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Einkaufstüten : Die Plastiktüte ist besser als ihr Ruf

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Kleine Tüte, vielleicht? Jede Minute bringen deutsche Geschäfte 10.000 neue Einwegtüten unters Volk Bild: dpa

Jahrelang hieß es, Plastiktüten zerstörten die Umwelt. Doch die gute alte Tüte hat keine schlechtere Ökobilanz als ihre modernen Konkurrentinnen. Welche Einkaufstasche ist wirklich umweltverträglich?

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          Hat man es im Geschäft erst einmal bis zur Kasse geschafft, so glauben viele Einkäufer, dann liegt das Schwierigste bereits hinter einem. Stimmt nicht, das Schlimmste kommt erst noch: Wie bugsiert man das gekaufte Zeug nach Hause, also: worin? An eine Tasche hat mal wieder keiner gedacht. Manche Läden machen es ihren Kunden leicht – und erzeugen damit oft ein schlechtes Gewissen: Sie drücken uns einfach Plastiktüten in die Hand.

          Bei anderen muss man sich an der Kasse selbst entscheiden: Soll’s eine Plastiktüte sein? Die sind bequem und billig, aber gelten nicht gerade als umweltfreundlich. Doch es gibt ja auch Säcke aus Papier, Taschen aus Textil und sogar Tüten aus Bioplastik, die biologisch abbaubar sind. All das klingt nach guten Alternativen für die Tüte, und deswegen entscheiden sich viele Einkäufer regelmäßig falsch. Natürlich ist die Plastiktüte ein tückisches Ding, vor allem wenn man sie kopflos einsackt und direkt danach wegwirft. Nicht ohne Grund diskutieren Europapolitiker seit Jahren über ein Plastiktütenverbot oder eine Zwangsabgabe.

          Eine gigantische Ressourcenverschwendung

          Nun sind wir Bundesbürger nicht die schlimmsten Tütenkonsumenten, sondern liegen mit 65 Stück pro Kopf und Jahr noch im besseren Drittel Europas. Doch im Schnitt benutzen wir jede Plastiktasche bloß 30 Minuten und kriegen pro Jahr 6,1 Milliarden davon an die Hand. 90 Prozent schmeißen wir nach dem Einkauf sofort weg oder nutzen sie allenfalls als Mülltüte. Und jede Minute bringen deutsche Geschäfte 10.000 neue Einwegtüten unters Volk. Mit allen Tüten eines Jahres könnte man 39 Mal die Erde umwickeln. Plastiktüten sind vor allem eines: eine gigantische Ressourcenverschwendung.

          Für ihre Herstellung wird Rohöl gebraucht und viel Energie. Zudem landen eben nicht alle im Müll, sondern auch viele in der Landschaft – und über die Flüsse irgendwann im Meer. Statistiken des Umweltbundesamts zählen an der Nordsee pro 100 Meter Küstenlinie jährlich 1,5 Tüten sowie drei Hemdchenbeutel, jene ultradünnen Tüten, in denen wir so gern Gemüse transportieren. Liest niemand die Tüten auf, braucht die Natur lange, sehr lange um sie zu zersetzen: 100 bis 500 Jahre.

          Bei solch biblischen Verfallszeiten klingt das Versprechen der Biotüten geradezu verlockend. Die behaupten von sich, „100 Prozent kompostierbar“ zu sein in gut zwölf Wochen, und sollen aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

          „Biokunststofftüten sind keinen Deut besser“

          Gerne greifen Einkäufer bei den vermeintlich grünen Tüten zu. Das regt Materialexperten wie Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe auf: „Biokunststofftüten sind deutlich teurer, aber keinen Deut besser als normale Plastiktüten“, findet er. Zum einen steckten rund 50 Prozent – oder sogar mehr – Rohöl auch in diesen Tüten.

          Nachwachsende Stoffe machten nur 30 bis 50 Prozent aus, und die stammten oft noch aus Genmais. Herbizide, Pestizide und Düngemittel würden dafür in die Landschaft gesprüht. Der Energieverbrauch bei der Produktion ist hoch, und am Ende wird die Tüte um die halbe Welt geschippert. Und das sind erst die Nachteile bei der Herstellung. Auch bei der Entsorgung ist die Bioplastiktüte keinesfalls so umweltfreundlich wie gedacht. „Vollständig zersetzen kann sie sich nur unter industriell-technischen Bedingungen“, sagt Fischer, „wenn sie dauerhaft 65 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt wird.“

          In der Natur findet man diese Bedingungen nicht, nur in Kompostieranlagen. Die aber, so bestätigen Entsorger in Umfragen selbst, sortieren die Biotüten zu 90 Prozent aus, als Störstoffe – das heißt: ab in die Verbrennung! In Modellprojekten versuchen Entsorger und Hersteller wie BASF zwar, den Bürgern Bioplastik als Sammelbeutel für den Biohausmüll zu verkaufen. Dafür produzieren sie aber Extrabeutel, die „grüne Tüte“ als Pendant zum gelben Sack.

          Papier sei Plastik nicht vorzuziehen

          „Dass es auch über wiederverwendbare Einkaufstüten funktioniert, würde ich ausschließen“, sagt Michael Kern, Gesellschafter des Witzenhausen Instituts, das Entsorger berät. Bioplastiktüten kann man also getrost im Laden hängenlassen. Ebenso wie Papiertüten, sagen Umweltverbände: Papier sei Plastik nicht vorzuziehen, weil es viel mehr Energie und Ressourcen bei der Herstellung verbraucht und die Umwelt noch mehr belastet. Auch der Baumwollsack, der Nachfolger der Jutetüte, ist nicht per se die bessere Wahl. Der hohe Wasserverbrauch und Pestizideinsatz beschert der Baumwolltasche eine ganz schön heikle Ökobilanz.

          Nimmt man sie an der Kasse mit, um sie beim nächsten Einkauf prompt zu Hause liegenzulassen, kommt man damit nicht in den grünen Bereich. Denn erst nach der zwanzigsten Verwendung spielt der Stoffbeutel gegenüber der Einwegplastiktüte seine Vorteile aus. Benutzt man eine Tragetasche nur einmal, schneiden Plastiktüten gar nicht so schlecht ab wie gedacht. Vor allem Tüten aus Recyclingkunststoff mit dem Blauen Engel trumpfen in der Ökobilanz auf. Für sie wird 80 Prozent geschreddertes Altplastik aufbereitet und kaum neues Rohöl verbraucht.

          Doch wer seine Einkäufe wirklich umweltverträglich transportieren will, mahnt Abfallexperte Thomas Fischer, „der sollte Einwegtaschen links liegenlassen und nur zu Mehrwegtaschen greifen. Ob die dann aus Naturfasern, Baumwolle, Polyestergewebe oder Recyclingkunststoff sind, ist eigentlich egal. Wenn Sie eine Mehrwegtasche hundertmal verwenden, spielt die Herstellung keine Rolle mehr. Und trendig im Design sind die Dinger außerdem.“

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