https://www.faz.net/-hsn-7tcvg

Rauschgifthandel : Kokain aus dem Netz

  • -Aktualisiert am

Versteckt in Dekoartikeln: die anonyme Drogenbestellung im Internet schafft eine neue Käuferschicht Bild: picture-alliance/ dpa

Auf konspirativen Internetseiten werden mit illegalen Drogen Milliarden umgesetzt. Damit eröffnet sich der Drogenmarkt einen neuen Kundenstamm. Von der Polizei lassen sich die Dealer kaum beeindrucken.

          Ein Nachmittag in einer deutschen Universitätsstadt kurz vor Beginn der Prüfungszeit. Clara, die in Wirklichkeit anders heißt, macht sich Sorgen: Sie ist mit ihrer Prüfungsvorbereitung noch längst nicht weit genug. Wenn sie bis zu den Klausuren nicht ununterbrochen lernt, hat sie keine Chance mehr zu bestehen. Wie soll sie das schaffen?

          Clara recherchiert im Internet. Dort schwärmen Leute von einem Medikament, das helfen soll, sich stundenlang zu konzentrieren, ohne müde zu werden. Genau das Richtige, denkt Clara. Sie sucht weiter: Das Medikament wird zur Behandlung von ADHS eingesetzt. In Deutschland ist es nicht auf dem Markt, in anderen Ländern darf es nur ein Arzt verschreiben. Clara stört das nicht. Sie schließt ihren Internetbrowser und öffnet ein Programm, das im Netz ihre Spuren verwischt. Mit wenigen Mausklicks hat sie bestellt, was sie haben möchte. Ein paar Tage später liegt ein unauffälliger wattierter Umschlag in ihrem Briefkasten.

          Die Internetseite, auf der Clara ihre Aufputschmittel bestellt, heißt Silk Road - wie die Seidenstraße, auf der früher Gewürze, Stoffe und andere edle Handelsgüter von Asien nach Europa befördert wurden. Auf der modernen Version der Seidenstraße gibt es nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch Tausende Angebote für Marihuana, Kokain, Methamphetamin und alle möglichen anderen illegalen Drogen. Außerdem Bücher, Zubehör oder Bastelanleitungen für Hasch-Pfeifen. Nur Waffen und Kinderpornographie sind nicht zugelassen.

          Silk Road – die Seidenstraße des Deep Web

          Abgesehen davon, dass nahezu alle Produkte illegal sind, funktionieren Silk Road und ähnliche Plattformen genau wie Ebay oder Amazon. Es gibt Produktkategorien - „Shrooms“, „Psychedelics“, „Stimulants“ -, Produktbeschreibungen - „One gram of pure uncut Peruvian cocaine“ - und Kundenbewertungen - „Great quality dope, fair price, swift delivery“. Manche Händler bieten Probierpackungen an oder werben zu Weihnachten mit Rabattaktionen.

          Mehrere hundert Millionen Dollar im Jahr wurden auf diese Weise zwischen 2011 und 2013 allein auf Silk Road umgesetzt, schätzt das amerikanische FBI, dem es im vergangenen Jahr gelang, die Ursprungsversion der Seite kurzzeitig zu schließen und den mutmaßlichen Betreiber festzunehmen.

          Doch wie groß der Gesamtumsatz auf Silk Road und anderen Seiten tatsächlich ist, weiß niemand so genau. Denn es gibt noch einen weiteren Unterschied zu Amazon: Die Plattformen sind nicht Teil des normalen Internets. Sie gehören zum sogenannten „Deep Web“, dem Bereich, den Suchmaschinen wie Google nicht erfassen können und der um ein Vielfaches größer ist als das sogenannte „Surface Web“, dessen Inhalt die Suchmaschinen indexieren.

          Dekoartikel mit besonderer Füllung

          Um Seiten im Deep Web anzusteuern, braucht man eine spezielle Verschlüsselungssoftware namens „Tor“, die dafür sorgt, dass die Spuren einzelner Nutzer nicht mehr nachvollziehbar sind. „Tor“ ist ein Akronym für „The Onion Router“. Der Dienst heißt so, weil die Anonymisierung nach dem Zwiebel-Prinzip funktioniert: Jede Anfrage eines Nutzers wird über mehrere Server umgeleitet, bis ihr Ursprungsort nicht mehr erkennbar ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf der A81 am Hegaublick gilt bereits ein Tempolimit. Mehr als 130 km/h sind nicht erlaubt.

          Pro Tempolimit : Freie Fahrt für die Vernunft

          Die Sachlage ist klar: Wo Geschwindigkeiten begrenzt werden, sinkt die Zahl der Verkehrstoten deutlich. Man muss es leider so drastisch sagen: Für den Kick einer Minderheit in PS-starken Limousinen müssen jedes Jahr Menschen sterben. Ein Kommentar.
          Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

          In Davos : Merkel fordert Reformen für die globale Ordnung

          Die Bundeskanzlerin spricht sich auf dem Weltwirtschaftsforum für eine Stärkung des Multilateralismus aus. Und auch zu Deutschlands Fortschritten in der Digitalisierung findet Merkel klare Worte.

          Debatte über Fahrverbote : „Die Grenzwerte sind sogar noch zu hoch“

          In einer Stellungnahme halten mehr als hundert Lungenärzte die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid für zu niedrig. Sie argumentieren, dass dann ja alle Raucher tot umfallen müssten. Der Physiologe Holger Schulz hält dagegen: Das sei naiv.

          Capital Bra verlässt Label : Um Bushido wird es einsam

          Erfolgsrapper Capital Bra hat angekündigt, das Label von Bushido zu verlassen. Damit verliert Bushido wohl auch den Rückhalt eines kriminellen Familienclans, der ihn nach seinem Streit mit dem Abou-Chaker-Clan beschützt hatte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.