https://www.faz.net/-hsn-7r140

Junge Deutsche : Schuldenfalle Telefon und Internet

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach einer jüngst vorgelegten Studie schalten junge Menschen alle siebeneinhalb Minuten ihr Smartphone an. Die Kosten haben nicht alle im Blick, wie eine Statistik zeigt: Im Schnitt stehen junge Schuldner bei Telefon- und Internetanbietern mit 1350 Euro in der Kreide.

          1 Min.

          Junge Menschen in Deutschland verschulden sich überdurchschnittlich oft bei ihren Telefon- und Internetanbietern. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, stehen unter 25-Jährige, die 2013 von Schuldnerberatungsstellen beraten wurden, mit durchschnittlich 1350 Euro bei Telekommunikationsanbietern in der Kreide. Das waren 18 Prozent ihrer gesamten Schulden.

          Die Verbindlichkeiten, die junge Menschen beim Telefonieren oder Surfen im Internet anhäuften, waren damit wesentlich höher als bei allen beratenen Schuldnern insgesamt: Bei ihnen machten diese Schulden etwa 850 Euro oder nur knapp 3 Prozent ihrer Schulden aus.
          Jeder fünfte junge Schuldner hat nach den Zahlen keinen Überblick über seine Finanzen - und insbesondere die Kosten für Telefonate und Online-Aktivitäten werden oft unterschätzt. Nach den Zahlen der Statistiker lag das monatliche Nettoeinkommen junger Schuldner bei Aufnahme der Beratung durchschnittlich bei 725 Euro. Demnach wären fast zwei Monatseinkommen notwendig, um nur die Forderungen von Telekommunikationsanbietern zu begleichen.

          Nach einer kürzlich vorgelegten Studie der Universität Bonn verbringen junge Menschen im Schnitt drei Stunden am Tag am Smartphone - es wurde demnach im Durchschnitt täglich 135 Mal eingeschaltet. Während junge Schuldner nach den Zahlen der Statistiker bei Banken ähnlich tief im Minus sind wie bei Telekommunikationsanbietern, zeigt sich bei den Schuldnern insgesamt ein anderes Bild: Die Verbindlichkeiten bei Banken überstiegen jene bei Unternehmen der
          Telekommunikationsbranche um mehr als das Zwanzigfache. Hauptauslöser der Überschuldung war auch 2013 der Verlust des Arbeitsplatzes (24 Prozent insgesamt, 25 Prozent bei Jüngeren).

          Durchschnittliche Schulden je Gläubiger und Schuldnerart 2013
          Unter 25-jährige Schuldner Alle beratenen Schuldner
          Euro an Gesamtforderungen Euro an Gesamtforderungen
          Kreditinstitute 1.424 € 19,10% 17.882 € 54,20%
          Inkassobüros 1.243 € 16,70% 3.676 € 11,10%
          Öffentliche Gläubiger 753 € 10,10% 3.520 € 10,70%
          Telekommuni-kation 1.349 € 18,10% 851 € 2,60%
          Sonstiges 2.685 € 36,00% 7.067 € 21,40%
          Schulden insgesamt 7.454 € 32.996 €
          Quelle: Statistisches Bundesamt
          Hauptauslöser der Überschuldung im Jahr 2013
          Unter 25-jährige Schuldner Alle beratenen Schuldner
          Arbeitslosigkeit 25,2% 23,6%
          Trennung, Scheidung, Tod des Partners/der Partnerin 3,8% 13,6%
          Erkrankung, Sucht oder Unfall 8,3% 12,7%
          Unwirtschaftliche Haushaltsführung 20,4% 11,2%
          Gescheiterte Selbstständigkeit 1,3% 8,3%
          Gescheiterte Immobilienfinanzierung 0,1% 3,3%
          Unzureichende Kredit- oder Bürgschaftsberatung 1,0% 2,7%
          Sonstiges 39,8% 24,5%
          Quelle: Statistisches Bundesamt

          Weitere Themen

          Vier Tage arbeiten, weniger drucken

          Microsoft in Japan : Vier Tage arbeiten, weniger drucken

          Microsoft Japan verordnete seinen Mitarbeitern einen Monat lang eine Viertagewoche und meldete zunächst einen Produktivitätsgewinn um 40 Prozent. Nun hat das Unternehmen die Zahl zurückgenommen.

          Topmeldungen

          Krise in Bolivien : Mexikos Luftwaffe bringt Morales ins Exil

          „Bald komme ich mit mehr Kraft und Energie zurück“, schreibt der frühere bolivianische Präsident vor seinem Abflug auf Twitter. Die Armee will gegen Ausschreitungen seiner Anhänger vorgehen – und der Verteidigungsminister legt sein Amt nieder.
           Unsere Sprinter-Autorin: Anna-Lena Ripperger

          F.A.Z.-Sprinter : Die Last der Macht

          Die Linke muss sich nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht nach einer neuen Ko-Vorsitzenden umschauen und auch der CDU könnten unruhige Zeiten bevorstehen. Was sonst wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.
          Microsoft in Japan: Experimente mit der VIer-Tage-Woche

          Microsoft in Japan : Vier Tage arbeiten, weniger drucken

          Microsoft Japan verordnete seinen Mitarbeitern einen Monat lang eine Viertagewoche und meldete zunächst einen Produktivitätsgewinn um 40 Prozent. Nun hat das Unternehmen die Zahl zurückgenommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.