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80 Jahre Einkaufswagen : Der Klassiker aus dem Supermarkt

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Der schräge Wagenboden als weiterer Trick

Und dann ist da noch die Sache mit der Größe: In Long Island, der Insel kurz vor New York, wo die Wohlhabenden in großen Landsitzen wohnen, sind nicht nur die Autos größer, sondern auch die fahrbaren Shoppinguntersätze. Sie haben hier sagenhafte 400 Liter. In Europa dagegen ist eher die Hälfte üblich – wobei es ein beachtliches Nord-Süd-Gefälle gibt: Die Wagen im Norden sind deutlich größer als jene im Süden. Schließlich ist Skandinavien dünner besiedelt, und man fährt dementsprechend weiter und seltener zum Einkaufen, während es in Italien oder Griechenland an jeder Ecke einen Supermarkt gibt. Peter Schnedlitz, Professor am Institut für Handel und Marketing in Wien, erklärt es außerdem so: „Kleine Einkaufswagen zeigen, dass Frauen weniger berufstätig sind und öfter einkaufen gehen können.“

Dass es beim Wagen sehr wohl auf die Größe ankommt, machen sich im Übrigen auch die Marktbesitzer zunutze. Einkaufswagen sind nämlich nicht nur praktisch, sondern sie sollen Kunden auch zum Konsum verleiten. Und je größer der Wagen ist, desto stärker stimuliert er das Einkaufsverhalten, haben Konsumforscher herausgefunden. Ein leerer Wagen signalisiert seinem Benutzer: Hier ist noch unendlich viel Platz, du kannst noch mächtig zulangen. Das tun die Kunden dann auch prompt, weil sie unterbewusst eine leichte Vorratspanik verspüren und lieber ein bisschen mehr einkaufen als nötig. Deshalb neigen immer mehr Märkte dazu, vor allem große Supermärkte, Wagen mit mehr Fassungsvermögen anzuschaffen.

Der schräge Wagenboden ist ein weiterer Trick. Denn dadurch rollen die Einkäufe ganz nah zum Käufer hin – und somit beim Schieben aus seinem Gesichtsfeld hinaus. Das verstärkt in ihm wiederum den Eindruck, noch gar nicht viel eingeladen zu haben. Auch an der leichteren Rollbarkeit haben die Wagenbauer nicht aus purer Menschenfreundlichkeit gearbeitet. Sondern damit der Einkäufer gar nicht erst auf den Gedanken kommt, er habe seinen Wagen möglicherweise überladen, denn er könne ihn ja aus eigener Kraft kaum noch schieben. Und mehr als eine Tonne kann so ein gewöhnlicher Drahtwagen im Notfall schon vertragen, das hat die Stiftung Warentest in einem Sicherheitscheck gemessen. Von daher kann man schon annehmen, dass es gar nicht mehr so lange dauern wird, bis die ersten selbstfahrenden Wagen durchs Land rollen. Eben nicht auf den Straßen, sondern in den Supermarkt-Regalgassen. Marktgängig scheinen sie zu sein: Von Crashs durch freilaufende Shoppingroboter ist jedenfalls noch nichts bekannt.

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