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80 Jahre Einkaufswagen : Der Klassiker aus dem Supermarkt

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Weitere folgten, Marke Eigenbau. Seine Kunden allerdings verschmähten das Ding. Den Männern war der Rollwagen zu weibisch, die Frauen fühlten sich eher an einen Kinderwagen erinnert, den sie nun wirklich nicht durch den Laden manövrieren wollten. Aber Goldman war erfinderisch: Er engagierte ein paar Statisten, die fortan regelmäßig mit guter Laune die fahrbaren Untersätze durchs Geschäft schoben, und schon kam die Sache ins Rollen. 1940 meldete Goldman seine Erfindung zum Patent an.

So richtig reißenden Absatz fand der Einkaufswagen aber erst, nachdem der bayerische Metallwarenfabrikant Rudolf Wanzl in Amerika gewesen war und Goldman getroffen hatte. Damals baute Wanzl vorwiegend Metallwaagen, nach dem Supermarkteinkauf bei Goldman aber produzierte er Drahtwagen im großen Stil – und die Firma tut es noch heute. Die ersten Wägelchen, die den heutigen Exemplaren schon erstaunlich ähnlich sehen, ratterten 1949 durch einen Hamburger Supermarkt. Und von 1957 an gab es dann das Modell „Concentra“ mit klappbarer Rückbank, wodurch man die Wagen platzsparend zusammenschieben konnte. Es ist bis heute das Grundmodell in fast jedem Einkaufsmarkt.

Automatisches Kassieren mit Funkchips

Wie viele Millionen Einkaufswagen es weltweit gibt, das lässt sich nur schätzen. Denn mit jedem neuen Supermarkt in Indien oder China werden es mehr. Und es gibt Dutzende Hersteller. Allein der Marktführer Wanzl fertigt – als weltweit größter Hersteller – rund zwei Millionen Stück davon pro Jahr und hat seine Modellpalette insgesamt auf 350 Stück ausgeweitet. Denn inzwischen wollen viele Handelsketten nicht nur Wagen in Marktfarben – um ihre Corporate Identity zu unterstreichen –, sondern auch für jede Kundengruppe die passende Ausführung: Mütter bekommen Wagen mit Babyschale an die Hand oder solche mit Klappsitzen für Kleinkinder. Senioren mögen leichte Rollwagen, bei denen man sich nicht bücken muss. Bei Familieneinkäufern kommt es auf das Fassungsvermögen an. Kinder kriegen Minimodelle mit „Vorsicht hier lauf ich“-Wimpel oder gleich Tretautos mit Transportkorb. Und für Baumarktkunden kann die Ladefläche eigentlich nie groß genug sein.

Noch spannender, so finden Einkaufsexperten wie die Wanzls, sind aber die Unterschiede je nach Absatzland. Man könnte nämlich sagen: Zeig mir deinen Einkaufswagen, und ich sage dir, wo du wohnst. In Japan etwa, vor allem in der dichtgedrängten Hauptstadt Tokio, sind Einkaufswagen filigran wie Vogelnester auf Stelzen. Und sie scheinen zu rufen: Belade mich bitte nur mit kleinen Teilen, sonst breche ich zusammen. Wenn ein Wagen erst mit Pfandmünzen gefüttert werden muss, stammt er üblicherweise aus Deutschland oder Europa – Amerikaner lassen sich nämlich nicht dazu verdonnern, ihre Wagen selbst zurückzuschieben, über den ganzen großen Parkplatz, nur um die Münze wieder zu erlösen. Am Mittelmeer mag man außerdem eher Plastikwagen, weil die in der Hitze nicht so heiß laufen. Kunststoff wird übrigens auch da viel eingesetzt, wo die Handelsketten sich auf das automatische Kassieren mit Funkchips vorbereiten. Denn Drahtwagen würden die Funksignale abschirmen. In Großbritannien dagegen ist ein ganz anderes Sonderausstattungsmerkmal Pflicht: Dort muss der Wagen möglichst einen Regenschirmhalter haben.

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