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Reise-Entschädigung : Der Traumschiff-Dreh als Reisemangel

  • -Aktualisiert am

So sieht sie ganz ruhig aus: Die „MS Amadea“ dient jetzt als Kulisse fürs Traumschiff. Bild: dpa

Der Dreh einer Folge des ZDF-„Traumschiff“ vermasselte einem Ehepaar den Reisespaß. Ein Gericht hat ihnen schon eine Entschädigung zugesprochen. Was ist eigentlich bei Reisemängeln zu beachten?

          Mit dem ZDF-„Traumschiff“ verbinden viele Menschen Flucht aus dem Alltag und Entspannung. Für ein Berliner Ehepaar war es das Gegenteil. Dieses hatte eine 26-tägige Kreuzfahrt von Vietnam nach Neuseeland auf der „MS Amadea“ für 11.080 Euro gebucht. Was die erfahrenen Kreuzfahrer nicht wussten:

          Das relativ kleine Schiff mit 600 Passagieren ist seit Anfang 2015 Drehkulisse fürs „Traumschiff“ gewesen. Entsprechend waren immer Teile des Luxusliners, vor allem das Promenadendeck, für Aufnahmen mit Sascha Hehn als Kapitän und Heide Keller als Chefstewardess gesperrt. Das Ehepaar fühlte sich auch gestört durch lautes Hämmern und Sägen und Megafon-Anweisungen. Als Passagier sei man stets auf der Flucht vor dem Filmteam gewesen.

          Die „Traumschiff“-Crew an Deck (v.l.n.r.): Schiffsarzt Nick Wilder, Chefstewardess Heide Keller und Kapitän Sascha Hehn

          Wegen Beeinträchtigung durch den Dreh während ihrer Kreuzfahrt sollte das Ehepaar nun Geld zurückbekommen. Das Amtsgericht Bonn gab ihrer Klage auf Reisepreisminderung im Januar 2016 statt. Das betreffende Bonner Reiseunternehmen wurde angehalten, den 82 und 79 Jahre alten Eheleuten für die Reisetage, an denen auf ihrem Kreuzfahrtschiff gedreht wurde, 1022,76 Euro zurückzahlen. Das ist eine Minderung um 20 Prozent an zwölf Drehtagen.

          Einschränkungen an Bord sind ein Reisemangel

          Es gehöre zum Vertrag einer ordnungsgemäßen Reise, so das Urteil der Bonner Amtsrichterin im Januar, dass Passagiere jederzeit alle Freizeitmöglichkeiten nutzen könnten. Einschränkungen beispielsweise durch die Absperrungen des Promenadendecks für die Dreharbeiten seien ein Reisemangel und müssten nicht hingenommen werden (AZ: Amtsgericht Bonn 101C 423/15). Das Reiseunternehmen legte aber Berufung ein. Nun muss das Landgericht Bonn sich Ende Mai (Az. Landgericht Bonn 8S5/16) mit dem Fall beschäftigen.

          Was tun, wenn man mit dem Urlaub unzufrieden ist?

          Enttäuschte Urlauber und Reisemängel – das ist in Deutschland seit Jahren ein Evergreen. Es fängt schon vor der Reise an. Ein Terroranschlag oder politische Unruhen im Urlaubsland – die persönlichen Ferien können mit vielen Ungewissheiten beginnen. Man hat aber schon längst seinen Urlaub gebucht und es stellt sich dann die Frage: Was tun? Stonieren oder trozdem fragen? Das ist die eine Seite. Ein anderes Problem stellt sich, wenn man seinen Urlaub wie das betreffende Ehepaar auf dem Kreuzschiff angetreten hat und man schon vor Ort mit den Leistungen nicht zufrieden ist. Was passiert dann?

          Der ADAC bietet hierzu Hilfe an. Auf der Homepage des Automobilclubs findet sich ein Musterschreiben für die Mängelanzeige, in der jeder Urlauber den Sachverhalt schildern und die Mängel festhalten kann, um es dem Veranstalter zuzuschicken. Wichtig ist zu wissen, dass der Reisemangel spätestens innerhalb eines Monats nach dem Urlaubsende beim Reiseveranstalter schriftlich zu melden und die Reisepreisminderung zu verlangen ist. Auch hierzu bietet der ADAC ein Musterformular an.

          Stellt sich dann nur die Frage: Was ist ein Reisemangel? Eine aktuelle Übersicht über die bundesweite Rechtsprechung zur Reisepreisminderung aus den letzten zehn Jahren findet man ebenfalls beim ADAC. Hier wurden mehr als 270 Urteile zu einem systematischen und vereinfachten Überblick zusammengefasst.

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