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Weniger drin, Preis gleich : „Mogelpackungen“ ärgern Supermarkt-Kunden

  • Aktualisiert am

Seit 2009 sind Packungsgrößen nicht mehr festgelegt - das lädt Hersteller zum Tricksen ein. Bild: dpa

Mehr Riegel in der Schokolade, das sieht gut aus. Doch stellt sich raus, dass die Riegel geschrumpft sind, der Preis aber nicht, gibt es Frust. Verbraucherschützer haben nun einen Lösungsvorschlag.

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          Es gibt Tage, da muss Armin Valet so schnell wie möglich einkaufen. Meist klappert er mehrere Supermärkte ab, fast wie ein Detektiv: um Beweise zu sichern. Butterkekse waren so ein Fall. Die waren plötzlich kleiner als sonst, die Packung 50 Gramm leichter. Sie kostete aber weiterhin 99 Cent. „Versteckte Preiserhöhung“, nennt Valet das. Erfährt er davon, muss er schnell in den Laden. Er braucht eine Vorher- und eine Nachher-Packung als Beleg.

          Valet ist Verbraucherschützer in Hamburg. Jedes Jahr bekommt er mehr als tausend Hinweise von Kunden, die solche „Mogelpackungen“ enttarnen, wie Valet sie nennt. Etwa wenn weniger Schoko-Dragees aus der Pappröhre rollen als üblich, der Preis aber gleich bleibt. Wenn bei Schokoriegeln das Fünfer- zum Sechserpack wird - man für das gleiche Geld vorher aber sieben Riegel bekommen hätte.

          Seit 2009 sind Packungsgrößen nicht mehr festgelegt. „Da wird immer wieder getrickst“, sagt Valet. Preiserhöhungen würden so versteckt. Valet führt darüber eine Liste, die schon 116 Seiten umfasst. Fast alle Arten von Supermarkt-Artikeln stehen darauf, vom Babybrei bis zur Zahnpasta - besonders aber Süßwaren. „Die Verbraucher fühlen sich über den Tisch gezogen.“

          Manchmal vergleichen Kritiker Äpfel mit Birnen

          Die Verbraucherschützer wollen dem nun einen Riegel vorschieben. Bei Politikern werben sie seit einigen Wochen für ihre Idee: „Wir wollen eine Preistransparenzstelle schaffen, eine Online-Plattform, wo Hersteller Füllmengen-Veränderungen veröffentlichen müssen.“ Wie bei Apps für Spritpreise könnten sich die Kunden dann einen Überblick verschaffen. Handel und Hersteller halten aber dagegen.

          „Die Preistransparenzstelle ist unnötig“, meint etwa Kai Falk, Geschäftsführer beim Handelsverband Deutschland. Denn der Handel müsse ja schon die Grundpreise pro 1000 Gramm oder 1000 Milliliter am Ladenregal angeben - unabhängig davon, wie groß die Packungen sind. Das sei für die Unternehmen sehr teuer. Die Online-Plattform würde zu noch mehr Kosten führen, die am Ende der Kunde tragen müsse.

          „Es gibt eine Preistransparenz“, meint auch Stephan Nießner, der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie. Angesprochen auf „Mogelpackungen“ sagt er: „Es gibt immer Einzelfälle.“ Verstöße müssten aber den Lebensmittelkontrollbehörden gemeldet werden. Zum Teil verglichen Kritiker auch Äpfel mit Birnen - etwa aufwändig dekorierte Sonderpackungen zu Ostern mit Alltagsware.

          Grundpreise am Regal bringen jedoch noch keine gläsernen Preise. Denn wenn sich die Packungsgröße über Nacht ändert, verschwindet der alte Grundpreis vom Regal. Der Handel hält Vorher-Nachher-Vergleiche aber ohnehin für schwierig. Schließlich schwankten auch die Rohstoffpreise etwa für Kakao und Nüsse sehr stark. Preise entwickelten sich auch nicht automatisch entsprechend der Packungsgröße, weil auch Kosten für Personal, Transport und Marketing hineinspielen.

          Wenn es um ihre Lieblingsschokoladen oder -kekse geht, ist für die Kunden der Preis ohnehin nicht immer entscheidend, bemerkt selbst Verbraucherschützer Valet. Nach Erhöhungen schmollen die meisten demnach nur kurz. „Die Verbraucher kommen nach ein paar Wochen doch wieder zurück.“

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