https://www.faz.net/-hbv-8j7ki

Nachträgliche Preiserhöhungen : Achtung, Pauschalreise!

Die Ausnahme für Reiseveranstalter hat ihren Grund offenbar in dem langen Zeitraum, der zwischen Buchung und Reise verstreichen kann. Schließlich darf eine Pauschalreise theoretisch ein Jahr vorher gebucht werden. „In dieser Zeit können sich für den Reiseveranstalter viele Kostenpositionen erheblich ändern, vor allem Währungskurse und Energiekosten“, rechtfertigt das Dietrich Kressel, Leiter Recht der TUI. Allerdings können auch Flüge Monate vorher gebucht werden. Wenn sich dann die Kerosinpreise ändern, darf der Flugpreis nicht erhöht werden. Die Pauschalreise ist also in diesem Punkt sogar innerhalb der Reisebranche privilegiert.

Die Preise müssen auch sinken – theoretisch

Als eine Beruhigungspille für die Verbraucher wurde in das Gesetz eine Klausel aufgenommen, nach der die Preise auch gesenkt werden müssen, wenn die genannten Kosten sinken - zumindest dann, wenn der Veranstalter im Reisevertrag auch die Möglichkeit von nachträglichen Preiserhöhungen festgeschrieben hat.

Allerdings ist die Senkungsoption mit zwei großen Hürden versehen. Der Verbraucher muss vorrechnen, dass die Kosten des Veranstalters gesunken sind. „Das ist in der Praxis kaum zu leisten“, warnt Rechtsanwalt Degott. Schließlich weiß niemand, zu welchem Preis der Veranstalter Energiekosten kalkuliert und welche Wechselkurse er zugrunde gelegt hat. Und selbst wenn das nachgewiesen ist, bekommt der Urlauber am Ende vermutlich nicht sehr viel zurück. Denn die Veranstalter dürfen eine Gebühr dafür verlangen, dass sie die Kostensenkung berechnet haben. Wie hoch die sein darf, werden die Gerichte klären müssen.

Chancen für die Verbraucher

Den Berechnungsaufwand haben die Veranstalter allerdings auch bei Preiserhöhungen. Sie müssen genau nachweisen, warum sie die Preise anpassen. „In Anbetracht täglich schwankender Wechselkurse und Kerosinpreise ist das extrem aufwendig“, sagt Dietrich Kressel von der TUI. Hinzu kommt: Die Veranstalter müssen die Verbraucher noch stärker als bisher über ihre Rechte informieren - mit allerlei Papierkram. „Hier wird ein gigantisches Bürokratiemonster herangezüchtet“, klagt Kressel. „Kosten und Nutzen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis.“

So bleibt die vage Hoffnung, dass zumindest einige Anbieter bei kleinen Kostensteigerungen vor Preiserhöhungen zurückschrecken werden. Schließlich verprellen sie ihre Kunden und handeln sich eventuell einen Gerichtsprozess über die korrekte Berechnung ein. Veranstalter könnten Kostensteigerungen eher verdeckt weitergeben, zum Beispiel durch Umbuchung auf einen Flug mit schlechteren Abflugzeiten etwa in der Nacht, der die Veranstalter weniger kostet.

Immerhin hält das Gesetz auch zwei Verbesserungen für den Verbraucher bereit. Kann der Urlauber wegen höherer Gewalt, etwa einem Gewitter, nicht wie geplant heimfliegen, muss der Veranstalter die Rückbeförderung mit einem anderen Flug und bis zu drei Zusatzübernachtungen im Hotel bezahlen. Bisher war oft der Verbraucher auf den Kosten sitzengeblieben und musste auf die Kulanz des Anbieters hoffen.

Eine noch größere Verbesserung zugunsten der Reisenden stellen die Regelungen zur sogenannten „verbundenen Reise“ dar. Das sind Reisen, bei denen der Kunde bei einem Anbieter erst einen Flug und innerhalb von 24 Stunden noch ein Hotel oder eine andere „Hauptleistung“ bucht, etwa einen Mietwagen für eine Woche. Bisher wurde das als zwei unterschiedliche Reisen gewertet, künftig gilt das als eine Pauschalreise mit all den Rechten, die das dem Verbraucher bringt. Etwa bei Mängeln oder wenn der Anschlussflug wegen Verspätung des ersten Fluges weg ist.

Doch das ist nur ein kleiner Trost im Gegensatz zu den Verschlechterungen, die das Gesetz für die Urlauber bringt. Noch kann es verändert werden, allerdings hat der Gesetzgeber dabei nicht besonders viel Spielraum. Und bis zum Inkrafttreten am 1. Juli 2018 bleibt noch ein weiterer Sommer mit den alten Regeln. Genießen Sie es!

Weitere Themen

Topmeldungen

Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.