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Rauschgifthandel : Kokain aus dem Netz

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Versteckt in Dekoartikeln: die anonyme Drogenbestellung im Internet schafft eine neue Käuferschicht Bild: picture-alliance/ dpa

Auf konspirativen Internetseiten werden mit illegalen Drogen Milliarden umgesetzt. Damit eröffnet sich der Drogenmarkt einen neuen Kundenstamm. Von der Polizei lassen sich die Dealer kaum beeindrucken.

          6 Min.

          Ein Nachmittag in einer deutschen Universitätsstadt kurz vor Beginn der Prüfungszeit. Clara, die in Wirklichkeit anders heißt, macht sich Sorgen: Sie ist mit ihrer Prüfungsvorbereitung noch längst nicht weit genug. Wenn sie bis zu den Klausuren nicht ununterbrochen lernt, hat sie keine Chance mehr zu bestehen. Wie soll sie das schaffen?

          Clara recherchiert im Internet. Dort schwärmen Leute von einem Medikament, das helfen soll, sich stundenlang zu konzentrieren, ohne müde zu werden. Genau das Richtige, denkt Clara. Sie sucht weiter: Das Medikament wird zur Behandlung von ADHS eingesetzt. In Deutschland ist es nicht auf dem Markt, in anderen Ländern darf es nur ein Arzt verschreiben. Clara stört das nicht. Sie schließt ihren Internetbrowser und öffnet ein Programm, das im Netz ihre Spuren verwischt. Mit wenigen Mausklicks hat sie bestellt, was sie haben möchte. Ein paar Tage später liegt ein unauffälliger wattierter Umschlag in ihrem Briefkasten.

          Die Internetseite, auf der Clara ihre Aufputschmittel bestellt, heißt Silk Road - wie die Seidenstraße, auf der früher Gewürze, Stoffe und andere edle Handelsgüter von Asien nach Europa befördert wurden. Auf der modernen Version der Seidenstraße gibt es nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch Tausende Angebote für Marihuana, Kokain, Methamphetamin und alle möglichen anderen illegalen Drogen. Außerdem Bücher, Zubehör oder Bastelanleitungen für Hasch-Pfeifen. Nur Waffen und Kinderpornographie sind nicht zugelassen.

          Silk Road – die Seidenstraße des Deep Web

          Abgesehen davon, dass nahezu alle Produkte illegal sind, funktionieren Silk Road und ähnliche Plattformen genau wie Ebay oder Amazon. Es gibt Produktkategorien - „Shrooms“, „Psychedelics“, „Stimulants“ -, Produktbeschreibungen - „One gram of pure uncut Peruvian cocaine“ - und Kundenbewertungen - „Great quality dope, fair price, swift delivery“. Manche Händler bieten Probierpackungen an oder werben zu Weihnachten mit Rabattaktionen.

          Mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr wurden auf diese Weise zwischen 2011 und 2013 allein auf Silk Road umgesetzt, schätzt das amerikanische FBI, dem es im vergangenen Jahr gelang, die Ursprungsversion der Seite kurzzeitig zu schließen und den mutmaßlichen Betreiber festzunehmen.

          Doch wie groß der Gesamtumsatz auf Silk Road und anderen Seiten tatsächlich ist, weiß niemand so genau. Denn es gibt noch einen weiteren Unterschied zu Amazon: Die Plattformen sind nicht Teil des normalen Internets. Sie gehören zum sogenannten „Deep Web“, dem Bereich, den Suchmaschinen wie Google nicht erfassen können und der um ein Vielfaches größer ist als das sogenannte „Surface Web“, dessen Inhalt die Suchmaschinen indexieren.

          Dekoartikel mit besonderer Füllung

          Um Seiten im Deep Web anzusteuern, braucht man eine spezielle Verschlüsselungssoftware namens „Tor“, die dafür sorgt, dass die Spuren einzelner Nutzer nicht mehr nachvollziehbar sind. „Tor“ ist ein Akronym für „The Onion Router“. Der Dienst heißt so, weil die Anonymisierung nach dem Zwiebel-Prinzip funktioniert: Jede Anfrage eines Nutzers wird über mehrere Server umgeleitet, bis ihr Ursprungsort nicht mehr erkennbar ist.

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