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Rabatte : Kunden, wacht auf!

Rabatte wollen alle haben Bild: dpa

Wer seinem Internetanbieter mit Kündigung droht, wird mit Rabatten belohnt. Das funktioniert fast überall. Ewig Neukunde bleiben, heißt daher das Ziel.

          5 Min.

          Neukunde müsste man sein. Und das ein ganzes Leben lang. Auf dem Silbertablett bekommt er Rabatte, Gutschriften und Spezialangebote bei der technischen Ausstattung. Und was bekommen wir? Die ehrlichen Stammkunden, die einem Anbieter jahrelang die Treue halten? Wir bleiben auf den überhöhten Tarifen sitzen, die uns vor Jahren als absoluter Schnäppchenpreis angepriesen wurden - für ein mickriges Leistungspaket, das schon längst nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

          Corinna Budras
          (cbu.), Wirtschaft

          Beim Internetanschluss wird mir diese Ungerechtigkeit besonders schmerzlich bewusst: Im ersten Jahr als Neukunde war ich für meinen Anbieter Unity Media noch so wertvoll, dass er mir einen großzügigen Abschlag gewährte: 25 Euro zahlte ich für ein mittleres Leistungspaket. Nach dieser Anfangseuphorie verlor ich merklich an Attraktivität: Im zweiten Jahr wurde der Tarif automatisch teurer, außerdem war nun noch von einer „Preisanpassung“ die Rede. Damit wurde der Tarif plötzlich zehn Euro teurer, obwohl die Leistung die gleiche blieb.

          Mit dieser gestaffelten Preispolitik steht das Unternehmen übrigens nicht allein, so machen das viele andere - quer über viele Branchen: Die meisten Angebote bei Internet, Handy oder dem Bezahlfernsehen funktionieren genauso: Champagnerlaune bei Vertragsschluss, Ernüchterung im zweiten Jahr. Beim Strom drückt ein großer Bonus im ersten Jahr den monatlichen Durchschnittspreis, danach selbstredend nicht mehr. Und selbst beim Autokauf locken die Premiumhersteller wechselwillige Neukunden diskret mit großen Prämien, die sie ihren Stammkunden niemals anbieten würden. Das Kalkül dahinter:

          Die nächste Eskalationsstufe ist der freundliche Anruf

          Den Stammkunden hat man schon in der Tasche, für echte Empörung ist er schlicht zu faul. Solange die Leitung funktioniert, lässt er meist alles so, wie es ist. Doch nicht mit uns. Wir haben das Signal verstanden: Wenn nur die Neukunden von den Angeboten profitieren, kündigen wir unseren Internetvertrag eben so schnell wie möglich und suchen uns einen neuen Versorger. So funktioniert Marktwirtschaft. Das schöne daran: Inzwischen ist der Wettbewerb derart hart, dass Unternehmen wie Unity Media schon mit sich selbst konkurrieren. Für den Kunden ist das praktisch, schließlich kann er wechseln, ohne zu wechseln - und trotzdem von den niedrigen Tarifen profitieren.

          Ich kündige meinen Vertrag also fristgemäß (Kündigungsfristen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen beachten). Das geht mit Hilfe eines Kündigungsformulars auch per E-Mail. Am sichersten ist allerdings der unterschriebene Brief auf dem Postweg oder per Fax. Erst die Kündigung setzt das Werben um den Stammkunden in Gang: In einem freundlich formulierten Brief äußert das Unternehmen sein tiefes Bedauern über meine Entscheidung. Ob ich mich nicht noch umstimmen lasse? Ich stelle auf stur: Die Kündigung bleibt.

          Die nächste Eskalationsstufe ist der freundliche Anruf der Kundenberaterin. Ein unschlagbares Angebot könne man mir machen. Statt der nun 35,90 Euro monatlich kostet mein Internetanschluss immerhin nur 25 Euro im ersten Jahr, und erst im zweiten wieder 35 Euro. Allerdings gibt es eine schnellere Leitung und eine Gutschrift von 50 Euro. Na also, geht doch!

          Das Triumphgefühl ist groß, zurück bleibt ein schaler Beigeschmack: Muss das alles sein? Die nüchterne Antwort: Ja, jedenfalls wenn man nicht mehr zahlen will als viele andere. Denn der Markt hat sich längst gedreht. Eine kleine Aufmerksamkeit für die vergangenen zehn Jahre, für regelmäßig bezahlte Rechnungen, für die widerspruchslos hingenommenen Tariferhöhungen? Diese Zeiten sind vorbei. Prämien gibt es für den, der laut genug meckert.

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