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Digitales Bezahlen : Paypal bekommt immer mehr Konkurrenz

  • -Aktualisiert am

Paypal will mit aller Kraft vor dem Börsengang in Deutschland noch stärker Fuß fassen. Bild: dpa

Der Platzhirsch im Internetzahlungsverkehr muss sich gegenüber mobilen Bezahldiensten behaupten. Vor allem Apple und die Sparkassen machen Paypal seinen Platz streitig.

          Die Art und Weise, wie die Deutschen bezahlen und sich Geld zuschicken, hat sich in den vergangenen zehn Jahren dramatisch geändert. Einen großen, wenn nicht gar den größten Anteil daran hat der Online-Bezahldienst Paypal. Noch im Vorjahr schätzte die Unternehmensberatung Bain, dass ein Viertel aller Internetkäufe über Paypal getätigt würden. Das deckt sich mit einer Studie des Instituts für Handelsforschung, die einen Anteil von rund 24 Prozent sieht. Der Konzern selbst spricht von mehr als 15 Millionen aktiven Kunden, es kursieren aber auch Zahlen von mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland. Auf der gesamten Welt sind es mindestens 162 Millionen Konten in 203 Nationen, Paypal bietet das Bezahlen in über 100 Währungen an. Zum Vergleich: Die zweitgrößte deutsche Bank Commerzbank hat 11 Millionen Kunden.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch ist der Dienstleister eine Tochtergesellschaft des Internetauktionshauses Ebay. Doch das wird sich bald ändern. Ab 2015 soll Paypal als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert sein. Das ist vor allem der aggressiven Taktik des Großinvestors Carl Icahn zu verdanken, der Ebay und Paypal trennen möchte.

          Paypal versucht nun vor dem Börsengang mit aller Kraft, auch in Deutschland noch stärker Fuß zu fassen. Seit gut 18 Monaten fährt das Unternehmen eigene TV-Werbung. Das Ziel: zeigen, dass nicht nur online mit Paypal gezahlt werden kann, sondern auch im realen Leben. Das Bezahlen mit dem Handy soll salonfähig gemacht werden. In diesen Markt drängen zahllose Anbieter, allen voran Paypal. Seit einem Jahr können Kunden in Restaurants, Geschäften sowie an Automaten mit dem Smartphone zahlen. Die Testphase ist mittlerweile beendet, aktuell beteiligen sich deutschlandweit 200 Geschäfte. Das Händlernetz soll zügig ausgebaut werden.

          Auch andere Konzerne drängen in den Markt der mobilen Lösungen. Das bekannteste Beispiel ist der Technologiekonzern Apple, der mit Apple Pay an einer eigenen Bezahlmöglichkeit arbeitet. Der Konzern hat nicht umsonst seine neuen Handymodelle mit Fingerabdruckscannern versehen. Vorstandschef Tim Cook gab freimütig zu, dieser sei integriert worden, um das Bezahlen am Handy zu ermöglichen. In den Vereinigten Staaten läuft der Dienst schon: Bei McDonald’s wird jede zweite mobile Zahlung schon über Apple Pay abgewickelt - und das, obwohl das Bezahlsystem nur auf dem neuen iPhone 6 läuft. Doch hierzulande könnte das System floppen: Nur 12 Prozent der internetfähigen Telefone stammen aus den Fabriken von Apple, weniger als jeder Dritte besitzt hierzulande eine Kreditkarte, die im Moment für das System benötigt wird.

          Genau in diese Lücke könnten die Sparkassen stoßen. Sie arbeiten seit geraumer Zeit an einem „deutschen Paypal“. Noch in diesem Februar soll nach Informationen dieser Zeitung der finale Beschluss für das System gefasst werden. Noch gibt es keinen Namen, aber im Herbst sollen dem Vernehmen nach die ersten Pilotprojekte starten. Doch die Kreditinstitute müssen sich beeilen, damit sie von den flexibleren Internetkonzernen nicht überholt werden. Noch nutzen laut Bain nur 13 Prozent in Deutschland mobile Bezahlmöglichkeiten, während es in anderen Industrieländern 20 Prozent sind - der Markt kann also noch wachsen.

          Größerer Wettbewerb am Markt für Auslandsüberweisungen

          Ausgerechnet in Afrika ist man da schon weiter. Rund 85 Prozent der Menschen haben dort ein Handy - damit fast so viele wie in Deutschland. Und von den 38,6 Millionen Einwohnern Kenias nutzen 17,3 Millionen das für Mobiltelefone entwickelte Überweisungssystem Mpesa. In Kenia besitzen nur wenige Menschen ein Bankkonto, aber die meisten ein Handy. Bei Mpesa muss man sich zum Beispiel registrieren und kann dann Guthaben per SMS übertragen. Dieses kann bei den Zehntausenden Mpesa-Läden ausgezahlt werden, das Netz ist engmaschiger als das der Post- oder Bankfilialen.

          Auch am Markt für Auslandsüberweisungen herrscht ein immer größerer Wettbewerb. Die Banken, aber auch Paypal müssen sich mit vielen neuen Anbietern, den sogenannten „Fin-Techs“, auseinandersetzen. Banken erheben für Überweisungen, deren Empfänger außerhalb der Eurozone leben, hohe Gebühren. Eine große Volksbank verlangt für die Überweisung von 3300 Euro in die Vereinigten Staaten rund 45 Euro. So versucht der amerikanische Softwaredienstleister Rippl internationale Überweisungen schneller und günstiger zu machen, indem Banken und Zahlungsdienstleister miteinander verknüpft werden und der Umweg über Zentralbanken vermieden wird. Noch steht Ripple, die vom früheren deutschen Wirtschafts- und Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg beraten wird, am Anfang. Erste Ripple-Überweisungen bietet in Deutschland die Fidor Bank seit einigen Wochen an. Die Kosten liegen unter 1 Euro. Es gibt auch noch andere Anbieter wie The Currency Cloud oder Transferwise. Beides sind britische Gesellschaften und erfreuen sich hoher Bewertungen, wenn sie Kapital bei Finanzinvestoren einsammeln. Der Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz hat vor kurzem 60 Millionen Dollar in Transferwise investiert. Currency Cloud wickelt nach eigenen Angaben im Jahr Zahlungen über 7 Milliarden Dollar ab.

          Hawala ohne Segen der Aufsicht

          Überweisungen ins Ausland sind teuer, wenn der Adressat außerhalb des Euroraums lebt. Denn dann kommen zu der Gebühr auch die Wechselgebühren von Euro in die jeweilige Währung wie etwa Dollar hinzu. Wer bei den einschlägigen Dienstleistern wie Western Union oder Money Gram 2000 Euro an einen Empfänger in Großbritannien sendet, muss mit Kosten von fast 50 Euro rechnen. Viele muslimische Einwanderer kennen einen günstigeren Zahlungsdienst, das Hawala-System. Es beruht auf Vertrauensmännern sowie Zahlen- oder Buchstabencodes. Es ist ein Überweisungssystem, das seine Wurzeln im frühmittelalterlichen Orient hat. Hawala bedeutet in Arabisch „überweisen“ und in der Hindi-Sprache „Vertrauen“. Der deutsche Begriff Avalkredit leitet sich daraus ab.

          Heute sind Hawala-Überweisungen im klassischen Sinn nicht zulässig. Denn sie sind vertraulich. Aufzeichnungen werden darüber nicht geführt. In Deutschland sind Zahlungsdienste aber nur nach Genehmigung und Kontrolle durch die Finanzaufsicht Bafin möglich. Geheime Überweisungen sind verboten. Der islamistische Terrorismus finanziert sich großteils über das Hawala-System, weil es geheim ist. Zudem ist es billiger: Denn die Gebühren betragen laut Studien der Vereinten Nationen nur 0,25 bis 1,25 Prozent der überwiesenen Summe. Die Überweisung nach Großbritannien würde nur maximal die Hälfte kosten als bei Western Union. (maf.)

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