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Preissenkung der Bahn : Bahn-Tickets um 16 Prozent billiger

„Größte Preissenkung in der Geschichte der Bahn“: ICE-Zug in Niedersachsen Bild: dpa

Fahrkarten für den Fernverkehr verbilligen sich so stark, dass sie aktuell sogar die Inflation in Deutschland drücken.

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          Bahnfahrkarten im Fernverkehr sind rund 16 Prozent billiger als vor einem Jahr. Das geht aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland hervor. Neben Heizöl (minus 31,3 Prozent) gehören die Fahrkarten (minus 16,0 Prozent) damit zu den Waren und Dienstleistungen mit den am stärksten rückläufigen Preisen in Deutschland und drückten die Inflationsrate nach unten, die im Juli bei minus 0,1 Prozent lag.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was steckt dahinter? Nachdem Bahnfahrer über viele Jahre regelmäßig Preiserhöhungen hinnehmen mussten, sind Fahrkarten jetzt offenbar tatsächlich deutlich billiger geworden. Und zwar in zwei Runden: Einmal durch Steuererleichterungen im Zuge des sogenannten Klimapakets der Bundesregierung schon zum Jahreswechsel; und dann noch einmal jetzt im Rahmen der Corona-Hilfsprogramme mit der Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli. In beiden Fällen hat die Bahn die Steuersenkung offenbar recht weitgehend weitergegeben. Für alle Unternehmen in Deutschland betrachtet schätzen Ökonomen, dass die jüngste Mehrwertsteuersenkung im Durchschnitt nur etwa zur Hälfte an die Verbraucher weitergegeben worden sei. Bei der Inflationsrate mache das rund einen Prozentpunkt aus.

          Größte Preissenkung in der Geschichte der Bahn

          Die Deutsche Bahn spricht davon, zusammengenommen habe damit die größte Preissenkung in der Geschichte der Bahn stattgefunden. Der Hauptbrocken sei dabei die Preissenkung zum Jahresbeginn gewesen, die insgesamt ungefähr 10 Prozent der Fahrpreise im Fernverkehr ausgemacht habe. Im Nahverkehr hatte schon vorher ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz gegolten.

          Das Statistische Bundesamt bestätigte das weitgehend. Für die Messung der Preisentwicklung bei Fahrkarten würden sowohl die regulären Fahrpreise, als auch Sparpreise auf bestimmten Strecken und diverse weitere Ermäßigungen beobachtet. „Die Veränderung beim Fernverkehr der Bahn im Juli 2020 zum entsprechenden Vorjahresmonat ist hauptsächlich auf die zweimaligen Absenkung der Umsatzsteuer im Jahr 2020 – im Januar von 19 auf 7 Prozent, im Juli von 7 auf 5 Prozent – zurückzuführen“, sagte ein Sprecher. Der erste Schritt habe dabei wegen der stärkeren Steuersenkung auch die stärkeren Auswirkungen auf den Fahrkartenpreis gehabt. Das Statistische Bundesamt erhebe auch die sogenannten „Sparpreise“ und „Flexpreise“ für repräsentative Bahnstrecken per „Web-Scraping“ – einem Verfahren, bei dem Daten aus dem Netz zusammengetragen werden – mit verschiedenen Vorausbuchungsfristen. „Die damit erfassten Preisschwankungen haben zu einem geringeren Teil auch zu den Veränderungen des Preisniveaus von Bahnfahrten im Fernverkehr beigetragen“, hieß es beim Statistischen Bundesamt.

          Mit Verzögerung: Auch Bahncard wurde billiger

          Strittig war zum Jahresanfang zunächst gewesen, ob die Bahn die Preise für die Bahncard 25 und 50 auch entsprechend senken soll. Für die Bahncard 100, die Netzfahrkarte, war das gleich mit den Fahrpreisen passiert. Daraufhin hatte es Kritik unter anderem von Fahrgastverbänden gegeben. Mit einem Monat Verspätung, zum 1. Februar, waren dann auch die Preise der beiden anderen Bahncards gesenkt worden. „Auch hier gab die Deutsche Bahn die Reduzierung der Mehrwertsteuer eins zu eins an die Kunden weiter“, sagte ein Bahnsprecher. „Damit sind alle Bahncards um rund 10 Prozent preiswerter geworden.“

          Auch die abermalige Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli habe die Deutsche Bahn an ihre Kunden weitergegeben, führte der Bahnsprecher weiter aus. Der Einstiegspreis für eine Fahrt im Fernverkehr liege jetzt bei 17,50 Euro für einen Supersparpreis in der zweiten Klasse ohne Bahncard.

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