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Mobilität von morgen : So werden wir uns künftig in der Stadt bewegen!

Station einer anderen, pünktlichen Linie zu radeln und dort umzusteigen. Oder sie empfiehlt, heute mal eine längere Strecke mit dem Rad zu fahren, weil die eingebaute Gesundheitsfunktion errechnet hat, dass der Nutzer in dieser Woche noch nicht die gewünschten Kilometer gefahren ist. Solche Modelle sind in der Erprobung und könnten in spätestens zwei bis fünf Jahren üblich sein.

Auch Arbeitgeber könnten Beitrag leisten

Vorschläge gibt es also genug, wie die Mobilität in der Großstadt künftig umweltfreundlicher und stauärmer organisiert werden könnte. Viele haben gravierende Nebenwirkungen und sind nur auf Kosten anderer zu verwirklichen. So sind zum Beispiel mehr Radwege und mehr Straßenbahnen nur möglich, wenn eine Straßenspur dafür geopfert oder der Gehweg noch schmaler wird. Auch die Digitalisierung ist nicht die Allzweckwaffe gegen Stau und Dreck, wie sie von einigen angepriesen wird. Sie hilft, Verkehrsmittel zu verknüpfen und die Nutzung komfortabler zu machen, aber der Verkehr ist weiter vorhanden.

Nötig sind Verhaltensänderungen der Menschen, und die brauchen lange. Ein eingefleischter Autofan steigt nicht einfach so um, sondern stellt sich zur Not auch im klimatisierten eigenen Wagen bei schöner Musik lieber in den Stau als in eine vollgestopfte S-Bahn. Manche Städte bieten Neubürgerpakete mit einem kostenlosen Nahverkehrsticket für die ersten Monate, denn erfahrungsgemäß sind die Menschen bei Umzügen in andere Städte eher bereit, ihre bisherigen Fahrgewohnheiten umzustellen. Reutlingen, eine der Modellstädte, in der Maßnahmen zur Luftreinhaltung getestet werden, schlägt vor, Autofahrern, die probeweise ein Jahr auf ihren Wagen verzichten, eine kostenlose Jahreskarte für den Nahverkehr zur finanzieren. Familien könnten eine Mitgliedschaft für einen Carsharing-Anbieter finanziert bekommen. Die zunehmend autofreie Jugend ist zudem eine Hoffnung, dass sie sich auch in späteren Jahren nicht ans Auto gewöhnt.

Auch die Arbeitgeber könnten ihren Beitrag leisten. Indem sie die Arbeit zu Hause (Homeoffice) oder in Wohnortnähe (Co-Working-Spaces) erleichtern und damit Verkehr vermeiden. Indem sie in der innerstädtischen Zentrale keine Parkplätze mehr für die Mitarbeiter zur Verfügung stellen und statt Dienstwagen lieber Diensträder finanzieren. Manche Unternehmen sind besonders kreativ, indem sie Wettbewerbe unter den Mitarbeitern anbieten: Da werden Radmeilen gesammelt oder der Kollege prämiert, der am wenigsten CO2 bei der Anreise produziert.

Auch die Politik könnte einige Rahmenbedingungen ändern. Der Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, Andreas Knie, schlägt dazu Experimentierräume vor, in denen die Kommunen in einem begrenzten Gebiet Regeln probeweise ändern könnten. Berlin, Tübingen, Freiburg, Leipzig und Dresden würden darüber nachdenken. So könnte die Stellplatzordnung weniger Parkplätze in der Stadt vorschreiben, das Personenbeförderungsgesetz auch innovative und günstigere Taxidienste wie Uber ermöglichen. Allerdings könnten dann wieder einige geneigt sein, von der Straßenbahn aufs Taxi und damit zurück auf die Straße umzusteigen. Eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes und der Arbeitsstättenverordnung könnte die Arbeit zu Hause erleichtern. Die Abschaffung der Pendlerpauschale würde das Pendeln aus den Vororten unattraktiver machen und damit Verkehr reduzieren, gleichzeitig aber noch mehr Umzüge in die eh schon überlasteten Städte provozieren. Auch das zeigt: Die Ideallösung für den Stadtverkehr der Zukunft gibt es nicht. Die Großstädte haben trotzdem viele Möglichkeiten, den Verkehr richtig ins Rollen zu bringen.

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