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Parkprogramme im Test : Mit der App in die Parklücke

  • -Aktualisiert am

Alle Parkplätze sind voll. Wo muss ich jetzt lang? Bild: Müller, Andreas

Das Smartphone soll das Autofahren erleichtern. Wer um den Schutz seiner Daten besorgt ist, wird darauf wohl verzichten. Doch die Programme bergen noch andere Tücken. Wir haben Parkplatz-Apps im Münchner Stadtverkehr getestet.

          5 Min.

          Manchmal träume ich nachts von einer Tiefgarage. Und einem eigenen Stellplatz. Immer dann, wenn ich abends später heimkomme als die übrigen Bewohner meines Viertels. Dann drehen mein Auto und ich stundenlang Runden um den Block, ob jemand wohl eine Lücke für uns gelassen hat. Besonders dann, wenn ich aus Verzweiflung doch in der Lastwagen-Anlieferzone des Gemüseladens parke oder auf der Ampel-Abbiegespur, in der man nur nachts halten darf. Häufiger sprinte ich frühmorgens aus dem Haus, um meinen Wagen umzuparken. Manchmal waren die Politessen schneller, manchmal auch der Abschleppwagen.

          Spätestens dann denke ich: Ein Tiefgaragenplatz wäre ein Traum, oder zumindest jemand, der mir sagen kann, wo überhaupt ein freier Parkplatz ist. Und wie ich ihn ansteuere, bevor es ein anderer tut. Solche Helfer gibt es.

          Eine Reihe von Apps fürs Handy behauptet jedenfalls, das zu leisten. Mit ihnen kommt man „informiert zum nächsten Parkplatz“, versprechen sie selbst, man „findet einfach einen freien Parkplatz“, ganz „intuitiv“. Ein Programm betitelt sich sogar als Pfadfinder für Parkplatzsucher. Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber wenn man mit Smartphones sehen kann, an welcher Straßenecke der nächste Mietwagen parkt oder auf welcher Straße derzeit Stau ist – warum sollen sie dann nicht verraten können, wo der ruhende Verkehr gerade Lücken hat? Nicht nur in Wohngebieten haben Autofahrer schließlich Platzprobleme, sondern auch in Innenstädten, in denen man sich oft fragt: Wohin mit dem Auto?

          Der Autofahrer wird auf Schritt und Tritt verfolgt

          Hilfe für alle Suchenden bieten vor allem diese zehn Apps: Ampido, TraviPay, „Parken“, Parking-Scout, Parknav, Parkopedia, „Parkplatzfindr“, ParkU, Park2gether und Parkonaut. Acht von ihnen bieten ihre Spürtätigkeit unentgeltlich an, zwei haben ihren Preis: „Parkplatzfindr“ (0,99 Euro) und „Parkopedia“ (1,79 Euro). Das ist eher günstig, damit kann man in meiner Stadt gerade einmal zwei Stunden eine Parkuhr füttern. Also lade ich die zehn Programme aufs Handy. Die Parkplatzsuche beginnt zu Hause am Rechner. Fürs Runterladen und Losfahren sind die Parkprogramme nämlich nicht gerade programmiert. Bei fast allen muss man sich zuerst mit E-Mail-Adresse und Kennwort registrieren, bei einigen sogar Antwort-E-Mails abwarten, bevor man loslegen kann. Durch mehrere Seiten von Lizenzbestimmungen muss man sich klicken. Und, ganz wichtig: Man muss den Programmen erlauben, die aktuelle Position des Handys bestimmen zu können. Woher soll es sonst wissen, an welcher Stelle es suchen soll? Jedes zweite Programm fragt aber auch nach, ob es die Handyposition orten darf, wenn das Programm überhaupt nicht in Benutzung ist. Das leuchtet nicht ein: Warum wollen die Parkhelfer wissen, hinter welchem Fenster ich tagsüber sitze oder wo ich nachts bin? Ich erlaube diesen Zugriff im ersten Anlauf nicht. Ein entscheidender Fehler.

          Endlich: Ein Parkplatz ist gefunden. Und groß genug ist er auch

          Positiv fällt beim Einrichten vor allem Parknav auf: Obwohl hier viel Kleingedrucktes abzunicken ist, fordert die App keine unnötigen Daten und ist sofort einsatzbereit. Misstrauisch macht dagegen, wofür TraviPay die Mobilfunknummer braucht, die per SMS bestätigt werden muss. Und wieso will Ampido neben der Handynummer auch das Autokennzeichen wissen? Damit, so die Auskunft, soll kontrolliert werden, ob das richtige Auto am vorgesehenen Fleck steht, denn bei Ampido kann man auch Plätze mieten. Ampido ist auch sonst sehr neugierig, es will wissen, wo der Fahrer häufiger parkt und warum.

          Drei Euro und zwei Kilometer zu Fuß

          Der Parkonaut klingt nach überirdischer Hilfe, verirrt sich aber schon bei der Anmeldung: Er verspricht nach der Registrierung, einen Bestätigungslink zu schicken. Darauf wartet das Postfach bis heute. Vermutlich steht die Mail gerade nur im Datenstau im All.

          Mit neun Apps und aufgeladenem Handy geht es auf die Straße. Die Pfadfinder von ParkingScout sind gleich daheimgeblieben: Obwohl der Entwicklername deutsch klang, bietet die App auf die Frage „Wo möchten Sie parken?“ nur indische Metropolen an. In Mumbai oder Mahastra könnte ich laut Klappmenü einen Platz finden, in „München“ nicht. Genau dort irre ich aber nun im Glockenbachviertel um den Block.

          Der Parkonaut hilft mir dabei, wie befürchtet, nicht. Die App fordert, dass ich mich anmelde. Beim Fahren ist das nicht zu machen, also fahre ich rechts ran, tippe die Daten ein, mit denen ich mich registriert habe. Parkonaut erkennt mein Passwort nicht, ich fordere ein neues per Mail an. Nachdem sich eine Weile nichts rührt, noch ein weiteres. Alle drei schwirren noch immer durchs Nirvana, bis heute. Ich dagegen stehe mitten auf der Straße mit drei hupenden Autos hinter mir. Und will nur weg.

          ParkU klang vielversprechend, weil es mich „einfach“ und „direkt“ zum nächsten Platz lotsen wollte. Auch dafür muss ich mich am Steuer zuerst einloggen. Einen Stellplatz findet die App – in etwa zwei Kilometern Entfernung vor einem Outdoorgeschäft, für drei Euro die Stunde. Was das Programm in diesem Moment nicht weiß: Ich stehe direkt vor einer riesengroßen Parklücke – für die sogar mein Parkausweis gilt. Stattdessen will ParkU jetzt auf meine Handykamera zugreifen. Warum, sagt es nicht.

          Da kann man auch ein Knöllchen riskieren

          Ich logge mich aus und werfe den „Parkplatzfindr“ an. Mit dem komme ich nicht auf Anhieb im Auto klar, und auch bei späteren Versuchen wird es nicht besser. Mit dieser App kann ich zwar Parkplätze „hinzufügen“, doch keiner sagt mir, wie ich einen bekomme.

          „Parken“ – wenn ein Programm so einfach heißt, kann seine Bedienung doch nicht schwer sein, oder? „Wo möchtest du parken?“, fragt die App, wartet meine Antwort aber gar nicht ab. Sie zeigt mir eine Karte mit Plätzen in Stuttgart, die sich nicht verschieben lässt. In Duisburg und Köln wären auch Plätze frei. An der Stelle rächt sich, dass ich kein Einverständnis zur Dauerortung gegeben habe. So nämlich identifiziert das Programm meinen aktuellen Ort nicht. Es dauert eine Weile, bis ich ein Eingabefeld für die Straße gefunden habe, auf der ich stehe, und wenig später auch die Positionsbestimmung voll funktioniert. Wir sind auf der Baader Straße, hier gibt es keine Parkplätze, sagt die App. Stimmt nicht: Mich ortet sie jetzt gut, nur nicht die Lücken ringsum.

          Im Grunde ist das verständlich: Woher soll ein Programm erkennen, an welcher Stelle Luft überm Asphalt ist, solange Parklücken und Autos nicht flächendeckend mit Sensoren ausgestattet sind, die das verraten könnten?

          Daran kranken die Park-Apps bisher, deshalb nennen einige bloß freie Plätze in Parkhäusern. Immerhin, „Parken“ und Ampido haben sich etwas einfallen lassen: Bei ihnen melden Nutzer private Stellplätze, meist in Tiefgaragen oder Hinterhöfen, die sie weitervermieten, wenn sie selbst unterwegs sind. Abgerechnet wird übers Handy. Nachts um eins bei meiner zweiten Parkfahrt bietet mir Ampido einen Garagenplatz zwei Blocks entfernt an. Für einen Euro die Stunde, bis morgen früh. Der Haken: „Bitte vorher anrufen“, schreibt der Vermieter. Bei „Parken“ finde ich einen Platz in einer Hauseinfahrt für 15 Euro die Nacht. Da kann ich auch ein Knöllchen auf dem Bürgersteig vor meiner Haustür riskieren.

          Der Testsieger setzt auf Erfahrungswerte

          Doch eine App hat im Test tatsächlich überzeugt: Parknav war die beste. Auch Parkopedia war nicht so schlecht. Gleich 40 freie Plätze listete Parkopedia bei der ersten Testfahrt direkt in der Nähe auf und den Preis für die Parkuhren gleich mit. Die Kartenansicht zeigte das gesamte Viertel, markiert mit grünen Streifen, wo die Autoabstelldichte besonders luftig sein sollte.

          Nachmittags passte das auch in etwa, doch bis nachts um eins veränderte sich die Farbgebung nicht: Alles grün, suggerierte die App, während ich im Dunklen um den Block kurvte. Und kurvte.

          Zum Stellplatz hat mich Parknav letztlich am zuverlässigsten gebracht. Es zeigt ebenfalls mit bunten Streifen auf dem Straßenplan, wo die Parkdichte aussichtslos rot, kritisch gelb oder luftig grün ist – und zeigt mit Pfeilen und Routingoption sogar den kürzesten Weg zum grünen Bereich. Selbst durch ein Gewirr von Einbahnstraßen findet man so, auch wenn man nicht ortskundig ist. Zwar sind die Farbstreifen von Parknav keine Echtzeitangaben und garantieren deshalb nicht, dass in grünen Straßenabschnitten tatsächlich noch ein Platz frei ist, aber sie beruhen auf Erfahrungswerten. Und so fuhr ich in dieser Nacht genau die Strecke ab, die ich auch sonst nehme, wenn ich keine Handyhilfe anfordere. Am Ende war der Tank leer, der Akku auch, die Nerven etwas gereizt, und ich träumte von einem Tiefgaragenplatz – mit Steckdose und Überwachungskamera.

          Gewusst wie: Besser parken, weniger zahlen

          1. Billige Plätze aufspüren: Umfangreiche Preislisten stecken in der Parkopedia-App. Hier erfährt man schnell, wie viel das Parken in welchem Parkhaus oder an welcher Parkuhr kostet. Nutzer können Preistafeln auch abfotografieren und einschicken.
          2. Die Zeit mitstoppen: Der „BMW-Parkassistent“ kann zwar keine leeren Plätze finden und wurde darum im Test nicht berücksichtigt. Aber er stoppt mit, wie lange das Auto schon steht und wann die Parkuhr abgelaufen ist. Das ist praktisch für Kurzparker.
          3. Das Auto wiederfinden: Parkplatzsucher ohne festen Stellplatz wissen: Wer jedes Mal woanders parkt, vergisst leicht, wo er sein Auto abgestellt hat. Auch hier helfen Apps fürs Smartphone. Mit „Parknav“, „Parkdroid“ oder dem „BMW- Parkassistenten“ findet man schnell den Weg zum Auto zurück - wie mit einer Art Navigationssystem.

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