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Preisvergleich : Die Tricks der Flugportale

Es fällt schwer, im Internet die schwarzen Schafe von den vertrauenswürdigen Anbietern zu unterscheiden Bild: Illustration: Jan Bazing

Immer und überall den günstigsten Flug finden - damit werben viele Flugportale im Internet. Die Wahrheit ist: Wer nicht aufpasst, kann richtig draufzahlen.

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          Nach einer peinlichen Niederlage seines Clubs Bayer Leverkusen hat der frühere Fußballmanager Reiner Calmund einmal einen denkwürdigen und grammatikalisch recht eigenwilligen Satz gesagt: „Ich würde am liebsten zu Hause die Rollläden runterlassen, aus der Konservendose essen und mit einem Sack über dem Kopf Feldwege laufen.“ Es ist nicht bekannt, ob Calmund dieses merkwürdige Verhalten jemals praktiziert hat, seitdem er als Werbefigur für das Flugportal Fluege.de auftritt. Genügend Anlass dazu aber gäbe es.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn über die Internetseite suchen und buchen mehr als eine Million Deutsche die Flugtickets für ihren Urlaub. Damit ist das Portal Marktführer in Deutschland, und zwar aus einem einfachen Grund: Fluege.de macht seinen Kunden ein großes Versprechen, das Calmund in seinen TV-Werbespots stets aufs Neue wiederholt: „Finde den billigsten Flug!“

          Das suggeriert: Günstiger geht es nicht. Wer über diese Seite nach den billigsten Urlaubsflügen in alle Welt sucht, zahlt nie drauf. Doch die Wahrheit ist: Einhalten lässt sich dieses vollmundige Versprechen nicht. Das gilt nicht nur für Fluege.de, sondern auch für andere Anbieter wie beispielsweise das Online-Reiseportal Opodo oder das Suchportal Swoodoo, das in seinen TV-Spots mit dem „absolut günstigsten Flugpreis“ wirbt. Und es kommt noch dicker: Viele Portale schlagen bei der Buchung Servicegebühren drauf und drängen den Kunden zu Reiserücktrittsversicherungen. Mit anderen Worten: Billig ist ein Flugticket am Ende häufig nicht mehr.

          Algorithmus durchforstet das Internet nach Flugpreisen

          Markus Hamer, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ), weiß das aus Erfahrung. Schon mehrfach hat sein Haus in Studien die Qualität der Flugportale getestet. Sein Fazit: „In vielen Fällen weisen die Internetseiten der Fluggesellschaften günstigere Preise aus als die Seiten der Flugportale.“ Zudem gebe es unter 20 getesteten Portalen keines, bei dem ausnahmslos alle Flugreisen auch tatsächlich zu dem günstigsten Preis zu buchen waren, unter dem sie zunächst angezeigt wurden. Ein schlechtes Zeugnis für die Anbieter.

          Trotzdem laufen die nicht Sturm. Im Gegenteil: Auf Nachfrage räumen die Betreiber der Portale sogar ein, dass sie nicht immer den günstigsten Flug garantieren können. In Ausnahmefällen könne es vorkommen, dass „direkte Airline-Angebote“ - also Angebote der Fluggesellschaften - günstiger seien, teilt die Firma Unister mit, die für Fluege.de verantwortlich zeichnet. Bei Opodo heißt es kryptisch: „Wir möchten unseren Kunden natürlich den günstigsten Preis bieten.“ Viel hänge aber von einzelnen Punkten wie beispielsweise der Zahlungsmethode ab, die der Kunde auswähle. Und auch bei Swoodoo gibt man zu: „Die Auswahl des günstigsten Preis lässt sich nicht zu 100 Prozent garantieren.“

          Doch woran liegt es, dass die Portale bei der Suche nach dem besten Angebot keineswegs so erfolgreich sind, wie sie vorgeben? Ein wesentlicher Grund dafür ist: Oft haben sie zwar Kooperationen mit den Fluggesellschaften vereinbart und sind mit deren Buchungssystem direkt in Kontakt - allerdings können sie ihren Kunden nur bestimmte Buchungsklassen anbieten. Das bedeutet: Auf Sonderangebote der Fluggesellschaften haben die Portale oft keinen Zugriff.

          Besser gelingt dies zwar in der Regel Anbietern wie Swoodoo oder Checkfelix: Anders als bei Opodo und Unister bucht der Kunde die Tickets bei ihnen nicht über die Internetseite des Portals, sondern wird dafür zur Seite der Fluggesellschaft weitergeleitet. Um das beste Angebot herauszufiltern, kommt hierbei ein sogenannter „Crawler“ ins Spiel. Hinter dem englischen Fachbegriff verbirgt sich ein mathematischer Algorithmus, der das Internet nach Flugpreisen durchforstet. Doch auch dieses Verfahren hat Schwächen. „Es kann vorkommen, dass Seiten nur einmal am Tag geprüft werden“, sagt Markus Hamer. „Dann werden dem Kunden beispielsweise die neuesten Sonderangebote nicht angezeigt.“

          Viele Ungereimtheiten auf den Portalen

          Aber ist denn wenigstens auf den einmal ausgewiesenen Preis Verlass? Eben nicht. Fluege.de beispielsweise kassiert von seinen Kunden meist eine Servicegebühr, die den Ticketpreis schnell mal um zehn Euro erhöhen kann. Angezeigt wird die genaue Gebühr aber erst gegen Ende der Buchung. Statt 280 Euro kostet beispielsweise der Flug von Frankfurt nach Lissabon dann 290 Euro. Auch bei Opodo taucht ein „Ticketentgelt“ erst zum Schluss der Buchung auf.

          Weiteres Ärgernis: Beide Anbieter versuchen die Kunden zum Kauf einer Reiserücktrittsversicherung zu drängen. Bei einer Flugreise im Wert von 300 Euro sind hierfür leicht bis zu 18 Euro fällig. Zwar halten sich die Flugportale formal an die rechtlichen Vorgaben und lassen den Kunden zunächst einmal wählen, ob er die Versicherung abschließen möchte.

          Lehnt er aber ab, taucht plötzlich ein großer Warnhinweis auf. Bei Fluege.de steht dort: „Achtung - nicht empfehlenswert! Kürzlich musste ein Kunde 15.000 Euro für seine Krankenrückführung zahlen.“ Das ist reine Panikmache, die meisten Experten raten vom Abschluss ab.

          Unangenehm und teuer kann es auch werden, wenn der Kunde seinen Flug stornieren muss. Hat er die Reise über die Seite des Flugportals gebucht, kann er die Rücknahme nämlich nicht bei der Fluggesellschaft selbst vornehmen, sondern muss sich an den Online-Anbieter wenden. Der stellt ihm dann mitunter noch eigene Stornogebühren in Rechnung. Bei Fluege.de können sie bis zu 50 Euro pro Ticket betragen. Eine unzulässige Praxis, meint der Verbraucherzentrale Bundesverband und hat jetzt Klage dagegen eingereicht.

          Trotz alldem können sich Kunden die Hilfe der Flugportale mit der richtigen Strategie durchaus zunutze machen. Angesichts der vielen Ungereimtheiten der Portale allerdings hätte einer ganz sicher allen Grund, sich den Sack tiefer über den Kopf zu ziehen: Reiner Calmund.

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