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Datenschutz : So verwische ich meine Spuren im Netz

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Bild: dpa

Jugendsünden, üble Gerüchte, Party-Fotos: Das Internet merkt sich alles. Doch es gibt Wege, um seine Spuren zu tilgen.

          Bisher hatten Elefanten und das Internet eines gemeinsam: Beide vergessen so gut wie nichts. Elefanten erinnern sich ihren Lebtag, mit welchem Artgenossen sie vor 30 Jahren mal am Wasserloch standen. Ebenso merkt sich das Internet bis in alle Ewigkeit, welches Party-Foto wir mal gepostet, welche Meinung wir im Forum vertreten und welche Daten wir mal auf Websites preisgegeben haben. Doch nun muss das Internet vergessen lernen: Der Europäische Gerichtshof entschied vergangene Woche, dass Suchmaschinenbetreiber Informationen tilgen müssen, an die Nutzer nicht mehr erinnert werden möchten. Verbraucher sollen die Löschung bei Suchmaschinen wie Google einklagen können.

          Doch was heißt das genau, und für welche Daten gilt das? „Der Europäische Gerichtshof hat eine Pflicht zum Vergessen für Google verabschiedet, solange es um klar veraltete Informationen geht“, sagt Rechtsanwalt Thomas Schulte, der sich auf Internet-Reputationsrecht spezialisiert hat. „Auch der Verweis auf ehrverletzende Bewertungen muss nach aktueller Rechtslage gelöscht werden. Kein Unternehmer muss damit leben, dass er im Internet als Halsabschneider und Betrüger beschimpft wird.“ Wieweit Nutzer künftig die Entfernung von Einträgen einfordern, darauf sind nun alle gespannt. Muss sich Google auf eine Klagewelle einstellen? Das sei noch nicht absehbar, findet Schulte. Auch Datenschutzexpertin Michaela Zinke vom Verbraucherzentrale Bundesverband rechnet nicht damit, dass Hunderttausende Bundesbürger demnächst ihre Daten aus dem öffentlichen Gedächtnis streichen möchten. Allerdings hatte die F.A.Z. am Samstag gut informierte Kreise zitiert, wonach Google derzeit mit Löschanfragen überhäuft werde.

          Es gibt Formulare auf der Google-Website, mit denen man das Entfernen von Inhalten beantragen kann: Wer sich verleumdet sieht oder kritische Daten wie eigene Ausweisnummern oder Kontoinformationen im Netz entdeckt, kann das auf der Seite https://support.google.com/legal/troubleshooter/1114905?rd=2 melden. Google verweist jedoch darauf, dass längst nicht alle Anträge zum Erfolg führen. „Weitere Zahlen kommunizieren wir dazu nicht.“

          Die viel größeren Fragen vieler Internetnutzer sind jedoch: Wie lösche ich Forumseinträge wieder? Und wie lösche ich meinen Account - zum Beispiel bei Facebook? Das ist extrem schwierig. Meist können Nutzer ihren Account auf sozialen Netzwerken lediglich stilllegen, so dass er nicht mehr angezeigt wird. Aber die Daten liegen danach noch monatelang auf den Servern der Betreiber. Und weil Informationen auch bei Suchmaschinen immer in diversen Zwischenspeichern stecken, tauchen bereits gelöschte Informationen oft noch lange im Netz auf.

          Agenturen verschaffen Klienten einen guten Ruf im Netz

          Überdies warnt Zinke vor übertriebenen Hoffnungen: „Das Urteil gegen Google bedeutet nicht, dass wirklich Informationen von Webseiten getilgt werden. Nur werden die Verweise zu diesen Webseiten nicht mehr vorn in den Ergebnislisten aufgeführt, sondern erst auf den hinteren Seiten.“ Aber dies ist ja zumindest schon mal ein Anfang, wenn man nicht will, dass etwas gefunden wird.

          Inhalte tatsächlich zu löschen geht auch - ganz einfach ist dies allerdings nicht. Dazu muss man sich gelegentlich selber googeln, also den eigenen Namen und die eigene Mail eingeben, um zu prüfen, welche Informationen zusammenkommen. Sind Dinge dabei, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind? Dann schreibt man am besten den Betreiber der Website an und fordert ihn auf, die Informationen aus dem Netz zu nehmen.

          Etwas anderes machen im Übrigen auch professionelle „Online-Reputation-Management-Agenturen“ wie Dein-guter-Ruf, Web-Reinigung oder Saubere-Weste nicht, die versprechen, störende Beiträge löschen zu lassen. Meist verschicken sie gegen einen Betrag von 10 Euro monatlich Reputations-Updates im Abonnement, verlangen rund 30 Euro für die Entfernung eines Beitrags oder bieten für mehrere hundert Euro Abhilfe in Fällen von grober Rufschädigung an. „Wenn jemand Geld übrig hat und gar keine Zeit, kann er so etwas nutzen, statt selber aktiv zu werden“, sagt Datenschützerin Zinke. „Aber wenn sich ein Anbieter querstellt, haben die Agenturen auch keine größere Durchschlagskraft.“

          Richtig schwierig wird es, wenn der Betreiber einer Webseite im Impressum nicht auszumachen ist, weil dort keine Adresse genannt ist. Eine gute Anlaufstelle ist dann die Domain-Registrierungsstelle Denic.de. Sie zeigt an, wer hinter einer Webadresse steckt. Wird die Seite von einem Treuhänder verwaltet oder aus dem Ausland heraus, können Nutzer oft nur hoffen, dass der Betreiber überhaupt reagiert. Die meisten tun das ohnehin erst nach mehreren Aufforderungen. Auch eine Beschwerde bei Datenschutzbeauftragten bringt in solchen Fällen meist nichts. In weniger heiklen Fällen können die Beauftragten allerdings manchmal zur Durchsetzung verhelfen. Misslingt dies, bleibt nur noch ein Weg: der Gang zum Gericht.

          Auf längere Diskussionen wird sich auch jeder Nutzer einstellen müssen, wenn er bestimmte Dinge selbst ins Netz gestellt hat. Wenn er also etwa Forumsbeiträge gepostet hat, von denen er sich im Nachhinein distanzieren will. Eine völlige Streichung lehnen die Betreiber meist ab - oft mit dem Argument, es gäbe ein öffentliches Interesse, die Beiträge weiterhin zu lesen. Über eine Anonymisierung kann man aber mit ihnen verhandeln. Dann erinnert sich das Forum zwar ewig an die Aussage, genau wie ein Elefant an seine Artgenossen am Wasserloch. Nur taucht dann wenigstens nicht mehr der eigene Name dabei auf.

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