https://www.faz.net/-hbv-9dm36

Adieu, Halogenlampe : Nach der Glühbirne trifft es die nächste Leuchte

  • Aktualisiert am

Die Schonfrist ist vorbei: Vom 1. September an werden kaum noch Halogenleuchten hergestellt. Bild: ZB

Als vor sechs Jahren die Produktion der Glühlampe in der EU verboten wurde, war der Aufschrei riesig. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Nun steht das nächste Verbot an.

          Eigentlich hätte dieses Licht schon vor zwei Jahren ausgehen sollen. Damals gab es für die Halogenlampe jedoch noch eine Gnadenfrist. Jetzt ist wirklich Schluss. Vom 1. September an dürfen die meisten Halogenleuchten in der EU nicht mehr produziert werden – die letzte Stufe der EU-Lampenverordnung tritt in Kraft. Wird der öffentliche Aufschrei ähnlich laut wie vor sechs Jahren, als die Glühlampe vom EU-Markt verschwand?

          Hinter dem jetzigen Auslaufen der Halogenlampe steckt – wie schon 2012 – die sogenannte Ökodesign-Richtlinie der EU. Sie legt Anforderungen an die Energieeffizienz von Produkten fest. Nach und nach sollen vor allem jene Produkte vom Markt, die besonders viel Strom fressen - also schlecht für die Umwelt sind. Bei der Glühlampe wurden nur etwa 5 Prozent der aufgenommenen Energie in Licht umgewandelt – ein Trauerspiel für alle Energiebilanz. Der Verbrauch einer Halogenlampe ist nach Angaben der EU-Kommission von 2015 immer noch fünf mal höher als der einer LED.

          Seit der Novellierung 2009 geht es bei der Ökodesign-Richtlinie zudem um Produkte, die den Energieverbrauch beeinflussen, etwa Duschköpfe oder Fenster. Der Stromverbrauch der Privathaushalte soll so gesenkt und stromsparenden Geräten zum Durchbruch verholfen werden.

          Anstelle der Halogenlampen werden von September an also hauptsächlich Energiesparlampen und LEDs in den Regalen liegen. Dadurch soll nach Angaben der EU-Kommission jährlich so viel Strom gespart werden, wie Portugal in einem Jahr verbraucht.

          Ausnahmen gibt es weiterhin

          Neben der Glühlampe mussten deshalb unter anderem schon bestimmte Staubsauger, Backöfen, Kochfelder, Dunstabzugshauben und Duschköpfe dran glauben. Dabei wird nach Angaben der EU-Kommission nur vom Markt genommen, wofür es einen vernünftigen Ersatz gibt.

          Im September 2016 traf das aus Sicht der EU-Kommission und der EU-Staaten für die nun betroffenen Halogenlampen noch nicht zu. Nach der Analyse des Lichtmarkts und der technischen Entwicklungen kam die EU-Kommission damals zu dem Schluss, dass der 1. September 2016 zu früh für das Auslaufen sei. Deshalb die Gnadenfrist.

          Und es wird noch immer Ausnahmen geben: Für platte Spotlampen, wie sie bei Deckenstrahlern genutzt werden, sowie für jene Halogenlampen in Schreibtischlampen oder Flutlichtern ist noch kein Ende in Sicht. Stattdessen sind vor allem die meist birnen- oder kerzenförmigen Leuchten der Energieklasse D mit ungebündeltem Licht betroffen. Restbestände dürfen ab September zwar noch verkauft, aber keine neuen Lampen produziert werden.

          Die Zukunft gehört stattdessen den LED-Leuchten. Darüber waren sich Experten schon zum Ende der Glühlampe 2012 einig. Damals waren LEDs allerdings noch deutlich teurer als etwa Energiespar- oder Halogenlampen. Seitdem sind die Preise allerdings stark gesunken – der EU-Kommission zufolge von 2010 bis 2017 um 75 Prozent.

          Helligkeit und Farbtemperatur lassen sich regulieren

          Noch sind LEDs in der Anschaffung zwar meist noch etwas teurer als Halogenlampen. Die Mehrkosten hat man allerdings ziemlich schnell wieder drin. Laut EU-Kommission kann es schon nach einem Jahr so weit sein. Der BUND rechnet vor, dass eine Halogenlampe inklusive Anschaffungskosten bei täglicher Brenndauer von drei Stunden über zehn Jahre hinweg Kosten von rund 160 Euro verursacht. Bei einer LED sind es gerade mal bei 28 Euro. „Verbraucher können sehr viel Geld sparen, wenn sie nicht auf stromfressende Produkte reinfallen“, sagt BUND-Energieexpertin Irmela Colaço.

          Doch nicht nur der Preis für LEDs hat sich geändert, auch ihre Qualität. „Gerade in den letzten zwei bis drei Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten energieeffizienter LED-Lampen stark weiterentwickelt“, sagt Jürgen Waldorf vom Elektroindustrie-Verband ZVEI. Die Farbwiedergabe sei besser geworden und es gebe verschiedene Farbtemperaturen. Bei jenen Lampen, die sich beispielsweise per App vom Smartphone aus fernsteuern lassen, könnten Helligkeit und Farbtemperatur verändert werden. „Es ist ein Gewinn für den Verbraucher, dass er heute energiesparende Anwendungen hat.“ Die Kunden hätten sich an die neuen Möglichkeiten jedoch erst einmal gewöhnen müssen. „Das war eben auch eine Lernkurve“, sagt Waldorf.

          BUND-Expertin Colaço sieht das ähnlich: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben sich inzwischen daran gewöhnt, und sehen, dass sich der LED-Markt so entwickelt hat, dass sie für ihre Glühlampe Ersatz finden.“

          Der Marktanteil von LEDs wächst rasant. 2014 lag er nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung bei gut 38 Prozent, im vergangenen Jahr schon bei fast 61 Prozent. Der Anteil klassischer Halogenlampen ging im gleichen Zeitraum von 16,7 auf 12 Prozent zurück.

          Als die Glühlampe vor sechs Jahren vom Markt verschwand, waren die Alternativen noch lange nicht so ausgereift. Doch das Ende der Glühbirne hat den technischen Wandel eben auch vorangetrieben, wie Colaço sagt.

          Die EU-Kommission prüft derzeit schon, wie es in Sachen Ökodesign weitergehen könnte. Studien sollen etwa das Einsparpotenzial von Wasserkochern, Handtrocknern, Hochdruckreinigern oder Aufzügen aufdecken.

          Weitere Themen

          Auslaufmodell Geldautomat

          Bargeld : Auslaufmodell Geldautomat

          Der Geldautomat war eine Errungenschaft der Neunziger. Danach wuchs ihre Zahl langsamer, mittlerweile geht sie zurück. Aber auch die Nutzung nimmt ab. Ein Auslaufmodell?

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Ola Källenius (r) löst Dieter Zetsche an der Konzernspitze von Daimler ab.

          Chefwechsel bei Daimler : Der Schnauzbärter hat seine Leichtigkeit verloren

          Die Ära von Dieter Zetsche endet. Erst manövrierte er Daimler am Rande der Existenz, dann führte er den Konzern in neue Höhen. Seit dem Diesel-Skandal ist die Zeit der Rekorde vorbei. Beginnt mit Ola Källenius die nächste Ära?
          Klimaschützer fordern, dass das Fliegen teurer werden soll.

          FAZ Plus Artikel: Flugverkehr : Warum die Kerosinsteuer eine Luftnummer ist

          Flüge sind viel zu billig, klagen Klimaschützer. Spitzenpolitiker versprechen im Wahlkampf deshalb eine Kerosinsteuer auf EU-Ebene. Doch die könnte gegen internationale Regelungen verstoßen – und ist politisch kaum durchsetzbar.
          Heinz-Christian Strache am 18. Mai 2019 in Wien während einer Pressekonferenz, nachdem das „Ibiza-Video“ öffentlich geworden war.

          Woher stammt das Ibiza-Video? : Hinweise auf Mittelsmänner

          Ist der Kontakt zu der angeblichen Oligarchennichte über einen Wiener Anwalt angebahnt worden? Österreichische Medien berichten über mögliche Mittelsmänner hinter dem Video, das Vizekanzler Strache zu Fall gebracht hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.