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Welches hält am besten? : Pflaster im Stresstest

  • -Aktualisiert am

In den Finger geschnitten, aufs Knie gefallen, den Arm aufgeschürft; in diesen Fällen hilft ein Pflaster. Bild: Andreas Sütterlin // Pflaster

In den Finger geschnitten, die Hand verbrannt oder das Knie aufgeschürft: Welches Pflaster hilft am besten?

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          Jeder hofft, dass er sie niemals braucht. Doch im Notfall ist man froh, dass es sie gibt: die Pflasterindustrie. Vor mehr als 130 Jahren wurde sie begründet durch den Hamburger Apotheker Paul Carl Beiersdorf. 1882 erhielt er das Patent für einen Mullstreifen, der mit Kräutern und Fetten bestrichen war - und startete das nach ihm benannte Unternehmen. Wenig später entwickelte er das erste selbstklebende Pflaster. 1922 brachte Beiersdorf die Marke Hansaplast auf den Markt - für mehr als die Hälfte der Deutschen ist sie nach Firmenangaben heute erste Wahl bei der Versorgung kleiner Wunden.

          Doch die Konkurrenz wächst. Drogerien, Discounter und Einzelhändler haben zunehmend auch eigene Pflaster im Angebot. Durchschnittlich einen halben Meter davon verbraucht ein Bundesbürger pro Jahr. Denn der Alltag ist voller Gefahren. Kurz nicht aufgepasst, und schon ist es passiert: ein Schnitt in den Finger beim Gemüseschälen, ein Ratscher beim Sport. Scharfe Kanten können selbst das vermeintlich harmlose Blättern im Modeprospekt zur blutigen Angelegenheit machen.

          Die F.A.S. hat sechs Pflaster anhand der drei wichtigsten Eigenschaften getestet: Möglichst dünn, gut klebend und saugfähig sollen sie sein. In die Auswahl kamen einzeln verpackte Universalpflaster mit daumennagelgroßer Wundauflage, die rundherum von Klebeflächen eingefasst ist. Aber wie gut halten sie wirklich? Und schützen sie die Wunde auch bei Sport und Hausarbeit?

          Wichtigste Erkenntnis des Tests: Klebt das Pflaster sicher am Finger, besteht es auch im Alltag - zumindest solange keine Feuchtigkeit ins Spiel kommt. Staubsaugen und Hanteltraining: kein Problem für sämtliche Kandidaten.

          Allerdings gestaltet sich bereits das Aufkleben in zwei Fällen als äußerst friemelige Angelegenheit. Nach dem Lösen der sogenannten Trägerfolie rollt sich das bei Rewe gekaufte Universalpflaster des Herstellers Bevaplast auf, ebenso wie der Pflasterstrip von dm. Besser ist da die Variante des Drogerie-Konkurrenten Rossmann. Das Pflaster der Gesundheitsreihe Altapharma lässt sich einwandfrei auspacken und aufkleben und ist zudem angenehm zu tragen. Damit rangiert es in einer Liga mit dem Produkt des Discounters Lidl.

          Bei der Optik bemühen sich die Hersteller um Unauffälligkeit. Während Micky Maus oder Piraten als Aufdruck bei Kindern Trost versprechen, sollen Erwachsenenpflaster möglichst unsichtbar sein. Der Hauttyp entscheidet. Das Rossmann-Pflaster etwa ist ein wenig dunkler als das dm-Produkt.

          Wem die Frage nach dem perfekten Farbton zu albern ist, der kann auch zu Lidl gehen. Das gestreifte Muster fällt auf - und damit aus dem Rahmen. Eine ansprechende Optik hilft freilich wenig, wenn die Haptik nicht stimmt. Klarer Testverlierer ist hier das Bevaplast-Produkt. Der Streifen fühlt sich an wie ein Stück Plastik. Schon nach vier Stunden Tragen ist die Haut weiß und schrumpelig. „Das ist unangenehm und macht die Haut anfällig für Irritationen“, sagt Sabine Eming, Dermatologin an der Uniklinik Köln. Es gehe auch besser: „Wasserfest und luftdurchlässig schließen sich nicht aus.“ Im Idealfall funktionieren Pflaster ähnlich wie Outdoor-Bekleidung: Die Feuchtigkeit von Haut und Wunde wird abgeleitet, aber es kann keine Nässe von außen eindringen.

          Bild: F.A.Z.

          Aber wie schlagen sich die getesteten Produkte bei Nässe? Haften sie auch im Spülwasser? Bei den Pflastern von Edeka und Bevaplast ist schnell Schluss. Beide lösen sich schon beim Spülen des ersten Tellers. Die Konkurrenz dagegen überzeugt. Der Hansaplast-Streifen etwa klebt auch nach dem Abwasch noch am Finger. Nachdem der Stöpsel gezogen ist, müssen jedoch alle Testkandidaten gewechselt werden. Auch wenn sie noch halten, sind sie aufgeweicht.

          Beim Test der Saugfähigkeit kommt Schweineblut zum Einsatz, das es im Schlachthof gibt - es ist dem menschlichen Blut am ähnlichsten. Das im Spülbecken untergegangene Bevaplast-Pflaster erweist sich als überdurchschnittlich aufnahmefähig - es schafft sechs Tropfen Blut. Die Konkurrenz von Hansaplast ist mit etwa gleich großer Wundauflage bereits nach der halben Menge vollgesogen. Unangefochtene Nummer eins: das Lidl-Produkt, bei dem die Wundauflage nur minimal größer ist, das Blut aber erst nach acht Tropfen durchsuppt.

          Unterschiede werden noch einmal beim Entfernen der Testkandidaten deutlich - für viele Verletzte der heikelste Moment. Wer mutig ist, macht es mit der Hauruckmethode: Zähne zusammenbeißen und schnell runter damit. Doch das klappt nicht immer. Die Produkte von Bevaplast sowie die Eigenmarken von dm und Rossmann haben eine sehr große Klebefläche. Haften die Enden am Finger übereinander, lassen sie sich nicht mehr lösen. Da hilft nur noch die Nagelschere.

          Unangenehm beim Entfernen der dm-Pflaster: Es bleiben Klebereste auf der Haut. Sollten generell Rötungen auf der Haut entstehen, hilft ein Blick auf die Klebstoff-Bestandteile. „Manche Menschen leiden unter Allergien gegen bestimmte Klebstoffe“, sagt Dermatologin Eming. „Dann sollte man Pflaster von anderen Herstellern mit anderen Klebern verwenden.“ Eine Alternative könnten sogenannte Sensitiv-Pflaster sein - allerdings ist ihre Klebekraft meist deutlich geringer.

          Die Pflasterindustrie versucht sich immer wieder an Innovationen: So sollen silberbeschichtete Wundauflagen Bakterien abwehren. Und sogenannte Sprühpflaster legen einen unsichtbaren Schutzfilm über die Wunde. Sie helfen aber nur bei kleineren Ratschern und versagen bei blutenden Wunden. Was auch immer die Entwicklungsabteilungen der Hersteller also künftig hervorbringen: Bei einer Schürfwunde am Knie oder einem Schnitt in den Finger bleibt das Universalpflaster wohl unverzichtbar.

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