungnahme. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hatte die Klage Anfang September angekündigt - das Gericht hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht dazu äußern können.

          Der Verband wirft Check24 eine Irreführung der Verbraucher vor. Check24 stelle sich zwar als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar. Tatsächlich handele es sich aber wie auch bei anderen Anbietern um ein Vermittlungsportal, das wie ein Makler arbeite und beim Vertragsabschluss Provisionen von den Versicherungen kassiere. Dies sei auf den ersten Blick für die Verbraucher jedoch nicht erkennbar. Ein Sprecher von Check24 wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.

          Mit der Klage strebt der Verband der Versicherungskaufleute einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte.

          Kunden machen sich wenig Gedanken über Geschäftsmodell

          Die Bedeutung der Preis-Portale nimmt stetig zu. Vor allem in der Auto-Versicherung machen die Portale den klassischen Versicherungsvermittlern zunehmend Konkurrenz: Allein Check24 hat nach eigenen Angaben bei der letzten Wechselrunde rund 750.000 Kfz-Verträge vermittelt. "Sich im Internet über Produkte und Dienstleistungen zu informieren, ist für die meisten Verbraucher heute eine Selbstverständlichkeit", meint der Finanzchef von Verivox, Ingo Weber. Die Portale hätten den Markt erst transparent gemacht. Er spricht sich für ein Miteinander zwischen Versicherungsanbietern und Portalen aus. Einige Berater nutzen Versicherungsvergleich bereits in ihren Beratungsgesprächen und ergänzten so ihre Kompetenz mit einer Marktübersicht.

          Dabei machen sich viele Kunden nach Einschätzung von Verbraucherschützern gar keine Gedanken darüber, wie die Vergleichsportale funktionieren. "Viele denken sogar, die Portale würden von Verbraucherschützern betrieben, die den Kunden einfach nur das Beste bieten wollen", sagt Bianca Boss vom Bundesverband der Versicherten. "Aber das sind Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen wollen." Normalerweise haben die Portale Verträge mit den Versicherern oder Reiseanbietern abgeschlossen, deren Leistungen sie anbieten. "Sie bekommen teilweise erhebliche Provisionen", sagt Askan Deutsch, Partner und Experte für Wettbewerbsrecht beim Hamburger Büro der Kanzlei FPS. Ob die Auswahl der angebotenen Produkte von den jeweiligen Provisionen abhängig ist, sei kaum nachvollziehbar.

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