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Ende einer Regal-Legende : Wofür wir „Expedit“ brauchen

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„Wir bringen den Fernseher mit“, hatten meine Eltern gesagt. Und natürlich hatte die Sache einen Haken. „Der Fernseher“ war ein deutsches Markenprodukt aus der Zeit der Röhrentechnik, der letzte seiner Art sozusagen. Grau wie ein Babyelefant und genauso groß. Meine Ein-Zimmer-Wohnung war darauf nicht vorbereitet: Schrank, Einbauregal, Schreibtisch. Wo parkt man einen Babyelefanten? Ich kannte die Lösung, bevor ich ihren Namen kannte. Ein Quader, hüfthoch, dickes lackiertes Holz, mit vier kleineren Quadrat-Fächern im Innern - diesen Stakkato-Steckbrief ratterte ich dem Ikea-Mitarbeiter herunter. „Expedit finden Sie bei unseren Regalsystemen“, sagte er und wies vage in eine Richtung. Nie habe ich Ikea schneller und zufriedener verlassen. Noch bevor meine Eltern an der Tür klingelten und den Babyelefanten hineinschoben, war der Quader aufgebaut. Er ist jetzt der Mittelpunkt der Ein-Zimmer-Wohnung. Unten DVD-Sammlung und Zeitungsarchiv, obenauf der Röhrenfernseher - ein perfektes Ensemble aus den letzten ihrer Art. Maria Wiesner

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Expedit in weiß – ein unauffälliger Klassiker. Schlicht und sehr solide. Viel Raum von beiden Seiten für Bücher und Kisten voller Urlaubsfotos. Und zugleich der perfekte Sichtschutz für den Arbeitsbereich. Kerstin Papon

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Seit wenigen Wochen ist unser Wohnbereich endlich expeditfrei. In der alten WG stand ein Exemplar im Bad und eignete sich durch die Einschübe zugegebenermaßen recht gut zur Aufteilung von Bad-Utensilien, Handtüchern und Kosmetika für vier Personen. Nach dem Umzug, der Haushalt zählte mittlerweile nur noch drei Personen, stand es dann im Wohnzimmer als Ablage für alles und nichts. Es fasste Bohrmaschinen und Baumaterial, Teller, Tassen, Pflanzen, Bücher. Lediglich die Sammlung weißer Vasen und Skulpturen machte sich gut auf Expedit. Nachdem alles nach einem unzählige Wochen währenden Verzug endlich einen Platz und seine Ordnung gefunden hatte und wir damit begannen, unsere Wohnung mit Vitra-Möbeln und Klassikern im Mid-Century-Modern-Stil einzurichten, schraubten wir das Regal auseinander (ein Akt der Verzweiflung durch das spröde Material nach schon vielen Umzügen) und verkauften es über das Internet. Unfassbar, dass jemand 30 Euro dafür bezahlt. Meine Mitbewohnerin hatte noch ein Exemplar in ihrem Zimmer und ersetzte es vor ein paar Wochen durch ein edleres – wenngleich weiterhin von Ikea, nur teureres – Regal aus Metall und Glas. Das alte, lang gediente Expedit trauten wir uns nicht einmal mehr zu verkaufen, und verschenkten es über das Internet. Wir brauchen kein Expedit. Aus dem Studentenalter sind wir raus. Unsere Platten und Bücher haben einen besseren Platz verdient. Ich persönlich vermisse Expedit nicht. Es ist ein Übergangsmöbel. Ich hasse es. Ich kann es einfach nicht mehr sehen. Danke, Ikea! Florian Siebeck

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