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Zahlungsmoral : Strafzettel zahlen die Leute mit Vorliebe unpünktlich

Manche Leute ärgern sich anscheinend so darüber, aufgeschrieben worden zu sein, dass sie den Strafzettel erst einmal beiseitelegen. Bild: dpa

Ein Inkasso-Unternehmen hat europaweit Menschen zu ihrer Zahlungsmoral befragt. Die Deutschen schneiden dabei ganz gut ab. Überraschend ist der Zusammenhang von Geld und Liebe.

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          Die Zahlungsmoral in Deutschland insgesamt ist ganz gut – trotzdem gibt es auch hierzulande Nachlässigkeiten beim Begleichen von Rechnungen. Und es gibt Leute, die einen Teil ihrer Rechnungen nicht bezahlen wollen oder können oder sie sogar gleich ungeöffnet irgendwo deponieren. Im Durchschnitt müssen deutsche Unternehmen deshalb rund 2,5 Prozent ihres Umsatzes abschreiben, weil Kunden nicht zahlen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das geht aus einer Studie des börsennotierten schwedischen Kreditmanagement- und Inkasso-Unternehmens Intrum Justitia hervor, für die mehr als 20.000 Menschen aus verschiedenen Ländern über ihre Zahlungsgewohnheiten befragt wurden. Ergänzt wurden die Angaben offenbar aus der Inkasso-Praxis.

          Im Durchschnitt begleichen die Deutschen demnach Rechnungen innerhalb von 13 Tagen, damit zahlen sie schneller als Franzosen (33 Tage), Griechen (21 Tage) oder Italiener (48 Tage) – wobei in anderen Ländern häufig auch schon gleich die Zahlungsziele großzügiger definiert sind. In Deutschland haben immerhin 39 Prozent der Befragten zugegeben, innerhalb der vergangenen zwölf Monate eine oder mehrere Rechnungen nicht innerhalb der vorgesehen Frist beglichen zu haben. Dabei gibt es allerdings offenbar erhebliche Unterschiede, je nachdem, um was für Rechnungen es sich handelt.

          Besonders häufig wurden der Studie zufolge Strafzettel unpünktlich beglichen. Offenbar warten manche Leute regelmäßig, bis sich mehrere Knöllchen gesammelt haben, oder sie ärgern sich so sehr, dass sie die Zahlungsaufforderung erst einmal beiseite legen. Aber auch Arztrechnungen wurden überdurchschnittlich oft unpünktlich bezahlt, genauso wie Rechnungen für die Kinderbetreuung (siehe Grafik).

          Finanzielle Hürden für Trennung vom Partner

          Fragt man, warum eine Rechnung nicht bezahlt wurde, geben 30 Prozent „Geldmangel“ als Grund an, die häufigste Antwort aber ist schlicht „vergessen“. Mehr als 70 Prozent der Nichtzahler gaben den hohen Benzin- und Heizölpreisen die Schuld daran, dass sie derzeit etwas knapp bei Kasse seien. Objektiv betrachtet ist beides allerdings so billig wie lange nicht mehr.

          Immerhin 73 Prozent der Deutschen behaupteten dagegen, dass sie ihre finanzielle Situation gut unter Kontrolle hätten. Das war in anderen Ländern ganz anders: In Italien sagte mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent), sie hätten manchmal Angst, den Briefkasten zu öffnen, weil sie dort Rechnungen finden könnten. Und in Griechenland gaben 78 Prozent zu, Rechnungen nicht pünktlich zu bezahlen.

          Ganz grundsätzlich scheint es in Deutschland eine besonders hohe Zustimmung zu der Aussage zu geben, dass man seine Rechnungen im Prinzip pünktlich zu bezahlen habe. Immerhin 85 Prozent der Befragten äußerten sich hierzulande in dieser Richtung. Weniger waren es in Frankreich (82 Prozent), Italien (83 Prozent) und Griechenland (75 Prozent), deutlich mehr hingegen in Norwegen (90 Prozent).

          Unterschiedlich ist der Studie zufolge auch, wie viel die Menschen in den verschiedenen Ländern jeden Monat zurücklegen, um unvorhergesehene Rechnungen begleichen zu können. In Deutschland und Frankreich waren es im Durchschnitt 200 Euro, in Griechenland 100 Euro, in der Schweiz sogar 500 Euro.

          Auch mit dem Zusammenhang zwischen Geld und Liebe hat sich die Studie beschäftigt. Die Befragten sollten sich dazu äußern, wie groß für sie die finanzielle Hürde für eine Trennung von ihrem Partner wäre. Auch das war in den betrachteten Ländern sehr verschieden, vor allem in den skandinavischen Ländern Schweden, Norwegen und Dänemark haben die Leute offenbar weniger Angst vor den Trennungskosten. In Deutschland hingegen widersprachen sage und schreibe 45 Prozent der Befragten folgender Aussage ausdrücklich nicht: „Meine finanzielle Situation ist ein Grund, meine Beziehung nicht zu beenden.“

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