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Rat vom Wirtschaftspsychologen : Wie soll man sich da bloß entscheiden?

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Bei Autowerbung bin ich tatsächlich erstaunt, wie sehr das Gefühl betont wird. Man sieht Autos durch Landschaften fahren, da wird ein Lebensgefühl vermittelt - dabei ist es ein technisches Produkt, aus Blech. Für viele hat es eine sehr emotionale Komponente, schließen wir daraus. Es symbolisiert aber auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht.

Wie sehr bestimmen unsere Freunde, was wir kaufen?

Wir holen uns bei ihnen Rat und greifen auf ihre Erfahrungen zurück. Wir können ihr Verhalten auch kopieren, das ist eine Strategie, die man in vielen Bereichen beobachten kann: bei Mode, Smartphones, Marken.

Spielt das Soziale auch beim Essen eine Rolle?

Essen hat eine sehr soziale Komponente. Wenn wir mit anderen Leuten essen, hängt unser Konsum davon ab, was die anderen essen und wie viel. Sitzen wir mit jemandem zusammen, der viel isst, essen wir wahrscheinlich auch viel. Es sei denn, der andere ist extrem übergewichtig. Wir wollen schließlich nicht das Verhalten von jemandem kopieren, den wir nicht als vorbildhaft empfinden.

Zügelt man sich vor anderen nicht auch, weil man sich kontrolliert fühlt?

Man findet das, wenn Frauen ein Date mit Männern haben. Dann essen sie oft weniger oder bestellen sich nur einen Salat. Der Grund scheint zu sein, dass es als attraktiv angesehen wird, wenn Frauen wenig essen. Das ist sehr makaber, aber dazu gibt es Studien.

Glauben Frauen wirklich, dass das bei Männern besser ankommt?

Ob man dadurch als Frau wirklich seine Attraktivität steigert, weiß ich nicht. Aber zumindest scheinen Leute das zu glauben. Nichtsdestoweniger gilt: Wenn wir in einer Gruppe essen, essen wir oft mehr. Das Essen dauert länger, man redet und hat mehr Zeit, zu konsumieren.

Und was ist mit dem Sättigungseffekt?

Das ist eine spannende Frage: Wie entscheiden wir, dass wir aufhören zu essen? Unser Körper wertet dabei Schluckbewegungen aus, die Speichelmenge, die Dehnung des Magens. Selbst wenn wir Wattebällchen essen, spüren wir ein Sättigungsgefühl. Wichtig ist auch, wie viel Essen ich vor mir sehe: Erscheint die Portion groß, weil der Teller klein war, oder die Dekoration üppig, bin ich früher satt. Umgekehrt kann man Menschen sehr viel größere Portionen unterschmuggeln, wenn sie nichts sehen, wenn sie etwa im Dunkeln essen.

Also Vorsicht beim Candlelightdinner! Und kleinere Teller kaufen.

Genau, der Effekt mit den kleinen Tellern funktioniert sogar über einen längeren Zeitraum.

Apropos Zeitraum: Sie haben herausgefunden, dass Paare weniger gut ihre Konsumvorlieben einschätzen, je länger sie zusammenleben.

Wir haben junge und alte Paare untersucht. Wir können daher nicht ausschließen, dass es ein Generationeneffekt ist, dass sich also jüngere Paare besser kennen als ältere, weil Paare heutzutage mehr Zeit miteinander verbringen. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass sich Personen zu Beginn ihrer Beziehung sehr füreinander interessieren - aber das Wissen über die Jahre abnimmt. Die Präferenzen ändern sich, aber der Partner bekommt es nicht mit.

Spielt Selbstüberschätzung da eine Rolle?

Interessant war, dass alle Paare meinten, den Partner gut zu kennen. Die älteren noch stärker als die jüngeren. Manche kennen sich tatsächlich gut, andere befinden sich fast auf Zufallsniveau - aber alle überschätzen sich.

Das Gespräch führte Nadine Oberhuber.

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