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Teuerung : Der Mindestlohn treibt die Preise

Im Wartestand: Taxifahrer am Hauptbahnhof. Ihr Service ist offenbar besser, als oft behauptet wird. Bild: dpa

Der Mindestlohn kommt, die Preise steigen. FAZ.NET hat Daten des Statistischen Bundesamtes ausgewertet - und zeigt, was jetzt teuer wird.

          An Silvester kostete eine Taxifahrt vom Leipziger Völkerschlacht-Denkmal zum Hauptbahnhof noch 12,70 Euro. Heute sind es schon 15,70 Euro. Das liegt am neuen Mindestlohn. Zwar bekommen die Taxis heftige Konkurrenz vom Mitfahrdienst Uber. Und ihre Kosten fürs Benzin sinken. Doch der Mindestlohn hat angestellten Taxifahrern eine kräftige Lohnerhöhung beschert – und die Stadt hat deshalb die Taxipreise um ein Viertel angehoben.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Leipzig steht damit in Deutschland nicht alleine da. Die F.A.Z. hat Preisdaten des Statistischen Bundesamts ausgewertet - und die sind deutlich. In den Jahren seit 1992 sind die Taxitarife jeden Januar durchschnittlich um 0,4 Prozent angestiegen. Dieses Jahr allerdings schossen die Preise um 5,2 Prozent in die Höhe.

          Dabei kommen gar nicht alle Preiserhöhungen pünktlich zum 1. Januar. Schon in den Monaten zuvor waren die Taxitarife deutlich teurer geworden, obwohl die Preise in Deutschland derzeit allgemein sinken. Insgesamt wurden Taxis im Jahresvergleich um 7,9 Prozent teurer. Einige Städte wie Frankfurt haben die Tariferhöhungen noch vor sich.

          Nicht in allen Branchen ist die Preiserhöhung so deutlich wie bei den Taxis. Doch die Verbraucher müssen seit Jahresbeginn auch für andere Dienstleistungen spürbar mehr bezahlen, wenn der Mindestlohn greift – vor allem in Ostdeutschland.

          • Haushaltshilfen, zum Beispiel Putzfrauen, wurden zum Beispiel im Januar deutschlandweit ungefähr doppelt so schnell teurer wie in den 20 vorangegangenen Januar-Monaten.
          • Wäschereien verlangen deutlich mehr für Hemden oder Blusen, die zum Waschen und Bügeln kommen.
          • Kosmetik-Behandlungen sind im Januar ebenfalls doppelt so schnell teurer geworden wie sonst.
          • Bäcker haben ihre Preise auch auffallend schnell erhöht.

          Nicht in allen Branchen kommen die Preiserhöhungen pünktlich zum 1. Januar – doch oft steigen die Preise trotzdem. Das fällt in diesem Jahr besonders auf, weil die Verbraucherpreise insgesamt während der vergangenen zwölf Monate sogar leicht gesunken sind.

          • Friseure zum Beispiel führen den Mindestlohn nicht zum 1. Januar ein. Sie haben einen eigenen Tarifvertrag abgeschlossen, weshalb ihre Löhne Anfang August 2014 in einem ersten Schritt gestiegen sind und im August 2015 um einen weiteren Schritt zulegen. Über das Jahr gerechnet, summieren sich die Preiserhöhungen der Friseure bundesweit auch auf rund drei Prozent.
          • Hotel-Übernachtungen werden ebenfalls um mehr als drei Prozent teurer.
          • Restaurants und Kneipen haben im vergangenen Jahr die Preise ebenfalls überdurchschnittlich angehoben. Fleischgerichte kosten jetzt 2,5 Prozent mehr.

          Arbeitgeber klagen oft darüber, dass die Kontrollen bürokratisch seien. Dagegen hat sich am Wochenende der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, gewandt. „Bürokratisch heißt auch rechtsstaatlich. Das darf man nicht vergessen“, sagte er. Nach einem halben Jahr könne die Politik die Regeln prüfen: „In diesem Rechtssystem wird man bestimmt Dinge in der Praxis finden, wo man sagt: Man kann die gute Absicht anders lösen.“

          Die Arbeitsagentur habe bislang keine größeren Arbeitsplatz-Verluste bemerkt, sagte Weise. Experten hatten nicht so sehr befürchtet, dass sofort Leute entlassen werden. Stattdessen fürchten sie, dass nach der Einführung des Mindestlohns weniger neue Stellen geschaffen werden und der Arbeitsplatz-Verlust schleichend kommt.

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