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Luftfahrt : Wie billig sind die Billigflieger?

Easyjet: eröffnet bald in Hamburg ihr zweites Drehkreuz in Deutschland Bild: AFP

Neue Billig-Fluggesellschaften kommen nach Deutschland. Mit mehr Anflugzielen und zentralen Flughäfen bringen sie die Preise unter Druck. Wer fliegt am günstigsten? Ein Preisvergleich.

          Das Flugzeug von Easyjet ist schon mit einem Spezialdesign lackiert, am Montag wird es seinen großen Auftritt haben. Dann wird es in Hamburg landen und traditionell mit Wasserfontänen der Flughafenfeuerwehr begrüßt. Es markiert einen Einschnitt für den Hamburger Flughafen, Deutschlands fünftgrößten Airport. Denn Easyjet, die bedeutendste Billigfluglinie zusammen mit Ryanair, eröffnet in der Hansestadt ihr zweites Drehkreuz in Deutschland.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Statt sechs Zielen fliegen die orange-weißen Maschinen künftig 17 Ziele an, die meisten schon von Montag und von April an und fast alle in den Süden, darunter Palma, Venedig, Neapel oder Split. Im Juni folgt noch Ibiza. Damit wird Hamburg immer mehr zu einem Ziel der Billigflieger. Denn schon im Herbst hatte der skandinavische Luftdiscounter Norwegian Strecken nach Spanien eröffnet.

          Der stärkere Wettbewerb bringt die Preise unter Druck

          Hinzu kommt die katalanische Vueling, die zur Iberia/British-Airways-Gruppe gehört. Sie fliegt nach Málaga und zum Drehkreuz Barcelona, über das sie Anschlussflüge in den ganzen Mittelmeerraum anbietet. Für die Passagiere heißt das: Nicht immer nur Germanwings und Lufthansa sowie Air Berlin stehen jetzt zur Auswahl. Und: Der stärkere Wettbewerb bringt die Preise unter Druck (siehe Grafik).

          Hamburg steht stellvertretend für das wachsende Interesse der europäischen Billigflieger an Deutschland. Norwegian startete im vergangenen Jahr auch Strecken von Berlin, Köln und München nach Spanien und Skandinavien. Vueling (vom spanischen vuelo = Flug und flying) plant für dieses Jahr weitere Strecken aus Deutschland heraus: im April von Leipzig nach Barcelona, von Juni an auch von Berlin nach Rom und von München zu drei Mittelmeerzielen.

          Billigflieger im Preisvergleich

          Schon jetzt fliegt Vueling zehn deutsche Städte an. Nur Ryanair expandiert derzeit in Deutschland kaum, ist aber auch schon stark vertreten. Die Expansion von Easyjet und Co. nach Deutschland bedeutet auch, dass die Passagiere zunehmend auch von großen Flughäfen günstige Tickets bekommen. Vor allem Köln, Berlin, Hamburg und eingeschränkt auch München sind zu Zentren der Billigflieger geworden. Die Leute müssen nicht mehr wie in den Anfangsjahren der Billigfliegerei aufs Land fahren, um auf Provinzflughäfen die Ryanair-Maschinen zu besteigen.

          Solch ein Ausflug lohnt sich nur noch für die, die sowieso weitab der Großstädte wohnen oder denen die Preise der Billigflieger immer noch zu teuer sind. Denn Ryanair bleibt der günstigste Anbieter. Und für die, die in der Rhein-Main-Region wohnen. Denn der Frankfurter Flughafen profitiert überhaupt nicht von den günstigen Anbietern aus dem Ausland. Denn dort fliegt schon der Ferienflieger Condor. Und Lufthansa hat hier ihr Drehkreuz. Einen Angriff der Billigflieger in Frankfurt würde sie mit Preisattacken kontern.

          „Deutschland ist ein vergleichsweise teures Flugland“

          Das merkt derzeit Vueling, die von Frankfurt einen Flug nach Barcelona anbietet. Die Strecke sei höchst umkämpft und habe eine kleine Gewinnmarge, räumen die Spanier ein. Denn um ihre Langstreckenflüge mit Passagieren zu füttern, subventioniert die Lufthansa zur Not auch ihre Zubringerflüge, um ja keinen Fluggast zu verlieren.

          An den übrigen Flughäfen sieht die Kostenrechnung hingegen anders aus. Dort profitieren die Billigflieger von dem Sparprogramm der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaft Germanwings und von den finanziellen Problemen von Air Berlin. Die hat in den vergangenen sechs Jahren fünfmal Verluste eingeflogen. Jetzt wird über weitere Finanzspritzen des Haupteigners Etihad, einen Rückzug von der Börse und möglicherweise eine Fusion mit anderen Etihad-Beteiligungen in Europa spekuliert.

          „Die deutschen Fluggesellschaften haben derzeit nicht die Finanzkraft, um mit niedrigen Preisen Konkurrenten abzuwehren“, sagt Christoph Brützel, Luftverkehrsexperte an der Hochschule IUBH School of Business and Management in Bad Honnef. „Deutschland ist daher ein vergleichsweise teures Flugland, was den Billigfliegern Angriffsmöglichkeiten bietet.“ Gut für Passagiere.

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