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Video-Streamingdienste im Test : Mit eigenen Serien auf Kundenfang

  • -Aktualisiert am
Ein Abo für Streaming-Dienste gibt es ab 6 Euro im Monat. Doch Vorsicht vor versteckten Kosten!

Wie blöd so etwas laufen kann und wie abschreckend auf potentielle Nutzer, hat Netflix beim Start in Deutschland erfahren müssen. Der absolute Liebling damals, 2014, war die erste selbstproduzierte Serie „House of Cards“. Viele deutsche Fans waren begeistert und freuten sich, mit einem deutschen Netflix-Zugang endlich auch sofort alle neuen Folgen sehen zu können - die dritte Staffel stand vor der Tür. Doch Pustekuchen. Denn Netflix hatte die Erstausstrahlungsrechte damals schon an den Bezahlsender Sky verkauft und musste die neue Folgen aus diesem Grund dem deutschen Publikum vorenthalten - und das ausgerechnet von der eigenen Serie! Das trifft bei neuen Kunden natürlich auf wenig Verständnis, es gab bitterböse Proteste. Es gibt aus anderen Ländern ähnlich unerfreuliche Fälle.

Auch deshalb lautet die Lehre von Netflix: Mehr Eigenes muss her. Und so will der Dienst möglichst überall auf der Welt ein identisches Angebot bieten. Auch wenn es um die Verhandlungen um Lizenzen geht, setzt Netflix wenn möglich auf Deals, die nicht mehr für bestimmte Länder oder Regionen beschränkt gelten. Ähnlich ist die Situation bei Amazon. Nachdem Netflix schon im Januar 2016 den großen Schritt wagte und in mehr als 190 Ländern verfügbar wurde, hat Amazon Anfang vergangenen Dezember sein Angebot auf mehr als 200 Länder ausgeweitet.

Wie hoch die Ausgaben für Eigenproduktionen sind, geben beide Unternehmen allerdings nicht preis. Wirft man einen Blick auf die Gesamtkosten, die Netflix für die Beschaffung von Inhalten ausgibt, also sowohl für lizenzierte Filme und Serien als auch für Eigenproduktionen, dann gibt es einen klaren Trend: 2015 betrugen die Ausgaben 3 Milliarden Dollar, 2017 sollen sie doppelt so hoch liegen. Und auch „You Are Wanted“ gibt einen Fingerzeig, in welchen Kostendimensionen sich solche Eigenproduktionen bewegen. „Man kann das ungefähr mit einem sehr aufwendigen Kinofilm vergleichen“, sagt Dan Maag, CEO der Produktionsfirma Pantaleon.

Eigenproduktionen sind alles andere als billig

Eigenproduktionen sind also alles andere als billig. Branchen-Insidern zufolge sind sie letztlich deutlich teurer für Netflix und Amazon, als wenn sie die Rechte an Serien und Filmen kaufen würden. Und doch scheint es den beiden wert zu sein, die Milliarden zu investieren. Was letztlich bei Amazon und vor allem Netflix zählt, sind die Abo-Abschlüsse. Ihr Kalkül geht daher folgendermaßen: Exklusive und hochwertige Eigenproduktionen sollen möglichst viele Kunden anlocken und dazu bewegen, Abonnenten zu werden.

Die große Beliebtheit von zum Beispiel Netflix’ „House of Cards“, „Narcos“ oder auch Amazons „Mozart in the Jungle“ und „Transparent“ zeigt in den Augen der Streaming-Dienste, dass sich die Investitionen lohnen. Auch ein Blick auf die Auszeichnungen, welche die Eigenproduktionen schon abgeräumt haben, ist beeindruckend - zum Beispiel bei den Emmys, den bedeutendsten Fernsehpreisen der Vereinigten Staaten. 2016 waren Netflix Originals 54 Mal für einen Emmy nominiert und konnten neun Trophäen einheimsen. Amazon kam auf immerhin 16 Nominierungen und siegte fünfmal.

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