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Aus dem Saarland : Neuer Vorstoß zur Abschaffung der Vorkasse bei Reisen

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Und gleich bezahlen! Muss das sein? Bild: dpa

Urlauber sollen künftig bei der Buchung von Reisen nicht mehr vorab zu Kasse gebeten werden. Das Saarland fordert eine Beratung der Verbraucherschutzminister.

          2 Min.

          Urlauber sollen künftig Flüge oder Reisen nicht mehr vorab bezahlen müssen, fordert Reinhold Jost (SPD), Verbraucherschutzminister des Saarlandes. Er fordert eine Beratung der Länder beim nächsten Ressorttreffen. „100 Prozent Vorkasse geht gar nicht“, sagte Jost.

          Diese müssten deutliche verringert werde. Zudem solle es eine automatische Rückerstattung geben, wenn die Reise nicht stattfindet. Gerade in der Corona-Pandemie sei das für Verbraucher wichtig.

          Josts Vorschlag stößt bei Verbraucherschützern auf offenen Ohren. „Das Beste wäre: Das Geld wird genau in dem Moment abgebucht, wenn ich die Reise antrete“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Dies sei ja in anderen Bereichen der Wirtschaft auch so: „Wenn ich einen neuen Fernseher kaufe, dann bezahle ich auch, wenn ich ihn bekomme.“ Der vzbv fordert schon seit längerem, dass sich die Bundesregierung für ein Ende der Vorkasse bei Reisen einsetzt.

          Nur geringer Preisanstieg

          Dazu notwendig sei ein Systemwechsel - von der Vorkasse zur Bezahlung bei Check-In, sagte Müller. Ein neues Gutachten der Hochschule Luzern zeige, dass eine Umstellung für alle Beteiligten wirtschaftlich „gut umsetzbar“ und für Verbraucher nur mit „moderaten Preiserhöhungen“ verbunden sei. Ohne Vorkasse benötigen Flug- und Reiseanbieter allerdings mehr Kapital zur Vorfinanzierung von Leistungen.

          Diese Kosten dafür würden nach dem Gutachten die Preise von Flügen um höchstens 3,3 Prozent, die von Pauschalreisen um 1,1 Prozent steigen lassen. „Das ist nicht so teuer, wie viele Leute befürchtet haben“, sagte Müller. Die Abschaffung der Vorkassepraxis sei als Schritt für mehr Verbraucherschutz machbar und gehöre in den Koalitionsvertrag nach der Bundestagswahl.

          Stufenmodell

          Der Vorstoß sei in Pandemiezeiten besonders dringlich, sagte Jost. Das Vorkassesystem benachteilige vor allem finanziell Schwächere, die Monate im Voraus zahlen müssten. „Wir merken das jetzt in der Pandemie, wo jeder Euro, der da ist oder nicht da ist, festgestellt wird.“ Hinzu kämen Unsicherheiten, ob gebuchte Reisen wegen Corona überhaupt stattfinden könnten und Sorgen wegen möglicher Insolvenzen von Reiseunternehmen in einer krisengeschüttelten Branche.

          Nach Angaben von Müller werden für Flüge 100 Prozent des Flugpreises im Voraus verlangt, bei Pauschalreisen sind es zwischen 20 und 40 Prozent. Jost könnte sich langfristig ein komplett „vorkassenloses Modell“ vorstellen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass Reiseanbieter Vorleistungen zahlten müssten. Von daher hält der Minister eher eine stufenweise Verringerung für sinnvoll. „Es ist utopisch zu glauben, dass es auf einmal von heute auf morgen geht.“

          Die automatisierte Rückerstattung von Anzahlungen aber könnte schneller kommen, sagte Jost. „Aufgrund der Digitalisierung dürfte das keine technische Herausforderung sein.“ Der Bundesrat habe sich 2018 bereits für die Einrichtung „automatisierter Verfahren der Rückerstattung“ ausgesprochen. Von der Bundesregierung sei aber nichts umgesetzt worden. Daher werde er auch dieses Thema auf der Verbrauchschutzministerkonferenz Anfang Mai einbringen, sagte Jost, der Sprecher der SPD-Länder in diesem Gremium ist.

          Nach Angaben des vzbz haben sich die Beschwerden über Flug- und Reiseunternehmen bei den Verbraucherzentralen im vergangenen Jahr mehr als verzehnfacht. Dabei ging es im Corona-Krisenjahr oft um nicht oder zu spät erfolgte Rückerstattungen von Vorkassezahlungen.

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