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Benzinpreis : Tanken mit der App

  • -Aktualisiert am

Teurer Umweg: Günstige Benzinpreise kosten Sprit Bild: dpa

Der steigende Ölpreis lässt die Benzinpreise anziehen. Apps und Internetportale können helfen, die günstigsten Tankstellen zu finden. Die Dienste haben aber auch Nachteile.

          Tanken hat viel mit Gewohnheiten zu tun. Viele Autofahrer steuern bestimmte Tankstellen immer wieder an, weil sie auf dem Weg zur Arbeit liegen – und dabei scheint es ihnen fast egal, wie teuer der Sprit gerade ist. Nun ist der Ölpreis seit Jahresbeginn um fast 5 Prozent gestiegen, und der Liter Super kratzt durchschnittlich wieder an der 1,50-Euro-Marke, wie der ADAC errechnet hat. Da die Preise jedoch regional und abhängig von der Tageszeit schwanken, können sie sich an den Tankstellen deutlich unterscheiden.

          Eine Chance für Verbraucher, den Konzernen ein Schnippchen zu schlagen? Seit Dezember 2013 werden die Preise deutscher Tankstellen gesammelt. Mit Computer oder Smartphone kann man die billigste Station suchen. Durch mehr Wettbewerb sollen so die Spritpreise sinken. Seit die vom Bundeskartellamt geschaffene Markttransparenzstelle den Betrieb aufgenommen hat, liefern aus diesen Daten 13 Unternehmen kostenlos Vergleiche. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt, dass jeder vierte Deutsche den Spritpreisvergleich per App nutzt. Bei den unter Dreißigjährigen sind es sogar fast 40 Prozent.

          Einflussfaktoren für den Benzinpreis gibt es viele. Die Mineralölwirtschaft weist darauf hin, dass die Preise für Rohöl und Wechselkurse mitentscheidend sind. Das Kartellamt hat herausgefunden, dass die fünf dominierenden Anbieter (Aral, Shell, Esso, Total, Jet) kooperieren, ohne sich ausdrücklich abstimmen zu müssen. Vielmehr gebe es bestimmte „Preissetzungsmuster“. In der Regel startet der Marktführer Aral eine Preiserhöhungsrunde. Die anderen großen Anbieter ziehen mit zeitlichem Abstand nach.

          Solch ein Verhalten soll mit dem neuen System der Preistransparenz erschwert werden. In Echtzeit werden die Preise von über 14.000 der 14.500 Tankstellen von der Markttransparenzstelle erfasst. Das bedeutet, dass nach einer Preisänderung die aktuellen Daten spätestens fünf Minuten später im System zur Verfügung stehen sollen. Mitunter gibt es zwischen nah beieinanderliegenden Tankstellen hohe Preisdifferenzen, wenn etwa die eine Station ein paar Stunden früher ihre Preise ändert als die andere.

          So listete zum Beispiel www.clever-tanken.de am Freitag gegen 13.20 Uhr für die Frankfurter Innenstadt im Radius von 5 Kilometern insgesamt 26 Stationen mit einem Preisband von 1,33 Euro bis 1,37 Euro für einen Liter Diesel auf. Zur gleichen Zeit ergab der Preisrechner von www.tanke-günstig.de für das weniger dichte Tankstellennetz im benachbarten Kreis Rodgau acht Adressen mit einem Dieselpreis von 1,30 Euro bis 1,36 Euro für 1 Liter.

          Die Frage, ob sich der Aufwand lohnt

          Auf den ersten Blick sehen diese Zahlen lukrativ für Autofahrer aus. Verbraucherschützer loben zwar den Ansatz, die Preise transparenter zu machen, sind aber dennoch skeptisch. Für Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland sind die Apps und Internetportale „nette“ Spielzeuge. „Denn mit der Echtzeit der Spritpreise scheint es zu hapern“, sagt er.

          Nicht immer würden die Preise der unterschiedlichen Portale übereinstimmen und es könne vorkommen, dass der Preis schon wieder ein anderer ist, wenn man bei der Tankstelle ankommt. Außerdem stelle sich die Frage, ob sich der Aufwand lohne, um 60 bis 80 Cent zu sparen, ziehe man die zusätzlichen Spritkosten für den Umweg vom Preisgewinn ab. Auch die extra benötigte Zeit müssten Autofahrer mit einberechnen.

          Das System an sich hat auch einen Haken. Von der Markttransparenzstelle können auch die Tankstellenbetreiber profitieren – insbesondere die freien Tankstellen. Schon jetzt beobachten sich zwar alle Marktteilnehmer aufmerksam. Bei den großen Konzernen funktioniert das vor allem über ausgefeilte Computerprogramme. Freie sind da bislang im Hintertreffen. Deshalb machen sie Preise mit Sicherheitsabstand.

          Die Folge könnte ein dauerhaft höheres Preisniveau sein

          Das bedeutet: Sie bleiben 4 oder 5 Cent unter den benachbarten Markentankstellen, um zumindest für mehrere Stunden in jedem Fall günstiger als die Konkurrenten zu sein. Mit den Daten der Markttransparenzstelle kann der Betreiber der freien Tankstelle künftig in Echtzeit hinter seinem Tresen beobachten, was der Wettbewerber macht.

          „Das könnte dazu führen, dass diese Anbieter künftig nur noch ganz knapp, nämlich genau 1 Cent, unter den Preisen der großen Konkurrenten bleiben“, sagt der Gießener Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hildenbrand. Der Sicherheitsabstand sei nicht mehr nötig. Die Folge könnte ein dauerhaft höheres Preisniveau sein. Wie sich die Schwankungen der Preise seit der Einführung des Systems entwickelt haben, ist bisher nicht offiziell bekannt.

          Die Volatilitäten der Benzinpreise seien dadurch zwar sichtbar, aber nicht geringer geworden, sagte kürzlich etwa Stefan Brok, Vorstandsvorsitzender der BP-Tochter Aral. Das Bundeskartellamt will in diesem Quartal erste empirische Ergebnisse vorlegen. Preissenkungen erwartet die Behörde nicht. Sparen lässt sich also eher mit einer energiesparenden Fahrweise und verbrauchsarmen Autos, aber kaum durch Umwege zu günstigeren Tankstellen.

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