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Mobilität einmal anders : Per Anhalter in die Luft

Ein einmotoriges Leichtflugzeug am Flugplatz Mainz-Finthen kurz vor dem Start. Bild: dpa

Hobbypiloten nehmen gerne zahlende Passagiere mit. Wie teuer ist diese Art zu reisen? Wir haben es ausprobiert.

          Es ist ein Blind Date der ungewöhnlichen Art. Nicht mit einer hübschen Dame, nicht abends bei Kerzenlicht im Restaurant. Sondern nachmittags, auf dem Sport-Flugplatz Mainz-Finthen. Mit Alexander. Ich habe ihn über Wingly kennengelernt, Deutschlands größter Mitflugzentrale im Internet. Er ist Hobbypilot und bietet über das Portal regelmäßig Flüge an. Nicht als gewerblichen Flug, sondern als Mitflug gegen Kostenbeteiligung. Das will ich ausprobieren.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wingly vermittelt diese Flüge seit 2016 für Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Deutschland werden jährlich mehr als 30.000 Flüge von 450 deutschen Flugplätzen angeboten, 4000 Piloten sind hierzulande registriert. Die Vermittlung kostet vier Euro Gebühr und 15 Prozent des Flugpreises. Auch die Konkurrenten Flyt.club oder für Frankreich Coavmi berechnen Vermittlungsgebühren. Kostenlos, aber weniger professionell geführt, mit weniger Auswahl an Flugangeboten und nicht immer aktuell sind eddh.de und mitflugzentrale.de.

          Die Anbieter sind so etwas wie ein Blablacar der Lüfte, also eine Mitfluggelegenheit in kleinen zwei- oder viersitzigen Hobby-Flugzeugen. Die Piloten bieten Flüge an, um sich die hohen Kosten für Flugzeugmiete und Sprit mit Passagieren teilen zu können. 150 Euro bis 350 Euro je Flugstunde, abhängig von der Größe der Maschine, müssen sie selbst zahlen. Sie dürfen diese Kosten auf alle Mitflieger umlegen, aber keinen Gewinn erzielen. Sie wollen durch die Flüge auch auf die vorgeschriebene Zahl von Flugstunden kommen, um ihre Lizenz zu behalten. Zwölf Stunden in den vergangenen zwölf Monaten werden verlangt.

          Einen einstündigen Flug gibt es schon ab 50 Euro

          Die Passagiere wiederum fliegen zu günstigeren Preisen im Vergleich zu gewerblichen Anbietern. Einen einstündigen Flug gibt es schon ab 50 Euro. Man profitiert von einem beeindruckenden Flugerlebnis auf niedriger Höhe. Und von Strecken, die mit den großen Jets der etablierten Fluggesellschaften gar nicht beflogen werden können, weil die Flugplätze zu klein sind. Zum Beispiel nach Konstanz, Freiburg und Worms. Oder Flensburg, Koblenz und Ingolstadt. Oder zu touristischen Zielen wie den Nordseeinseln, Usedom, Rügen und Rothenburg ob der Tauber. Selbst ein Ausflug nach Südtirol oder Venedig über die Alpen wird angeboten. Rund 40 Prozent der Flüge sind Streckenflüge von A nach B, teilweise mit Rückflug ein paar Tage später. Der Rest sind Rundtouren, vor allem in der Nähe von Großstädten.

          Das probiere ich aus. Von Mainz soll es nach Frankfurt und zurück gehen. Eine Stunde, 84 Euro. Die Tour hätte es auch für 54 Euro gegeben, aber nur in einem kleineren Flugzeug. Ich registriere mich auf Wingly, Name und E-Mail-Adresse reichen. Bei der Buchung muss ich noch mein Gewicht und mögliches Gepäckgewicht angeben. Denn das bestimmt den Spritverbrauch.

          Zehn Rundflüge werden aktuell angeboten. Auf der Website wird die Route beschrieben, im direkten Gespräch mit dem Piloten lassen sich aber noch Wünsche äußern, etwa ein Flug übers eigene Haus. Das Portal beschreibt die Erfahrung des Piloten anhand der Zahl der Flugstunden insgesamt und mit dem speziellen Flugzeug. Je mehr, desto besser. Ängstliche können sich aber vor dem Start auch noch Fluglizenz und Flugbuch zeigen lassen: Hat der Pilot in den vergangenen 90 Tagen die vorgeschriebenen drei Starts mit diesem Flugzeug gemacht? Wie viele Starts hatte er insgesamt? Bei Start und Landung passieren die meisten Unfälle, Kollisionen in der Luft oder technische Defekte sind selten. 2017 gab es in Deutschland mit Kleinflugzeugen unter zwei Tonnen Gewicht 64 Unfälle, davon endeten sieben tödlich. Bei allerdings auch geschätzt mehr als einer Million privaten Flügen und 6500 registrierten Kleinflugzeugen. Die meisten sind in Besitz von Fliegerclubs, selten befinden sie sich in privater Hand. Die Wartung wird jährlich von der Luftaufsicht kontrolliert.

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