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Flugpreise : Köln–Berlin so billig wie noch nie

Nummer sieben in Deutschland: Der Flughafen Köln-Bonn Bild: euroluftbild.de / VISUM

Die Zeit der Billigtickets schien auf vielen Inlandsflügen vorbei. Doch nun greift Ryanair in Köln/Bonn den Lufthansa-Konzern besonders aggressiv an. Der deutsche Marktführer bläst derweil auf Langstrecken zur Attacke.

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          Wenig zimperlich geht es mitunter in der Luftfahrtbranche zu. Als Ryanair erstmals an den Köln-Bonner Flughafen kam, empfing Platzhirsch Germanwings die Billigkonkurrenz aus Irland mit Plakaten, die einen ausgestreckten Mittelfinger zeigten. Heute, drei Jahre nach der geschmacklosen Begrüßung, spitzt sich die Konkurrenz der beiden Fluggesellschaften an dem rheinischen Standort zu.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Ryanair greift nach mehrjähriger Pause wieder in den innerdeutschen Markt ein und fliegt vom Herbst an fünfmal täglich die Strecke Köln-Berlin. Zunächst genannter Einstiegspreis: 24,99 Euro. Germanwings konterte mit der Mitteilung, die Zahl der täglichen Berlin-Flüge von 10 auf 13 zu erhöhen - zu Ticketpreisen von 19,99 Euro an. Daraufhin gingen die Iren auf 9,98 Euro herunter. Bis zu zehnmal täglich ist übrigens auch Air Berlin auf der Strecke unterwegs.

          Preisanstieg ist programmiert

          „Ein solcher Preiswettbewerb ist über einen längeren Zeitraum nicht durchzuhalten“, stellt Gerd Pontius von der auf die Luftfahrtbranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Prologis fest. „Gewinn wird auf dieser Strecke bei diesem Kapazitätsangebot keiner machen.“ Spätestens in einem Jahr, so schätzt der Experte, dürfte die Zahl der Verbindungen wieder reduziert werden. Wer dann als Gewinner und wer als Verlierer dastehen wird, das sei nicht vorherzusagen.

          Ein ähnlicher Preiskampf hat sich vor einigen Jahren auf der Strecke Hamburg-Frankfurt zwischen den Widersachern Deutsche Lufthansa und Air Berlin abgespielt. Die Passagiere profitierten eine Zeitlang von annähernd halbierten Preisen, dann zog sich Air Berlin zurück, und die Preise schnellten wieder in die Höhe.

          „Viel Getöse“ macht Pontius derzeit in der umkämpften Branche aus. „Alle trommeln, um die Konkurrenz und den Markt zu beeindrucken.“ Die Rückkehr von Ryanair in den innerdeutschen Verkehr sei schon länger erwartet worden. Die Iren wie auch andere Billiganbieter müssten sich wegen ihrer hohen Kapazitäten mit neuen Märkten befassen, auch wenn sie so umkämpft sind wie der hiesige. Durchhaltevermögen in solchen Konflikten habe Ryanair in Südeuropa - etwa bei Verbindungen von Spanien nach Großbritannien - unter Beweis gestellt.

          Mit Eurowings billig nach Thailand

          Von Köln-Bonn aus wollen die Iren demnächst jährlich 2 Millionen Passagiere zu 17 Zielen befördern; ihr Marktanteil am Flughafen würde sich damit auf etwa 8 Prozent verdoppeln. Zum Vergleich: Germanwings als größter Kunde in Köln-Bonn kommt auf einen Anteil von 45 Prozent. Auf dem deutschen Markt hat sich Ryanair für dieses Jahr einen Anstieg der Passagierzahlen von 7,8 auf 10 Millionen zum Ziel gesetzt. Der hiesige Marktanteil soll in drei bis vier Jahren auf 15 bis 20 Prozent klettern. Bislang beträgt er 4 Prozent.

          Nicht nur die Offensive von Ryanair beschert Köln-Bonn - dem nach Passagieren siebtgrößten deutschen Flughafen - momentan Schlagzeilen. Für Aufmerksamkeit sorgt auch die Ansiedlung der neuformierten Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings, die vom Herbst an Billigflüge nach Kuba, in die Dominikanische Republik, nach Thailand und Dubai anbietet und damit vor allem Air Berlin und Condor Konkurrenz macht.

          Eine erste Reaktion gab es schon: Condor wird zum Winter die vor einem Jahr eingerichtete Verbindung von Köln-Bonn ins kubanische Varadero einstellen. Für den Flughafen war dies der erste Langstreckenflug seit Jahren. Zwischen 2006 und 2008 hatte die amerikanische Gesellschaft Continental vom Rhein aus Newark angeflogen.

          Von 2016 an erhofft sich Köln-Bonn durch Eurowings einen Passagierzuwachs im deutlich sechsstelligen Bereich. Vor allem mit „viel Platz“ für künftiges Wachstum wirbt Geschäftsführer Michael Garvens: Die Terminals böten Raum für 14 Millionen Passagiere. Hinter dem Flughafen liegt eine Durststrecke, die der Sparkurs von Air Berlin und Germanwings mit sich brachte: Erstmals seit 2010 zog das Fluggastaufkommen im vergangenen Jahr wieder an - auf 9,5 Millionen Passagiere (plus 4 Prozent).

          Nicht nur freie Kapazitäten können die Kölner vorweisen, sondern auch Öffnungszeiten rund um die Uhr. Die rot-grüne Landesregierung scheiterte jüngst mit dem Versuch, in Köln-Bonn ein Nachtflugverbot für Passagierjets durchzusetzen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt wies das Ansinnen zurück, Passagierflüge zwischen Mitternacht und fünf Uhr zu untersagen.

          Dank Eurowings will Garvens, der schon früh auf die Billigflieger gesetzt hat, gegenüber der ungleich größeren Konkurrenz in Düsseldorf (21,8 Millionen Passagiere) Boden gutmachen. Wenn das Modell Low-Cost-Langstrecke einschlage, könne Köln-Bonn Marktanteile gewinnen, hofft er. Der Flughafen der Landeshauptstadt wiederum rechnet in den nächsten Jahren mit einer „soliden Entwicklung“ seines Geschäfts. Ihre Stärken haben die Düsseldorfer auf der Langstrecke, vor allem nach Nordamerika. Genau in dieses Geschäft will auch Ryanair - wie gerade angekündigt - künftig einsteigen.

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