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Schicke Outdoor-Möbel : Wohnzimmer im Garten

  • -Aktualisiert am

Bild: Dedon

Unsere Gartenmöbel werden schicker, bequemer und teurer. Manche zahlen dafür mehr als für die gute Stube.

          5 Min.

          Eigentlich fehlt jetzt nur noch der künstliche Kaminsims mit dem wasserfesten Bärenfell davor, dann ist die Wohnzimmereinrichtung komplett. Aber vielleicht haben ihn die Hersteller ja schon im kommenden Jahr in ihrem Programm.

          Momentan jedenfalls gibt es fast nichts, was es bei den Möbelbauern noch nicht gibt: Loungige Sofalandschaften, poppige Beistelltische und flauschige Teppiche werden zurzeit hunderttausendfach verkauft. Die Deutschen richten sich neu ein - aber nicht drinnen, sondern draußen. Seit sie Balkon und Garten als Ruheraum und Naherholungsbereich entdeckt haben, trimmen sie ihre Outdoorbereiche regelrecht zum „grünen Wohnzimmer“ und kaufen Gartenmöbel, die immer gemütlicher und trendiger werden. Und immer teurer. Wie viel Geld die Kunden derzeit in die Open-Air-Ausstattung investieren, erstaunt selbst hartgesottene Einrichtungsberater.

          Für Outdoor-Loungelandschaften zahlen viele Gartenbesitzer inzwischen mehr als für jedes Designersofa, bei 6000 Euro fängt da die Gemütlichkeit oft erst an. Unter dem Zwei-Meter-Esstisch, der locker 1000 Euro kosten kann, machen es viele Draußenesser nicht mehr und rücken sogar noch Stuhlklassiker von Eames oder Kartell heran. Und für gemeinsame „Cooking-Events“ rollen sie sogar voll ausgestattete Küchen mit Gasherd und Spüle auf die Terrasse. Inzwischen geben die Deutschen genauso viel für ihren Garten und dessen Möblierung aus wie für ihre Wohnung, rund 200 Euro pro Kopf und Jahr, hat die Handelsberatung BBE ermittelt. Jeder Dritte besitzt schließlich sogar einen Garten, der mehr als 500 Quadratmeter hat, da lässt sich einiges unterbringen. Aber auch fünf Millionen Balkon- und Kleinstgartenbesitzer lassen sich ihren Grünraum ganz schön was kosten. Zusammengenommen investieren wir Bundesbürger rund 16 Milliarden Euro in den grünen Bereich. Am rasantesten wächst dabei der Bereich „Garden Living“, wie Gartenmöbel heute im Marketingsprech heißen, er legte von 2006 bis 2011 um 22 Prozent zu und wächst seitdem mit zweistelligen Steigerungsraten pro Jahr.

          „Draußen ist das neue Drinnen“, so fasst es Oliver Nickel zusammen, der als Trendscout für den Industrieverband Garten unterwegs ist und beobachtet, was sich hinter deutschen Hecken abspielt: „Ich bin überrascht, was da alles passiert. Wir verlagern unseren Lebensraum zunehmend in den Garten und umgeben uns dort mit immer mehr Dingen und Zierelementen, die aus dem Wohnkontext kommen.“

          Kronleuchter mit LED-Lampen, „Spaghettistuhl“ und Trendmaterial Beton

          Auf den Holz- oder Steindielen unserer Lieblingsplätze räkeln sich neuerdings flauschige Teppiche in grellen Farben, um uns die Füße warm zu halten. Sie sind ebenso wasserfest wie lichtbeständig. Wir hängen rund um Sitz- und Essgruppen nun auf Leinwand gezogene Bilder auf, die eine UV-Schutz-Beschichtung haben. Wir dekorieren Sitzgruppen üppig mit Kissen - in diesem Jahr übrigens bevorzugt in der Farbe „Bunt“ und mit Streifenmuster. Und selbst der Kronleuchter kommt in diesem Jahr wieder ganz groß raus: Er baumelt jetzt, mit LED-Lampen bestückt, am Terrassenbalken und erleuchtet jedes abendliche Outdoor-Mahl. Das ist laut Herstellern der neueste Schrei.

          Die Materialien, die man in den Katalogen der Möbelbauer und auch in den Baumärkten findet, werden dabei immer edler. Der gute alte Plastikstuhl hat längst ausgedient. Er landet höchstens auf Terrasse oder Balkon, wenn er als moderne Anlehnung an einen beliebten Klassiker daherkommt: als „Spaghettistuhl“. So nennen Einrichter das Sitzmöbel aus Metall, dessen Sitz und Lehne mit Plastikschnüren bespannt sind. Dieses Modell feiert schon seit dem vergangenen Jahr sein Comeback als gemütliches Retromöbel. „Und es findet auch jetzt im Frühjahr schon wieder reißenden Absatz“, sagt Ingrid Weber vom Möbelversender Ikarus. Noch gefragter aber sind Sitzgarnituren aus hochwertigen Hölzern, Teak ist in diesem Jahr wieder der Renner der Saison. Oder Kombinationen aus Edelstahl und Holz, „die symbolisieren einerseits Kühle und Langlebigkeit und andererseits Charakter, weil das Holz durch die Verwitterung an Charme gewinnt“, sagt Andreas Wallbillich, Gartenexperte der Messe Stuttgart.

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