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Heizöl, Bratwurst, Kartoffeln : Die Preise sinken - aber welche?

Der absolute Preiskracher: „Himmel und Erde“ aus Kartoffeln (-26,64%) und Äpfeln (-18,48%) mit in Butter (-20,73%) gebratener Bratwurst (-3,47%) und Zwiebeln (-21,39%) - gekocht auf Flüssiggas (-15,12%). Bild: Tamorlan, Lizenz gemeinfrei

Die Preise in der Eurozone sinken. Was wird da so billig? Wir haben nachgeguckt.

          3 Min.

          Die Preise sinken. Sind die Preise in der Eurozone im Jahr 2013 noch um 0,8 Prozent gestiegen, so fielen sie zwischen Dezember 2013 und Dezember 2014 jetzt um 0,2 Prozent. So sagt es das Europäische Statistikamt Eurstat.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für viele Verbraucher scheint diese Statistik der persönlichen Lebenserfahrung zu widersprechen. Leicht ist dann die Rede von Fälschungen, doch dabei wird das eigene Gefühl überschätzt.  Der persönliche Eindruck stammt vor allem aus der Entwicklung von Preisen des täglichen Bedarfs, aber selbst dort ist die Wahrnehmung einseitig: Während etwa Brötchen seit 2010 um mehr als 10 Prozent teurer geworden sind, sind die Preise für Duschgel um mehr als 12 Prozent gefallen.

          Tatsächlich sinken die Preise in Deutschland noch nicht im Durchschnitt, die Statistiker errechnen noch eine Teuerung von 0,2 Prozent. Doch auch in Deutschland werden viele Produkte billiger.

          Das liegt nicht nur, aber vor allem am Ölpreis: Im Euroraum sanken die Energiepreise gegenüber dem Dezember 2013 um 6,3 Prozent. Das macht sich auch in Deutschland bemerkbar. Die Preise einzelner Verbrauchsgüter liegen erst bis November vor, doch zeigt sich etwa, dass der Preis für leichtes Heizöl gegenüber dem Vorjahr um fast 10 Prozent gefallen ist – vor allem wegen eines starken Rückgangs im Oktober. Nicht ganz so stark wirkten sich die Tankstellenpreise aus: Diesel verbilligte sich um mehr als 6 Prozent, Superbenzin gar nur um 4 Prozent. Angesichts der Ölpreisentwicklung an den Rohstoffbörsen und der hohen Bedeutung der Energieprodukte dürfte diese Komponente weiter Gewicht erhalten.

          Auf den ersten Blick hat sich das auch auf den Zuckerpreis ausgewirkt, der im selben Zeitraum stark fiel. Doch das ist leicht erklärt: Je billiger Öl wird, desto uninteressanter ist Äthanol aus Zuckerrohr als Ersatztreibstoff.

          Der absolute Preisdrücker: Kartoffeln waren dank einer guten Ernte im November 2014 26,64 Prozent billiger als ein Jahr davor Bilderstrecke
          Fallende Preise : Das ist billiger geworden

          Die stärksten Preisrückgänge gab es dagegen wie so oft bei einigen Agrargütern. Kartoffeln waren im November 26,6 Prozent billiger als ein Jahr zuvor, Zwiebeln, Knoblauch und Butter 21 Prozent. Auch Äpfel, Auberginen und Birnen sind billiger. Doch sind Agrarprodukte stark saison- und nicht zuletzt ernteabhängig. So war die Kartoffelernte 2014 sehr gut. Das gilt auch für Äpfel. Dort hat sich der Preisdruck durch das Russlandembargo noch einmal verschärft, weil vor allem polnischen Obstbauern der Absatzmarkt wegbrach.

          Dass die niedrigeren Preise bei den Verbrauchern ankommen, liegt an der Konkurrenz der Discounter. Immer wieder haben die Discounter im vergangenen Jahr mit Preissenkungen Schlagzeilen gemacht: zum Beispiel für Pommes Frites, für Wurst und für Butter.

          Preise für Fernseher fallen seit Jahren

          Deutlich billiger sind auch viele Elektrogroßgeräte. Die Preise etwa für Fernseher fallen praktisch seit Jahren permanent. Das nehmen Verbraucher nicht unbedingt wahr, werden die Geräte doch eher selten gekauft. Doch wird dafür mehr Geld aufgewendet: Für den Preis eines Fernsehers kann man derzeit immer noch mehr als drei Jahre lang jeden Tag ein Brötchen essen. Ebenso deutlich fallen die Preise für tragbare Computer und PCs, DVD-Recorder und ähnliche Produkte.

          Nicht immer jedoch ist der Preisdruck permanent. Das liegt manchmal in der Natur der Sache. Dass etwa die Studien- bzw. Semestergebühren im Oktober zu Beginn des Wintersemesters stark gefallen sind – also dann wenn sie bezahlt werden – kann kaum überraschen. Ohnehin handelt es sich hier her um einen politischen Preis.

          Doch auch die niedrigeren Preise für andere Güter sind einzelnen Preissenkungen zu verdanken. Die Eierpreise fielen im Januar und Februar, nachdem Aldi die Preise gesenkt hatte, und sind seitdem konstant. Schnürsenkel wurden im September billiger und H-Milch etwa just im November, womit zum Teil eine starke Preiserhöhung aus dem Oktober zurückgenommen wurde. Auch DVD-Recorder sind seit Juni letztlich nicht mehr billiger geworden.

          Die starken Preisrückgänge beschränken sich im wesentlichen auf vier Gütergruppen: Lebensmittel, Energieträger, Elektronik und Körperpflegeprodukte, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. So war Wurstaufschnitt fast das ganze Jahr über teurer als im November 2013, wurde aber im November deutlich billiger.

          Zudem gibt es noch einige Ausreißer unter den neuen Billigwaren, allen voran PC-Software. Wobei man hier nicht ganz schlau aus der Preisentwicklung wird. Nachdem sie bis Mai teurer wurde, gab es vor allem im September starke Preissenkungen, so dass Software im Novembervergleich satte 14 Prozent billiger wurde. Die Mietwagenpreise sanken um mehr als 8 Prozent, doch vollzog sich das eigentlich schon im Januar 2014.

          Billig kochen mit Himmel und Erde

          Zuletzt gibt es noch einige Produkte, bei denen sich keine rechte Tendenz ausmachen lässt – außer dass sie eben billiger sind. Dazu gehören etwa BHs, aber auch Fischkonserven oder das gute deutsche Schnitzel. Was erfreulich ist: Mit Pommes ist die Mahlzeit gegenüber November 2013 erheblich günstiger geworden. Und Mayo kostet seit April auch weniger. Noch mehr davon haben die Bratwurstesser: Nach einer Preissenkung im November schmeckt die jetzt auch für weniger Geld.

          Und wer sich richtig gütlich tun will, kocht Himmel und Erde: Kartoffeln minus 27 Prozent, Zwiebeln minus 21 Prozent, Äpfel minus 18 Prozent. Am besten übrigens mit Flüssiggas. Das gibt es 15 Prozent günstiger. Guten Appetit!

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