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Praktiker und Max Bahr : Was die Pleite für die Kunden bedeutet

Trotz Slogan tut Max Bahr nicht mehr viel für seine Kunden. Bild: dpa

Filialen der insolventen Baumarktkette Praktiker bleiben weiter geöffnet. Doch Kunden haben durch die Pleite viele Nachteile. Was Verbraucher jetzt tun sollten.

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          Bei der insolventen Baumarktkette Praktiker kann der Betrieb weitergehen. Insolvenzverwalter Christopher Seagon habe sich mit wesentlichen Beteiligten über die Finanzierung zur Belieferung der Märkte mit Ware geeinigt, teilte er am Dienstag mit. Auch für die Max-Bahr-Märkte, die vor kurzem ebenfalls ihre Pleite bekanntgegeben haben, werde in nächster Zeit eine Lösung erwartet, um die Pforten für die Kunden weiter geöffnet zu halten. Doch wer in diesen Tagen eine Filiale von Max Bahr betritt, den begrüßt das Unternehmen gleich am Eingang mit einer Tafel. Auf ihr steht, was der Kunde im Laden jetzt alles nicht mehr machen kann: Seine Waren in Bargeld zurücktauschen, seine Aufträge stornieren, defekte Ware abgeben. „Anspruchsforderungen sind an den Insolvenzverwalter zu richten und hier im Markt abzugeben“, heißt es darauf. Die Kunden sind sauer. Müssen sie sich das gefallen lassen? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

          Bekomme ich Vorauszahlungen zurück, wenn ich die bezahlte Ware noch nicht erhalten habe?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Kunden sollten jetzt auf keinen Fall Produkte auf Vorkasse kaufen. Denn wenn die bestellte Ware nicht mehr geliefert werden kann, geht die Vorauszahlung meist in die Insolvenzmasse ein. Wer schon im Voraus gezahlt hat, hat schlechte Chancen, das Geld wiederzusehen, sagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gerade bei teuren Einrichtungsgegenständen wie Küchen oder der neuen Badezimmereinrichtung können die Verluste für die Verbraucher sehr hoch ausfallen. Kunden sollten nur noch auf Rechnung bestellen und erst bezahlen, nachdem sie das Produkt bekommen haben.

          Kann ich fehlerhafte Ware weiterhin umtauschen?

          Eigentlich ist der Händler gesetzlich dazu verpflichtet, beschädigte Geräte innerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren entweder kostenlos zu reparieren oder umzutauschen. Hat der Kunde aber ein Elektrogerät gekauft, das erst nach der Insolvenz kaputt geht, ist nun der Insolvenzverwalter zuständig für die Reklamation. Er entscheidet darüber, ob er Kunden einen Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung einräumt oder nicht. In den Filialen von Max Bahr und Praktiker könnten kaputte Geräte nicht mehr gegen Bargeld eingetauscht werden, sagt Holger Voskuhl, Pressesprecher der vorläufigen Insolvenzverwalter. Allenfalls sei ein Umtausch Ware gegen Ware möglich. Leichter ist es, wenn der Hersteller eine freiwillige Garantie für das Produkt gegeben hat. Sie bleibt von der Insolvenz unberührt. In diesem Fall kann der Kunde die mangelhafte Ware direkt beim Hersteller reklamieren.

          Muss ich Rechnungen noch bezahlen?

          Wer auf Rechnung gekaufte Waren schon erhalten hat, der muss diese Rechnungen auch auf jeden Fall bezahlen. Treten Verbraucher einfach von ihren Verträgen zurück, könnte der Insolvenzverwalter darauf bestehen, dass der Vertrag erfüllt wird, oder im schlimmsten Fall Schadenersatz verlangen.

          Kann ich Gutscheine noch einlösen?

          Die Kunden haben wenig Aussicht, im Geschäft für ihre Gutscheine noch etwas zu bekommen. Die Mitarbeiter in den 170 Praktiker-Läden dürfen auf Anweisung des vorläufigen Insolvenzverwalters Christopher Seagon keine Gutscheine mehr einlösen. Auch die Max-Bahr-Filialen informieren Kunden am Eingang darüber, dass vor dem 26.07. ausgestellte Wertmarken ihre Gültigkeit verlieren. Verbraucher können ihre Forderungen aus Gutscheinen oder aus Vorauszahlungen nur noch beim Insolvenzverwalter anmelden. Das sollten sie laut Pressesprecher Voskuhl am besten direkt beim Marktleiter der Filiale tun, in der sie den Gutschein erworben haben. Hier würden die Adressen gesammelt und an die Insolvenzverwalter weitergegeben. Doch die Chance, nach dem oft jahrelangen Insolvenzverfahren eine Entschädigung zu erhalten, ist sehr gering.

          Muss ich meine Ratenzahlungen weiter bedienen?

          Wenn Kunden eine Ware schon erhalten und mit dem Unternehmen eine Ratenzahlung vereinbart haben, müssen sie die regelmäßigen Beiträge weiterhin bezahlen. Es kann allerdings sein, dass der Insolvenzverwalter eine neue Kontoverbindung nennt, auf die die Raten von nun an eingezahlt werden müssen. Hier sollten Verbraucher kritisch sein und sich die neuen Kontodaten am besten durch einen Telefonanruf bestätigen lassen. So gehen sie sicher, dass sie nicht einem Betrüger aufsitzen.

          Was geschieht mit meinen Kundendaten?

          Was mit den Daten der Kunden passiert, ist bisher nicht klar. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen stellt fest, dass ein Verkauf an Dritte nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt ist. Der Insolvenzverwalter müsse sich darum kümmern, dass Praktiker die Kundendaten löscht, nachdem alle Vertragsbeziehungen beendet sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte schriftlich bei Praktiker beantragen, dass seine Daten gelöscht werden.

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