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Onlinehandel : Die neuen Regeln fürs Bestellen im Internet

  • Aktualisiert am

Zalando, Amazon und Co. werden trotz der neuen Regeln wohl auch in Zukunft auf Rücksendegebühren verzichten. Bild: dapd

Von heute an gelten für Europas Konsumenten neue Regeln für den Kauf im Internet, im Katalog oder an der Haustür. Können Versandhändler jetzt Rücksendegebühren verlangen? Wie widerruft der Kunde seinen Einkauf? Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick.

          Wenn Kunden online Schuhe bestellen oder in der Fußgängerzone bei einem Stromanbieter unterschreiben, schließen sie einen Vertrag - dabei sind vielen die genauen Konditionen nicht immer ganz klar. Um Verbraucher bei einer Reihe von Kaufvereinbarungen besser vor versteckten Kosten und Klauseln zu schützen, greifen von diesem Freitag an neue gesetzliche Regeln.

          Unter anderem dürfen Händler den Kunden jetzt auch bei Bestellungen mit einem Warenwert von mehr als 40 Euro die Kosten für die Rücksendung in Rechnung stellen. Bisher war dies nur bei einem Bestellwert bis zu 40 Euro möglich.

          Online-Händler und ihre Versandkosten im Vergleich.

          Doch die bekanntesten Onlinehändler wie Amazon, Zalando und Otto haben schon angekündigt, dass sie auch weiterhin kein Rückporto verlangen werden. Das gilt ebenfalls für Modeunternehmen wie H&M, Esprit, Peek & Cloppenburg und Anson’s. Sie alle verlangen für die Rücksendung auch bei einem Warenwert von weniger als 40 Euro keine Gebühren.

          Zalando liefert sogar kostenlos. So spendabel zeigt sich unter den Online-Händlern nur noch der Anbieter Fashion ID, über den Peek & Cloppenburg und Anson’s ihre Waren vertreiben. Der Online-Shop ist auch bei der Rückgabefrist mit 60 Tagen im Vergleich zu den Mitbewerbern recht großzügig. Mit 100 Tagen sticht Zalando hier besonders heraus.

          Weitere Neuerungen im Überblick:

          Was wird genau geändert?

          In Kraft tritt jetzt eine EU-Richtlinie von 2011, deren Umsetzung in Deutschland vor einem Jahr beschlossen worden war. Dabei geht es um Vorschriften vor allem für zwei Bereiche: Zum einen um den Kauf von Waren und Dienstleistungen außerhalb von Läden, auch bekannt als „Haustürgeschäfte“. Zum anderen um Angebote im „Fernabsatz“, also Bestellungen per Internet, Telefon und Katalog. „Es wird für alle Beteiligten klarer, dass es sich um Verträge handelt“, sagt der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Gerd Billen. „Und darin müssen bestimmte Dinge wie der Gesamtpreis, die genaue Leistung und Widerrufsmöglichkeiten eindeutig beschrieben werden.“

          Warum gibt es diese besonderen Regeln?

          Wenn Kunden nicht von sich aus in einen Laden gehen, besteht erhöhte Gefahr überrumpelt zu werden. Bei Kaffeefahrten oder Werbeaktionen fällt es vielen auch schwerer, Nein zu sagen. Die zentralen Infos müssen daher vor Vertragsabschluss zur Verfügung gestellt werden - und zwar in der Regel auf Papier, damit Kunden sie aufbewahren können. Dies gilt auch für zu Hause geschlossene Handwerkerverträge, wie Billen sagt. Dazu kommt das Recht, einen Vertrag binnen 14 Tagen zu widerrufen. Dass Kunden dies eigens per Brief oder Mail erklären müssen, sei aber ein Rückschritt, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Die bloße Rücksendung des gekauften Produkts reicht nicht mehr aus.“

          Was ändert sich bei „Fernabsatzverträgen“?

          Auch für Käufe per Internet oder Versandkatalog gelten zum Schutz der Kunden erweiterte Informationspflichten für die Anbieter. Der Vertrag muss dann auch noch auf Papier oder in einer E-Mail bestätigt werden. Wie bereits erläutert, hat der Verbraucher künftig grundsätzlich die Rücksendekosten zu tragen, was bisher nur bei einem Warenwert bis 40 Euro zulässig war - auch dies sei ein Rückschritt, moniert der vzbv. Billen rechnet allerdings damit, dass viele größere Anbieter das Porto aus Kulanz auch weiterhin übernehmen. „Wenn ich Schuhe oder Bekleidung kaufe, kann ich nicht nur ein Exemplar bestellen. Da muss ich schon mehrere ausprobieren, um zu sehen, was passt und gefällt.“

          Welche Sonderregeln kommen für Online-Angebote?

          Im Internet kann schon ein Klick dazu führen, dass Kunden ungewollt Zusatzkosten oder Vertragsbestimmungen akzeptieren. Bei Bestellungen in Onlineshops müssen Eingabefehler daher noch vor dem Absenden zu korrigieren sein. Auf der entscheidenden Schaltfläche muss zudem klar „zahlungspflichtig bestellen“ stehen, nicht nur etwas wie „Download starten“ - das sah deutsches Recht schon vor. Für Streaming-Angebote kommen weitere Ansprüche auf Informationen hinzu. Zusatzleistungen wie Gepäckversicherungen bei Flugtickets dürfen nicht per Häkchen vorab ausgewählt sein, so dass man sie erst eigens deaktivieren muss.

          Welche Kostenbremsen gibt es noch?

          Wenn ganz am Ende einer Bestellung happige Gebühren fürs Zahlen mit Kreditkarte dazukommen, nehmen das viele wohl oder übel in Kauf. Künftig muss mindestens eine Zahlungsweise auszuwählen sein, die Kunden nichts kostet, beispielsweise der Einzug vom Konto. Etwaige Gebühren dürfen nur so hoch sein wie die Kosten, die Anbietern für die Zahlungsabwicklung entstehen. Auch bei Service-Hotlines für Infos zu abgeschlossenen Verträgen dürfen anrufende Kunden nur so viel zahlen müssen, wie die eigentliche Telefonverbindung kostet.

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