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Leben ohne tierische Produkte : Hilfe, ich werde Veganer!

  • Aktualisiert am

Ganz so karg muss ein veganer Kühlschrank nicht aussehen. Bild: Ron Fehling/Masterfile

Wie fühlt es sich an, auf tierische Produkte zu verzichten? Und wo kauft man dann am besten ein? Nadine Oberhuber hat es eine Woche lang getestet.

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          An diesem Morgen bleibt der Kaffee schwarz. Normalerweise geht Kaffee ohne Milch gar nicht, aber diese Woche ist nichts normal. Zumindest nicht meine Ernährung. Auch sonst ändert sich mein Leben schlagartig, denn ich bin ab heute ein Veganer. Denn ich möchte wissen, wie es sich anfühlt, wenn man komplett auf tierische Produkte verzichtet. Wenn man noch radikaler lebt, als jeder Vegetarier es tut, weil man nicht nur Fleisch und Fisch weglässt, sondern auch Butter, alle Milchprodukte und Eier. Wenn man so lebt, dass kein Tier zu Schaden kommt. Das tun laut Schätzungen bereits 700.000 Menschen in diesem Land. Die Zahl der Veganer wächst, die meisten davon rekrutieren sich aus den Vegetariern, von denen jeder zehnte irgendwann alles Tierische weglässt. Ich bin jetzt einer von ihnen.

          Dafür musste ich mir Mut anessen, das gebe ich zu: Am letzten Tag meines fleischfressenden Lebens habe ich mir eine Brotzeit bereitet, mit Kaminwurzen und Bergkäse und danach meinen Lieblingsjoghurt gelöffelt. Die Hälfte dessen, was in meinem Kühlschrank steht, kann ich ab heute nicht mehr essen. Wie das gehen soll, ist mir nicht klar. Ohne Käsebrot überstehe ich normalerweise keinen Tag. Joghurt ist mein Lebenselixier - und Kaffee ohne Milch? Meine Freunde fragen vorsorglich: „An wen sollen wir die Beileidsschreiben richten, falls du es nicht überlebst?“ Zu allem Überfluss rät meine Zahnärztin noch: „Essen Sie heute sehr viel Kalzium.“ Die hat gut reden, wie macht man das denn ohne Milch?

          Natürlich ist Kalzium auch im Gemüse. Mit 1,5 Kilo Sojabohnen könnte ich meinen Tagesbedarf decken oder mit 600 Gramm Grünkohl. Den aber brachte ich schon als Nichtveganer nicht hinunter. Mit Körnern und Nüssen geht es alternativ auch, also kaufe ich Vollkornbrot und hole einen Sack voller Obst und Grünzeug beim Gemüsemann und Humus, Kichererbensenmus. Das ist der einzige Brotaufstrich, der mir unter den Bärlauch- und Artischockenpasten als frischkäsefrei bleibt. Den Rest des Tages verbringe ich damit, zu sammeln, was ich aus meinem Leben streichen muss.

          Der Hunger und die richtige Haltung

          Es sind längst nicht nur Lebensmittel, auf die Veganer verzichten, klärt mich das Lexikon auf: „Vegan“ bedeutete für den Gründer der Bewegung, Donald Watson, „rein pflanzlich“, also sind alle Tierprodukte tabu: Ledergürtel und vor allem Lederschuhe fallen ab jetzt weg, was mir bleibt, sind Stoffsneaker. „Ein bisschen vegan“ gibt es ebenso wenig wie „ein bisschen schwanger“, deshalb ist auch jegliche Wolle vom Tier verpönt, das dünnt gerade im Winter die Garderobe ziemlich aus: Strickschals und Kuschelpullover bleiben im Schrank, ich trage jetzt Strickjacken aus Viscose und Polyamid und zwar gleich zwei übereinander. Beim Skifahren werde ich demnächst ganz schön bibbern, wenn die Merinounterwäsche wegfällt. Ach ja, auch die Daunendecke muss ich wohl aussortieren. Doch an dem Punkt kneife ich: Nächtliches Frieren erweckt die Gans, die für mich ihre Federn ließ, auch nicht mehr zum Leben.

          Was kosten vegane Lebensmittel?
          Was kosten vegane Lebensmittel? : Bild: F.A.Z.

          Die anderen werde ich vor eine ganz schöne Herausforderung stellen, denn ich bin diese Woche zum Essen eingeladen. Selbst ein Sellerieschnitzel könnte ich nur dann essen, wenn es unpaniert und ohne Soße daherkäme. Es gibt in meinem Bekanntenkreis auch einen Lactoseintoleranten und einen Hühnereiweißallergiker. Ich bin diese Woche quasi alles auf einmal.

          Im Internet recherchiere ich, wie sich andere damit fühlen: Angeblich ist „vegan Kochen nicht umständlicher“. Dutzende Kochbücher versprechen sogar, dass es künftig selbst Spekulatiuskuchen, Spaghetti Bolognese und Quiche Lorraine für mich gibt. Ich aber habe Hunger - und einfach noch nicht die richtige Haltung. Bisher denke ich nur ans Essen und daran, was ich alles weglassen muss. Vegan zu leben ist dagegen eine Lebenseinstellung, bei der man sich „über das freut, was man Neues hinzubekommt“, klären mich erfahrene Vegan-Blogger auf. Keiner sagt, dass ich bloß von Gemüse leben soll. Es gibt für Käse, Milch, Wurst und Honig genügend Ersatzprodukte wie Sojamilch, Tofu, Seitan und Agavendicksaft, angeblich besser als das Original. Der nächste Tag steht im Zeichen eines fünfstündigen Großeinkaufs. Den trete ich an, nachdem ich einschlägige Foren durchkämme (wie vegan-sein.de): Wo bekomme ich was am besten? Und wie weit muss ich radeln, um meinen Hunger nach Käse und Milch zu stillen? Fast alle Produkte, nach denen es mich gelüstet, gibt es im Reformhaus, natürlich im Biosupermarkt und sogar in der Drogerie, staune ich. Selbst mein Standardsupermarkt führt Sojamilch, Pudding und Brotaufstriche, habe ich bereits gesehen. Neuerdings gibt es auch einen veganen Supermarkt bei uns, doch der liegt am anderen Ende der Stadt.

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