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Neues Werkelfieber : Die Deutschen im Baumarkt

Bild: ddp images/Mario Vedder

Statt zur Bank bringen die Deutschen ihr Geld derzeit lieber in den Baumarkt. Vor allem Fliesen und Armaturen fürs Bad gehen dort weg wie nie. Kein Wunder: Die Liebe zum An-, Um- und Ausbauen hat hierzulande große Tradition.

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          Schon wieder ist ein Mann gestorben, der in der Konsumwelt für einen deutschen Mythos stand. Nur zwei Wochen nach dem Aldi-Gründer Karl Albrecht verschied am vorigen Wochenende Otmar Hornbach, der Gründer des gleichnamigen Baumarkts. Zur Trauerfeier im pfälzischen Landau versammelte sich am vorigen Donnerstag ganz Baumarkt-Deutschland.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So ist es in diesem Fall auch die ganze Branche, nicht die einzelne Firma, die international herausragt: So oft wie niemand sonst auf der Welt gehen die Deutschen in den Baumarkt, sie haben die Auswahl zwischen so vielen Ketten wie in keinem anderen Land, die Ladenfläche pro Einwohner ist doppelt so groß wie in England oder Frankreich. Rund 29 Milliarden Euro Umsatz machten die großen Baumarktketten im vorigen Jahr. Knapp 360 Euro gab also jeder Deutsche dort aus, vom Kleinkind bis zur Rentnerin.

          Dabei sah es im vorigen Jahr fast schon nach einem Ende des Booms aus, als die „Praktiker“-Märkte samt der Tochterkette „Max Bahr“ pleitegingen. Aber das Problem war nicht die mangelnde Nachfrage, sondern das übergroße Angebot - und eine Firmenstrategie, die entgegen dem Branchentrend auf Billigangebote statt auf teure Markenprodukte setzte. Das schlechte Wetter, das 2013 die Lust am Heimwerken dämpfte, kam erschwerend hinzu. Und trotzdem: Von den einst 300 Märkten der Kette blieben 110 Filialen der heimwerkenden Kundschaft erhalten, sie wurde von der Konkurrenz übernommen.

          Der Baumarkt als Ausdruck deutschen Spießbürgertums

          Jetzt brummt es wieder in Deutschlands Baumärkten. „In vielen Baumärkten war die Nachfrage im Frühjahr so groß, dass die Lieferanten mit dem Nachschub nicht nachkamen und Regale leer blieben“, sagt der Verleger Joachim Bengelsdorf, der die Branchenstatistik herausgibt. Wegen der niedrigen Zinsen investieren viele Menschen ihr Geld lieber in ein neues Badezimmer. Vor allem Sanitäranlagen, Fliesen und Armaturen verkaufen sich derzeit gut. Außerdem war das Frühjahr diesmal sehr sonnig und mild - für den Umsatz in der Gartenabteilung ist das die entscheidende Phase, die rund 70 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht.

          Die größten Baumarktketten

          Seit mehr als sechs Jahrzehnten hält der Boom schon an, 1960 eröffnete „Bauhaus“ in Mannheim den ersten deutschen Heimwerkermarkt. Hornbach erfand 1968 die Kombination mit dem Gartencenter, zwei Jahre später startete der erste „Obi“-Markt in Hamburg. Sie alle folgten amerikanischen Vorbildern, die sich in der Bundesrepublik nach dem Krieg schneller durchsetzten als in anderen kontinentaleuropäischen Ländern. „Do it yourself“ war in den Vereinigten Staaten längst etabliert, bis heute ist das Heimwerken dort ein Thema im Fernsehen geblieben.

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