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Rauschgifthandel : Kokain aus dem Netz

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Bei jeder Umleitung kommt eine neue Schicht von Verschlüsselung hinzu; diese Schichten legen sich übereinander wie bei einer Zwiebel. Der Ursprung der Technik ist nicht kriminell. Sie wurde von Forschern der amerikanischen Regierung entwickelt, um die anonyme Nutzung des Internets zu ermöglichen. „Tor“ hilft Journalisten, ihre Quellen zu schützen, und politischen Dissidenten, sich der Verfolgung durch autokratische Regierungen zu entziehen.

Doch den Nutzern der Silk Road ermöglicht der Browser vor allem, ihre illegalen Geschäfte vor der Polizei zu verbergen. Wer auf der Seite Drogen kauft oder anbietet, kann nur schwer enttarnt werden. Die Besucher nutzen Pseudonyme, die Kommunikation zwischen Käufern und Anbietern wird verschlüsselt, und die Dealer verschicken ihre Ware versteckt in Dekoartikeln, in unauffälligen Briefumschlägen und mit falschen Absenderadressen. Ausführliche Kundenbewertungen schützen vor Betrug. Bezahlt wird mit der anonymen Internetwährung Bitcoin.

Rechtliche Graubereiche im Dunkeln – die Fahndung nach den Dealern gestaltet sich schwierig

Bitcoins werden in passwortgeschützten virtuellen Geldbörsen gelagert, ohne mit dem Namen des Besitzers verknüpft zu sein - eine Onlineversion des Nummernkontos. Dadurch lassen sich die kriminellen Geschäfte auch anhand der Geldflüsse kaum nachverfolgen, zumal der Bitcoin-Kurs stark schwankt. Niemand weiß, wie viel Geld die Anbieter wirklich verdienen. Relativ zu den Summen, die mit illegalen Drogen insgesamt umgesetzt werden, fallen die Internetmärkte wohl noch nicht sehr ins Gewicht. Sicher ist nur: Sie werden immer größer. Das Versprechen, anonym zu bleiben, lockt Dealer wie Kunden ins Netz.

Das führende Online-Portal für Drogen Silk Road: Bestellungen im rechtlichen Graubereich

Ermittler, die die Drogenhändler bekämpfen wollen, stehen vor vielen Hürden: Bei den meisten Transaktionen geht es um sehr kleine Mengen. Die Dealer bleiben im Dunkeln, Sendungen lassen sich kaum zurückverfolgen, und wie man diejenigen belangen kann, die Infrastruktur und Bezahlsysteme zur Verfügung stellen, ist rechtlich ungeklärt.

Zur Festnahme kam es zwischen Science-Fiction-Romanen

Völlig sicher können sich die Kriminellen trotzdem nicht fühlen: In Deutschland verhaftete die Polizei vergangenen Sommer in Bayern einen jungen Mann, der als einer der größten Anbieter auf der Seite galt. Er muss sich mittlerweile vor Gericht verantworten. Ein paar Monate später nahm das amerikanische FBI dann den mutmaßlichen Gründer und Betreiber der ersten Silk-Road-Seite fest. Der 29 Jahre alte Amerikaner Ross Ulbricht, im Netz bekannt als „Dread Pirate Roberts“, hatte die Silk-Road-Seite offenbar im Jahr 2011 ins Netz gestellt und knapp zweieinhalb Jahre lang bei jedem Drogendeal eine Provision kassiert.

Die FBI-Agenten erwischten ihn schließlich in der Science-Fiction-Abteilung einer öffentlichen Bibliothek in San Francisco, beschlagnahmten seinen Computer und Bitcoins im Wert von mehr als 20 Millionen Dollar und legten die ursprüngliche Silk-Road-Seite lahm. Beides gelang, weil die mutmaßlichen Täter abseits der verschlüsselten Seiten Fehler machten: Ulbricht hinterließ in einem normalen Internetforum seine persönliche E-Mail-Adresse. Der deutsche Händler flog auf, weil eines seiner Drogenpäckchen an der falschen Adresse landete.

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