https://www.faz.net/-hsn-7ruha

Stichtag 1. August : Es wird ernst mit Sepa

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach sechs Monaten Gnadenfrist ist es jetzt zum 1. August soweit: Unternehmen und Vereine dürfen Zahlungen nur noch nach dem Zahlungssystem Sepa abwickeln. Privatleute haben mehr Zeit.

          2 Min.

          Europa wächst auch im Zahlungsverkehr zusammen. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen werden standardisiert. Im Euro-Zahlungsraum, kurz Sepa (“Single Euro Payments Area“) wird nicht mehr zwischen grenzüberschreitenden und nationalen Zahlungen unterschieden. 34 Länder sind beteiligt. Neben den 28 EU-Staaten gehören die Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein, Monaco und San Marino dazu.

          Ab dem 1. August dürfen Unternehmen und Vereine Überweisungen nur noch nach dem Sepa-Format mit der neuen internationalen Kontonummer (IBAN) vornehmen. Aber auch Privatpersonen entkommen Sepa nicht: Ab dem 1. Februar 2016 ist auch für sie Schluss.

          Im schlimmsten Fall geht das Geld aus

          Vereine und Unternehmen, die die Umstellung nicht abgeschlossen haben, könnten Schwierigkeiten bekommen. Wenn Banken Zahlungen im alten Format nicht mehr annehmen und sich so die Abwicklung von Geschäften verzögert, drohen Liquiditätsengpässe. Zwar sind Banken technisch in der Lage, auch Überweisungen und Lastschriften im alten Format in Sepa-Standard zu übersetzen, nach dem 1. August könnten dafür aber Gebühren fällig werden.

          Indes sind nach Umfragen 89 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland fit für Sepa. Nur weniger als zwei Prozent glauben, die Umstellung bis zum Stichtag nicht mehr zu schaffen. Die Begeisterung der Firmen hält sich allerdings in Grenzen: Nur etwa jedes sechste Unternehmen - vor allem größere Betriebe ab 20 Mitarbeiter - sieht der Umfrage zufolge Vorteile in dem Verfahren.

          Eine Überweisung ins europäische Ausland soll im Sepa-Verfahren schneller gehen und nur noch einen Bankgeschäftstag dauern. Wer nicht online überweist, sondern einen herkömmlichen Überweisungsträger ausfüllt, muss mit zwei Arbeitstagen rechnen.

          Derzeit kann es bei Auslandstransfers mitunter bis zu einer Woche dauern, bis das Geld ankommt. Auslandsüberweisungen sollen außerdem nicht mehr teurer sein als Geldtransfers im Inland. Die Bundesbank verweist auf Hochrechnungen, wonach sich die Kostenersparnis durch Sepa für einen Zeitraum von sechs Jahren auf 123 Milliarden Euro summieren dürfte. Sepa-Überweisungen sind allerdings nur in Euro möglich. Bei anderen Währungen muss der Bankkunde eine Auslandsüberweisung vornehmen.

          Eigentlich war der 1. Februar 2014 der Stichtag für Vereine und Unternehmen. Doch Anfang Januar verlängerte die EU-Kommission die Übergangsfrist um sechs Monate bis zum 1. August, um ein Zahlungschaos zu vermeiden. Grund war, dass die Umstellung auf Sepa zu diesem Zeitpunkt noch nicht weit genug fortgeschritten war.

          Bei Sepa muss man sich an neue Begriffe gewöhnen: An die internationale Kontonummer IBAN (“International Bank Account Number“) und den Bankcode BIC (“Business Identifier Code“). Außerdem müssen bei Überweisungen künftig mehr Kästchen ausgefüllt werden als bisher. Statt der inländischen Kontonummer mit meist zehn Stellen ist die IBAN einzutragen, deren Länge von Land zu Land unterschiedlich ist. In Deutschland hat die IBAN 22 Stellen. Sie beginnt mit dem Ländercode (für Deutschland: DE) und einer zweistelligen Prüfziffer. Danach folgt eine nationale Komponente, in Deutschland sind das die bisherige Bankleitzahl und die bisherige Kontonummer des Kunden.

          Der BIC ersetzt die Bankleitzahl. Statt Zahlen gibt es eine Buchstabenfolge, die die Zielbank eindeutig identifiziert. Der Code, manchmal auch SWIFT-Code genannt, besteht aus acht bzw. elf Zeichen. Allerdings ist die alte Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten. Deshalb soll der BIC ab Februar 2016 auch bei Zahlungen ins Ausland entfallen.

          Privatkunden müssen zunächst nicht aktiv werden. Kreditinstitute stellen Daueraufträge automatisch um. Einzugsermächtigungen zum Beispiel von Energieversorgern oder Vereinen behalten ihre Gültigkeit. Verbraucher werden von ihnen über die Umstellung auf Sepa-Lastschrift informiert. Verbraucherschützer raten aber, die in dem Informationsschreiben angegebene IBAN auf Richtigkeit zu prüfen.

          Weitere Themen

          Euro auf Zweijahreshoch

          Devisenmarkt : Euro auf Zweijahreshoch

          Die amerikanische Währung kann nicht von der Corona-Krise profitieren. Das Gegenteil ist der Fall: Der Euro ist so viel wert wie seit April 2018 nicht mehr.

          Topmeldungen

          Hinter Glas: Ministerpräsident Reiner Haseloff am Dienstag im Landtag

          Krach wegen Rundfunkbeitrag : Die CDU sitzt in der Klemme

          Der Magdeburger Streit über den Rundfunkbeitrag wächst sich zu einem politischen Beben aus, das nicht nur das Kenia-Bündnis in Sachsen-Anhalt zerstören könnte. Auch der Koalitionsfrieden in Berlin ist in Gefahr.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

          Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

          Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.