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Video-Streamingdienste im Test : Mit eigenen Serien auf Kundenfang

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Ein Vorteil ist für die beiden dabei, dass sie andere, gezieltere Eigenproduktionen herstellen können als zum Beispiel Fernsehsender. Amazon und Netflix sind werbefrei und daher nicht darauf angewiesen, immer ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Anders als die Fernsehsender, die mit Einschaltquoten ihre Werbeplätze verkaufen müssen. So können die beiden Streaming-Anbieter einzelne Produktionen für spezielle Zielgruppen anbieten, ohne dabei andere zu verschrecken.

Daher ist es für Amazon und Netflix nicht notwendig, auch an dieser Stelle genaue Zahlen bekanntzugeben. Sowohl die genauen Abo-Abschlüsse für Deutschland als auch die „Einschaltquoten“ für die Inhalte sind gut gehütete Geheimnisse. Nicht einmal bei Verhandlungen, wenn es um Programmrechte geht, werden die Zahlen offengelegt. Dennoch zeigen die weltweiten Zahlen, dass mittlerweile 93,8 Millionen Menschen ein Netflix-Abo haben, Tendenz: um mehrere Millionen pro Quartal steigend.

Auch Amazon hat in der Hinsicht Erfolgsmeldungen zu verkünden. Allerdings gibt es bei dem Unternehmen noch einen starken Hintergedanken. Denn schließlich ist Amazon als Online-Versandhändler gestartet - und ist es immer noch. Wenn dieser es schafft, über sein Video-Angebot neue Mitglieder zu werben, dann ist das hervorragend für die Kundenbindung für andere Amazon-Angebote.

Auf dem Erfolg ausruhen darf sich keiner

Diese Idee gilt vor allem für das Prime-Angebot von Amazon. Prime sollte ursprünglich Kunden an Amazon binden, die für einen niedrigen jährlichen Betrag kostenlose und schnelle Lieferungen garantiert bekommen. 2011 fügte Amazon einen Neflix-ähnlichen Video-Streaming-Dienst zu dem Paket hinzu. Instant Video hieß der und startete mit 5000 Filmen und Serien. Das war zwar nur ein Bruchteil von dem Netflix-Angebot, aber es funktionierte.

Greg Greeley, der Chef von Amazon Prime, erklärt den Clou daran so: Wenn Prime-Mitglieder etwas im Video-Stream gefalle, dann würden sie vielleicht angeregt, andere Produkte zu kaufen, und so zu treuen Kunden werden. Dazu muss erwähnt werden, dass man über Amazon nicht alle angebotenen Filme und Serien umsonst bekommt, sondern teilweise leihen oder kaufen muss. Das kostet.

Anscheinend hat diese Kalkulation funktioniert. Seit 2011 ist die Zahl der Prime-Kunden rapide gestiegen - laut Amazon wurden sie zu großen Teilen angelockt durch das Video-Streaming-Angebot. Allein 2016 seien „mehrere zehn Millionen“ neue Prime-Nutzer dazugekommen, verkündete Amazon-Chef Jeff Bezos vergangene Woche. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl der Mitglieder zwischen 60 und 80 Millionen liegt. Zwar gibt es mittlerweile das Video-Angebot auch getrennt von Prime als eine monatliche Mitgliedschaft, wie sie Netflix anbietet. Allerdings ist das über ein Jahr gerechnet deutlich unattraktiver als Prime. Amazons Kundenbindung dürfte also weiter funktionieren.

Auf dem Erfolg ausruhen dürfen sich jedenfalls weder Amazon noch Netflix. Denn erstens müssen sie es schaffen, die Zahl der Eigenproduktionen so hoch zu halten, dass sie ihr Publikum dauerhaft gewinnen und immer wieder neu überraschen können. Und zum anderen schlafen auch andere Riesen der digitalen Welt nicht. So kommt zum Beispiel Youtube, das zu Google gehört, dieses Jahr mit seinem Angebot „Red“ nach Deutschland. In Amerika gibt es das schon seit 2015.

Der kostenpflichtige große Bruder der normalen Youtube-Plattform will neben Werbefreiheit und Musik-Streaming auch mit Video-Eigenproduktionen punkten. Facebook als ein anderer Gigant hat zudem vergangene Woche bekanntgegeben, dass es ebenfalls kurze, qualitativ hochwertige exklusive Video-Produktionen plane. Auch wenn erst einmal keine Serien oder Filme vorgesehen sind: Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht Video als „einen Mega-Trend“. Und schließlich bleibt auch abzuwarten, ob Apple sein Video-Streaming weiter ausbaut. Für die Zuschauer sind das gute Nachrichten. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Videodienste im Vergleich In Deutschland gibt es neben Netflix und Amazon noch zwei andere Streaming-Dienste, die bei Serien- und Film-Liebhabern beliebt sind. Maxdome bietet wie Netflix ein monatliches Abo für Serien und Filme zusammen in einem Paket an, allerdings muss man für einige Inhalte wie auch bei Amazon extra zahlen - entweder als Leih- oder Kaufoption. Bei Sky Ticket ist es etwas anders. Dort gibt es zwei getrennte monatliche Abos: eines für Serien-Liebhaber (“Entertainment“), das andere für Film-Fans (“Cinema“). Bei Amazon gibt es zwei Möglichkeiten, das Video-Streaming zu nutzen. Zum einen als monatliches Abo, zum anderen als Teil eines Jahres-Abos von Amazons Prime-Angebot: Das beinhaltet noch weitere Dienste, wie kostenlosen und schnellen Versand von Amazon-Bestellungen. Amazon hat das Angebot so gestaltet, dass es für die Kunden günstiger ist, eine Jahresmitgliedschaft für Prime abzuschließen. Die kostet auf den Monat umgerechnet 5,75 Euro, während das Monats-Abo mit 7,99 Euro zu Buche schlägt. Bei Netflix hat das Abo drei Abstufungen: Je besser die Bildqualität, desto teurer wird es. Da jeder Zuschauer letztlich seinen eigenen Geschmack hat, lohnt es sich, erst einmal alle Angebote zu testen. Außer Sky Ticket bieten alle einen kostenlosen Probe-Monat an. Weil das Angebot ständig wächst und auch einmal Titel wegfallen, lohnt es sich, immer mal wieder zu schauen, was die anderen Anbieter machen, und gegebenenfalls zu wechseln - oder auch mehrere Dienste parallel zu abonnieren. Dank der monatlichen Kündigungsfristen ist der Kunde da recht flexibel. jet.

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