https://www.faz.net/-hsn-7tb92

Google, Amazon und Co. : Der Wettlauf der Boten-Drohnen hat begonnen

  • Aktualisiert am

Auch die Deutsche Post testete im Dezember 2013 vor ihrer Bonner Zentrale, wie sich per Drohne Medikamente aus einer Apotheke zustellen lassen. Bild: dpa

Heute kann man sich das kaum vorstellen: Surrende Scharen kleiner Drohnen, die in der Luft als Roboter-Boten unterwegs sind. Doch die Internet-Schwergewichte meinen es offenbar ernst.

          Am Himmel könnte es in der Zukunft ziemlich eng werden: Die Internet-Riesen Google und Amazon entwickeln Roboter-Drohnen zur Paketzustellung. Die Vision sei, irgendwann alles mögliche innerhalb von ein bis zwei Minuten aus der Luft zu liefern, verkündet der Chef des Forschungslabors Google X, Astro Teller. Wenn zwei solche Schwergewichte ihren Hut in den Ring werfen, kann man die Bewegung nicht mehr ignorieren. Ob man es sich heute vorstellen kann oder nicht: Eine Zukunft mit abertausenden Boten-Drohnen in der Luft kann nicht mehr als bloße Science-Fiction-Spinnerei von milliardenschweren Internet-Nerds abgetan werden.

          Noch sind viele Fragen völlig offen. Kann sich die Einzel-Zustellung aus der Luft wirtschaftlich rechnen? Wie sollen neue Regeln zur Steuerung des automatisierten Verkehrs am Himmel aussehen? Was ist mit Risiken durch mögliche Abstürze, Zusammenstöße oder einfach nur elektromagnetische Störungen durch die kleinen Flugobjekte? Wie kann man die Lufttransporte gegen Diebstahl oder gar Sabotage schützen? Es werde Jahre dauern, bis die technischen und rechtlichen Probleme gelöst sind, räumen auch die Unternehmen ein. Aber Google und Amazon haben auch eine erhebliche politische Durchschlagskraft.

          „Wir denken, dass Geschwindigkeit entscheidend ist, um das Konsumverhalten von Menschen grundlegend zu verändern“, sagte Google-X-Chef Teller der „Berliner Zeitung“. Aus seinen Laboren stammten Projekte wie die Datenbrille Google Glass oder die riesigen Ballons des „Project Loon“, die Internet in entlegene Gebiete bringen sollen. Google-Mitgründer Sergey Brin war eine treibende Kraft hinter dem Drohnen-Projekt, erzählte Teller der Website „The Atlantic“.

          Internet-Dienstleistungen revolutionieren etablierte Logistik-Wege

          Schon als Amazon im Dezember überraschend sein Drohnen-Projekt vorstellte, fiel ein Unterschied zwischen der Skepsis in den Medien und der konzentrierten Aufmerksamkeit in betroffenen Branchen auf. Die Deutsche Post testete auf einmal vor ihrer Bonner Zentrale, wie sich per Drohne Medikamente aus einer Apotheke zustellen lassen. Die amerikanische Pizza-Kette Domino’s zeigte schon vorher, dass sich Pizza mit einem „DomiCopter“ liefern ließe. Und ein New Yorker filmte, wie sich sein Hund von einer Drohne ausführen lässt.

          Natürlich ist es ist deutlich einfacher, die Drohen wie jetzt im Fall von Google über einem leeren Acker im weitläufigen Queensland in Australien ihre Runden drehen zu lassen als im dicht besiedelten Queensland New York. Aber die Beteiligten zeigen sich überzeugt, dass alle Hindernisse überwunden werden können. Zunächst solle in einer kleinen Stadt gezeigt werden, dass das System funktioniere und sicher sei, sagte Teller der „Berliner Zeitung“. Die Überlegung sei, das Warensortiment dann Schritt um Schritt auszuweiten. Der bekannte Internet-Investor Marc Andreessen regte bereits ein „Drone Valley“ an - eine amerikanische Region solle die Bestimmungen für Drohnen-Flüge drastisch lockern, damit sie dort ausgiebig getestet werden könnten.

          Die Drohnen-Euphorie fällt ohnehin in eine Zeit, in der etablierte Logistik-Wege von neuen Herausforderern aus der Internet-Welt aufgemischt werden. So bewerteten Investoren den Fahrdienst Uber jüngst mit 17 Milliarden Dollar nicht nur so gigantisch hoch, weil er die Taxi-Branche umkrempeln kann. Vielmehr wird Uber zugetraut, seine Plattform auch auf die Logistik auszuweiten. „Wenn sie ein Auto in fünf Minuten an einen bestimmten Ort liefern können, können sie alles dorthin liefern“, sagt Uber-Chef Travis Kalanick. Seit ein paar Tagen testet seine Firma in Kalifornien das Angebot UberFresh, bei dem frisches Essen binnen zehn Minuten geliefert wird. Und in San Francisco vermittelt das Startup Postmates frei nach dem Uber-Prinzip Kurierdienste durch jedermann über eine Online-Plattform.

          „Die Logistikbranche sollte die Programme zur Paketzustellung per Drohne von Google und Amazon sehr ernst nehmen“, warnte Professor Peter Russo, Leiter des Instituts für Transformationen in Wirtschaft und Gesellschaft an der European Business School in der „Berliner Zeitung“ (Samstag). „Im Logistikbereich sind die etablierten Unternehmen zu sehr auf die Optimierung ihre bisherigen Geschäftsmodelle fixiert, anstatt darüber nachzudenken, wie der Bereich unter der Nutzung neuer Technologien grundsätzlich deutlich effizienter organisiert werden könnte.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson im Januar während einer Rede in Dublin

          Sorgen in der Wirtschaft : Zittern vor Boris Johnson

          Der Hardliner ist in Großbritannien der Favorit für die Nachfolge von Theresa May. Das lässt Unternehmen bangen: Er strebt einen No-Deal-Brexit an – ohne Rücksicht auf Verluste.
          „Seit über 25 Jahren packen wir einmal im Jahr das gesamte Spielzeug für acht Wochen in den Keller“, berichtet Kita-Leiterin Elfriede Reissmüller, „und die Kinder werden aufgefordert, ihre Phantasie und Kreativität verstärkt einzusetzen.“

          Kita ohne Spielzeug : Weg mit den Bauklötzen!

          Eine Kita ohne Spielzeug – klingt widersinnig. Tatsächlich aber kann die fehlende Ablenkung Wunder wirken und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben ausbilden.
          Ende Oktober 2018 steht Damian Boeselager, einer der Gründer der proeuropäischen Partei Volt, in Amsterdam bei einer Kundgebung auf der Bühne

          Kleinpartei vor Europawahl : Viel ge-Volt

          Große Versprechen, großer Idealismus: Volt ist proeuropäisch und tritt in acht Ländern zur Europawahl an. Wer ist die Kleinpartei, die es erreichte, dass der „Wahl-O-Mat“ kurzzeitig offline ging?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.