https://www.faz.net/-hsn-8d0ve

Kleinere Packungsgrößen : Liebling, ich habe das Magnum geschrumpft

Besonderes Sparprogramm: Wenn weniger Eis in der Packung ist, sind auch weniger Kalorien drin. Fragt sich nur, ob auch der Preis weniger wird. Bild: Bloomberg

Kollektiv auf Diät gesetzt: Immer mehr Süßwarenhersteller verkleinern ihre Packungsgrößen. Aus Rücksicht auf die Gesundheit, wie sie sagen. Das ist aber nicht der einzige Grund.

          Es kündigt sich Großes an bei Magnum. „Release the beast“, „lasst die Bestie frei“, lautet das Motto eines aktuellen Werbespots, der Deutschlands Eisesser auf ein Magnum der besonderen Art vorbereiten soll. Was bei Burger King der „Double Whopper“, ist bei Unilever das „Magnum Double“: Zwischen Eis und Schokohülle verbirgt sich dort noch eine Extraschicht Süßes, wahlweise aus Erdnussbutter oder Karamell. Die Bestie hat es in sich: 340 Kalorien stecken in einer Portion, fast ein Drittel mehr als in der klassischen Variante.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Andernorts ist Unilever weniger großzügig. Im Gegenteil, in Großbritannien setzt der Konsumgüterhersteller seine Kundschaft gerade kollektiv auf Diät. Maximal 250 Kalorien soll ein Eis am Stiel im Vereinigten Königreich künftig noch haben – mehr sind politisch verpönt. Also müssen die Packungsgrößen schrumpfen. So soll ein „Magnum Mandel“ künftig statt 110 nur noch 100 Milliliter Eis enthalten, ein Becher Ben & Jerry’s statt 150 nur noch 100 Milliliter. Besonders gehaltvolle Sorten wie „Cornetto Choc ’n’ Ball“ sollen im Zuge der Verschlankungskur sogar ganz aus dem Sortiment verschwinden, verriet ein Manager von Unilever der Fachzeitschrift „The Grocer“.

          Britisches Gesundheitsministerium griff ein

          Bislang waren vor allem die Vereinigten Staaten dafür bekannt, den Verbrauchern mehr oder weniger sanft einen gesünderen Lebensstil nahezulegen. Unvergessen ist der – letztlich von einem Gericht gestoppte – Vorstoß des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, Getränkebecher jenseits der 16-oz-Marke (0,47 Liter) aus Schnellrestaurants, Kinos und Sportstadien zu verbannen. Nun mehren sich auch auf dieser Seite des Atlantiks die Versuche, der Menschheit ihre Laster abzugewöhnen oder sie doch zumindest etwas zu schrumpfen.

          Schon 2012 trommelte das britische Gesundheitsministerium alle großen Süßwarenhersteller und Supermarktketten zusammen, um dem Land eine Diät zu verordnen. Mehr als 60 Prozent der Briten gelten offiziell als übergewichtig, die Folgen wie Bluthochdruck und Diabetes kosten den staatlichen Gesundheitsdienst NHS jedes Jahr Milliarden. Der Süßwarenhersteller Mars reagierte als einer der ersten. Seit Ende 2013 hat keiner seiner Schokoriegel mehr als 250 Kalorien – nicht nur in Großbritannien, sondern überall auf der Welt. So kommt es, dass auch in Deutschland ein „Snickers“ heute nur noch 50 statt wie früher 57 Gramm wiegt. Noch offen ist dagegen, ob auch die Unilever-Produkte „Magnum“ und „Cornetto“ hierzulande schrumpfen werden. Das Unternehmen wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

          Nicht nur die Menge sinkt

          Bei der Verbraucherzentrale in Hamburg sind sie darüber vermutlich ganz froh. Niedrigeren Füllmengen begegnet man hier mit einem gewissen Argwohn. Was daran liegt, dass in vielen Fällen eben nur die Menge sinkt, nicht aber der Preis. So geschehen etwa bei den verschlankten Riegeln von „Snickers“ und „Twix“, die nach den Recherchen der Verbraucherschützer auch nach der Umstellung weiter 99 Cent je Stück kosteten. Die Faustregel von Lebensmittelfachmann Armin Valet: Schrumpft der Inhalt „nur“ um 20 bis 25 Prozent, bleibt der Preis erfahrungsgemäß oft gleich. Schrumpft der Inhalt um ein Drittel, sinkt in aller Regel auch der Preis, allerdings nur um 10 bis 15 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.