https://www.faz.net/-hsn-7mick

Stromanbieter : Strafverfahren um Teldafax-Pleite vertagt

  • Aktualisiert am

Vom Telefon zur Pleite zum Strom zur Pleite Bild: dpa

Drei ehemalige Manager des insolventen Billigstromanbieters Teldafax sollten ab heute vor Gericht stehen. Doch der Prozess wurde gleich wieder vertagt.

          2 Min.

          Vor dem Landgericht Bonn sollte am Dienstag der Prozess gegen drei frühere Manager des insolventen Stromdiscounters Teldafax beginnen. Die Verteidigung hatte die Besetzung der Wirtschaftsstrafkammer kritisiert. Ein übliches Vorgehen, um den Prozessbeginn zu verzögern.

          Der Stromanbieter Teldafax, der mit Vorauszahlungen von Kunden und Niedrigstpreisen auf dem Energiemarkt ein riskantes Geschäftsmodell praktizierte, hatte Mitte 2011 Insolvenz angemeldet.

          Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Vorständen Klaus Bath, Gernot Koch und Michael Josten Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und Bankrotthandlungen wie das nicht ordnungsgemäße Führen der Geschäftsbücher vor. Bei einer Verurteilung droht den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von mehr als fünf Jahren.

          Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren die Teldafax Holding und deren Töchter Teldafax Services und Teldafax Energy bereits Mitte 2009 zahlungsunfähig. Auch wenn zwischenzeitlich Liquidität zur Verfügung stand, habe sich an der Lage der permanenten Unterdeckung nichts geändert, heißt es in der Anklageschrift. Trotzdem habe es der Vorstand nach Bekanntwerden der Insolvenzreife versäumt, innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag zu stellen. Dies geschah erst zwei Jahre später.

          Teldafax setzte nach Öffnung der Strommärkte mit Billigangeboten auf den großen Durchbruch. Verluste wurden bewusst in Kauf genommen, Strom wurde günstiger verkauft als Teldafax im Einkauf dafür zahlte. Finanziert wurde dies über Tarife, die Vorauszahlungen enthielten, so dass einer immer größeren Zahl von Neukunden nötig war. Der Insolvenzverwalter Biner Bähr, der Mitte 2011 vom Bonner Amtsgericht zum Insolvenzverwalter ernannt worden war, stellte auf der ersten Gläubigerversammlung unmissverständlich klar: „Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer.“

          Schon 2001 war eine Teldafax pleite

          Das Gericht hat bis Mai zunächst 16 Verhandlungstage angesetzt. Die Zahl der geschädigten Kunden wird auf rund 700.000 beziffert. Auch bei einer Verurteilung wird die Vermögenslage der Manager kaum ausreichen, die Forderungen vollständig zu bedienen. Bei einem Schaden von insgesamt 500 Millionen Euro - das ist die Schätzung des Insolvenzverwalters - werden die vielen Gläubiger vermutlich große Abstriche machen müssen. Bundesnetzagentur und Verbraucherschützer warnen schon seit langem bei einem Wechsel des Stromanbieters vor Tarifen mit Vorauszahlung.

          Teldafax war ursprünglich ein Anbieter einer sogenannten Pre-Selection-Nummer nach Liberalisierung des Telefonmarktes und als Aktiengesellschaft im Neuen Markt notiert. Auch hier trat das Unternehmen mit einer sehr aggressiven Preisstrategie auf, geriete aber auch da in Zahlungsschwierigkeiten, so dass die Telekom die Nummer schließlich sperrte und das Unternehmen im April 2001 Insolvenz beantragte und an eine Schweizer Investorengruppe verkauft wurde. Schon damals hatte der  Insolvenzverwalter Bernd Reuss geäußert, der Insolvenzantrag sei um mehrere Monate zu spät gestellt worden. Auch damals ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Insolvenzdelikte gegen den Vorstand. Die spätere „Teldafax GmbH“, um die es bei dem Prozess geht, hat zwar den Markennamen erworben, wurde aber nicht Rechtsnachfolger der AG.

          Weitere Themen

          Tesla-Aktien steigen weiter

          Teuerste Automarke der Welt : Tesla-Aktien steigen weiter

          Auch zu Wochenbeginn steigt der Kurs des Elektroautoherstellers. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert des Titels mehr als vervierfacht – auch wenn das Unternehmen noch nie einen Jahresgewinn ausgewiesen hat.

          Die Fehler der Aufseher

          FAZ Plus Artikel: Wirecard-Skandal : Die Fehler der Aufseher

          Der Fall des Zahlungsdienstleisters hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin blamiert. Amerikas Behörde wäre so etwas nicht passiert, heißt es überall. Als Vorbild taugt sie trotzdem nicht.

          Topmeldungen

          Zu beantworten: Weshalb ist nicht zu ermitteln, woher die mit „NSU 2.0“ gezeichneten Schreiben stammen?

          Nach Drohmails gegen Wissler : Warum sind die Ermittlungen bisher erfolglos?

          Die Drohmails gegen die Linken-Vorsitzende im Landtag sorgen auch innerhalb der Sicherheitsbehörden für Streit. In den Vordergrund rückt die Frage, weshalb nicht zu ermitteln ist, woher die mit „NSU 2.0“ gezeichneten Schreiben stammen.
          Polizisten vor einem Waldstück an einer Straße bei Oppenau, wo mit einem Großaufgebot nach dem Flüchtigen gesucht wird.

          Dienstwaffen-Räuber geflüchtet : Im Schwarzwald versteckt

          Weiterhin ist der Mann, der in Oppenau im Schwarzwald vier Polizisten entwaffnet haben soll, auf der Flucht. Es ist nicht das erste Mal, dass der Verdächtige strafrechtlich auffällig wird. Ein ehemaliger Vermieter berichtet zudem von einem Waffenlager.
          Wie weiter? Linda Teuteberg und Christian Lindner vergangenen April auf dem Bundesparteitag in Berlin

          FDP in der Krise : Wenn das Zugpferd lahmt

          Die FDP dümpelt nur noch bei fünf Prozent, ihr Vorsitzender Christian Lindner wirkt unmotiviert und auch an Linda Teuteberg gibt es Zweifel. Sind die Tage der Generalsekretärin gezählt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.